"Wir werden auf der Internationalen Funkausstellung einen Prototypen in einem für uns neuen Segment vorstellen, der von den Funktionen her mit einer Spiegelreflexkamera konkurrieren kann", sagte Casio-Chef Kazuo Kashio der Financial Times Deutschland. Nach verkauften Stückzahlen ist Casio der drittgrößte Hersteller Japans und bietet bislang keine Spiegelreflex-Kameras an.
Für das vor allem als Taschenrechner- und Uhrenhersteller bekannte Unternehmen ist der Schritt nicht zu unterschätzen: Bisher stellte Casio unter der Marke Exilim nur preiswerte, aber schlank und modisch gestylte Kompaktkameras her. Doch in diesem Markt scheinen Casios Möglichkeiten ausgereizt. Nach rund 30 Prozent im Vorjahr soll der Kameraabsatz 2007 nur noch um 16 Prozent auf sieben Millionen Stück steigen. Casios Umsatzwachstum wird nach der Firmenprognose gar von sieben Prozent im vergangenen Jahr auf drei Prozent oder 650 Mrd. Yen (4,1 Mrd. Euro) im Jahr 2007 sinken.
Stillstand will Kashio allerdings nicht akzeptieren. Seiner Ansicht nach muss der im Weltmaßstab kleine Konzern mit innovativen Produkten weiter expandieren, um überleben zu können. "Wenn wir Produkte herstellen, die andere auch fertigen können, werden wir aus dem Markt verdrängt", sagt Kashio. "Das hat uns unsere Erfahrung gelehrt."
Zum Jahrtausendwechsel hatte Kashio den drohenden Untergang des familiär geführten Unternehmens abgewendet. Dazu fokussierte er die Ressourcen neben den zwei stabilen und hochprofitablen Geschäftsbereichen der elektronischen Wörterbücher und Quarzuhren auf die Wachstumsfelder Digitalkameras und Handys. Mit Ideen wie einem wasserdichten und stoßfesten Handy wuchs der Umsatz von 2001 bis 2006 um rund 62 Prozent auf 621 Mrd. Yen.
Die Kehrseite der Strategie ist jedoch, dass die Gewinnmarge in den definierten Wachstumsmärkten wegen des harten Preiskampfs mit 6,1 Prozent weniger als halb so hoch wie in den traditionellen Geschäftsfeldern ist. Die Handysparte ist bereits zum Problem geworden, weil Casio bisher nur Telefone für den von wenigen Telefongesellschaften verwendeten CDMA-Standard und nicht für den weltweit gängigeren UMTS-Standard herstellt. Daher hat der Casio-Konzern in diesem Bereich auch nur drei Kunden: AU in Japan, Verizon in den USA und LG Telecom in Südkorea. So fehlt dem Unternehmen die Masse, um dauerhaft gute Gewinnmargen zu erzielen.
Kashio verspricht Besserung. Das Unternehmen erwäge, vielleicht schon im nächsten Jahr auch UMTS-kompatible Telefone anzubieten. Außerdem will Casio seine Verkäufe in den Vereinigten Staaten deutlich steigern. Eine Abwicklung der Handysparte kommt für Kashio strategisch nicht infrage. "Dort verdienen wir keine hohe Marge, aber wir lernen viele neue Technologien kennen."
Bei Uhren will Kashio durch den Verkauf von Funkuhren, die sich automatisch sekundengenau stellen, weltweit weiter wachsen. Der neueste Markt ist China, wo gerade die notwendige Signalsende-Infrastruktur für diese Technik vom Staat aufgebaut wird.