Er machte bei Siemens Karriere und wechselte nach mehr als zwanzig Jahren nach Kanada. Der deutsche Manager, der zuletzt für das Tagesgeschäft bei RIM zuständig war, soll den Umbruch schaffen.
von Andreas Albert
Thorsten Heins sorgt gerne für Bewegung. Der ehemalige Siemens-Manager fährt in seiner Freizeit Motorrad und geht wandern und Ski fahren. Beruflich ist Heins dagegen nicht so vielseitig. Der gebürtige Niedersachse stieg nach seinem Diplom in Physik und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Hannover 1984 direkt bei Siemens ein. Dort brachte er es zum Chef der Technologiesparte des einst riesigen Kommunikationssegments.
Im Februar 2004 wurde der Manager Chef der Siemens Mobilfunksparte. Schon damals arbeitete er mit RIM zusammen und baute deren E-Mail-Funktion in die eigenen Handymodelle ein. Als Siemens das defizitäre Geschäft im Juni 2005 an BenQ verschenkte, blieb Heins als Technikchef im Vorstand der Communications-Sparte. Doch auch die wurde bald darauf in ihre Einzelteile zerlegt.
Nach der Pleite der Handysparte unter der Regie von BenQ stieg Siemens nach und nach aus dem Telekommunikationsgeschäft aus. In der Schmiergeldaffäre des Unternehmens entpuppte sich die Kommunikationssparte als besonders korruptionsverseucht.
Im Dezember 2007 wechselte Heins nach mehr als zwanzig Jahren bei Siemens zu RIM, dessen Sitz im kanadischen Waterloo in der Provinz Ontario liegt. Zuletzt leitete der 54-Jährige zusammen mit einem Kollegen dort das Tagesgeschäft des Blackberry-Herstellers. Er habe nie Probleme gehabt, als Deutscher akzeptiert zu werden, sagte Heins, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. "Kanada ist ein sehr offenes Land. Ich liebe es, hier zu leben."
Heins war während seiner Karriere bei RIM auch für das Smartphonegeschäft verantwortlich und hat das Produktportfolio maßgeblich mitbestimmt. Dabei stand er lange im Schatten des Führungsduos aus Firmengründer Mike Lazaridis und Jim Balsillie, die sowohl den Posten des Konzernchefs als auch den des Direktoriumsvorsitzenden gemeinsam ausübten. Nach seiner Ernennung zum neuen Konzernchef kündigte Heins an, dass er sich in seiner neuen Aufgabe für eine entschlossenere Produktentwicklung einsetzen werde.
Kritiker bemängeln seit längerem, dass sich RIM zu spät und nicht umfassend genug auf das Privatkundengeschäft gestürzt hat. Apples iPhone oder die zahlreichen Geräte mit Googles Android-Software zogen mühelos am Blackberry vorbei. Auch Apples erfolgreichem iPad setzte RIM erst spät einen eigenen Tablet-PC, das Playbook, entgegen - bei Markteinführung vergangenes Frühjahr dann auch noch ohne die zentralen Email-Funktionen des Blackberry.
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