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Merken   Drucken   07.01.2009, 13:26 Schriftgröße: AAA

Bilanzmanipulation: Satyam-Skandal erschüttert Indien  

Indiens viertgrößter IT-Dienstleister galt als riesige Erfolgsgeschichte - das war einmal. Die Zahlen waren manipuliert, der Chef musste gehen, die Aktie kracht um drei Viertel ein. "Indiens größter wirtschaftlicher Rückschlag", meint bereits ein Beobachter. von Martin Ottomeier (Hamburg)
In Indien bahnt sich einer der größten Wirtschaftsskandale des Landes an. Der Chairman des IT-Dienstleisters Satyam ist am Dienstag zurückgetreten, nachdem er umfangreiche Bilanzmanipulationen eingestanden hatte. In einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung teilte Ramalinga Raju mit, der Gewinn des Unternehmens sei über mehrere Jahre überhöht worden. Er übernahm die alleinige Verantwortung. Andere Vorstandsmitglieder hätten davon nichts gewusst, schrieb er.
Die Mitteilung hat den Satyams Aktienkurs dramatisch fallen lassen. Das Papier notierte kurz vor Börsenschluss 77,5 Prozent niedriger bei 40,25 indische Rupien. "Das ist ein schwarzer Tag für Indien, die Softwarebranche und die Forderung nach guter Unternehmensführung", sagte Arun Kejriwal, Gründer von Kejriwal Research & Investment Services, der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das dürfte der größte Rückschlag für die indische Wirtschaft jemals sein", sagte er.
Satyam ist Indiens viertgrößter IT-Dienstleister. Die Branche ist das Aushängeschild der indischen Wirtschaft. Seit Jahren verzeichnet die Branche zweistellige Zuwächse und hat Kunden in der ganzen Welt. Zu den Kunden von Satyam gehört etwa Airbus. Mit der Bertelsmann-Tochter Arvato ist das Unternehmen eine Allianz eingegangen, um im deutschen Mittelstand Kunden zu gewinnen.
Laut Raju existieren 50,4 Mrd. Rupien (760 Mio. Euro) der in der Bilanz ausgewiesenen 53,6 Mrd. Rupien an Barreserven und Bankguthaben nicht. Der Umsatz im Ende September beendeten Quartal betrug 21 Mrd. statt 27 Mrd. Rupien, die operative Marge 3 statt 24 Prozent.
Bei Satyam herrscht schon seit einiger Zeit Chaos. Ausgelöst wurde es durch eine geplatzte 1,6 Mrd. $ schwere Übernahme von Firmen, die von Satyam-Chairman Raju kontrolliert werden. Das Scheitern des Geschäfts ließ den Aktienkurs von Satyam einbrechen und zog heftige Kritik des größten externen Aktionärs nach sich. Außerdem verhängte die Weltbank eine Auftragssperre gegen Satyam. Demnach erhält das indische Unternehmen acht Jahre keine Aufträge mehr von der Institution. Grund: Nach FT-Informationen hat das Unternehmen Mitarbeitern der Weltbank "unangemessene Leistungen" zukommen lassen. Satyam weist den Vorwurf vehement zurück. Seit Beginn des Skandals Mitte Dezember sind mittlerweile vier Mitglieder des Aufsichtsgremiums zurückgetreten.
  • FTD.de, 07.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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