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Merken   Drucken   02.04.2009, 21:22 Schriftgröße: AAA

Chance für Hightech-Firmen: Automatische Kontrolle an der Grenze

Mehr Sicherheit, geringere Kosten, schnellere Abfertigung: Von biometrischen Passkontrollen erhoffen sich Flughäfen und IT-Konzerne gute Geschäfte - allein die Tücken der Technik werden allzu oft unterschätzt.
von Matthias Oden

So also soll die Grenzkontrolle der Zukunft aussehen: Ein Scanner für den Reisepass, einer für Fingerabdrücke, eine Kamera, um Fotos zu machen, die ein Computer mit dem im Pass vergleicht. Glastüren, die sich öffnen, wenn alles seine Richtigkeit hat. In dem Szenario, das das IT-Beratungsunternehmen Accenture in Brüssel entwirft macht Ärger: der Prototyp der Anlage.

Für die Gesichtserkennungssoftware stimmen die Passfotos regelmäßig nur zu drei Prozent mit den Personen vor der Kamera überein. Acht Sekunden sind für das Scannen des Passes eingeplant. Tatsächlich dauert es deutlich länger und bricht ab, wenn der Ausweis versehentlich bewegt wird. "Das System funktioniert", gibt sich Claus Wilkki trotzdem zuversichtlich. Der Marketingdirektor muss es sein: Es geht schließlich um den nach Amerika wichtigsten Markt für elektronische Grenzkontrollen, die EU.

Bis 2015 will Europa ein ähnliches Register wie die USA schaffen, in dem sich Ausländer bei der Einreise mit Fingerabdruck und Foto identifizieren müssen. Auch EU-Bürger sollen ermuntert werden, die biometrischen Daten ihres Passes bei der Abfertigung zu nutzen. Dafür müssen rund 1800 Kontrollposten in der Union umgerüstet werden. Neben Accenture hoffen Konzerne wie EADS , BAE Systems  oder Sagem Sécurité auf lukrative Aufträge aus den Mitgliedsstaaten.

Prototyp eines Abfertigungsschalters der Zukunft   Prototyp eines Abfertigungsschalters der Zukunft

Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz mit elektronischen Grenzkontrollsystemen in der EU 250 Mio. Euro. Für 2015 rechnen Analysten mit 400 Mio. Euro. Das ist vorsichtig geschätzt: Den USA war die elektronische Aufrüstung ihrer Grenzen 2004 über fünf Jahre immerhin 10 Mrd. $ wert.

Die wichtigsten Abnehmer von Iris- oder Fingerabdruckscannern sind Flughäfen. Schon heute stecken sie rund vier Fünftel ihrer Sicherheitsbudgets in Anschaffung und Unterhalt biometrischer Kontrollsysteme. Die EU mag sich davon einen Rückgang illegaler Einwanderung erhoffen, den Flughafenbetreibern geht es vor allem um eins: Zeit- und damit Kostenersparnis beim Abfertigen der Reisenden.

Jährlich passieren knapp 800 Millionen Reisende Kontrollstellen in der EU. Gegenüber der herkömmlichen Ausweiskontrolle, die mit etwa 3,68 $ pro Person zu Buche schlägt, kostet eine automatisierte nur noch 0,16 $, rechnet der internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA vor. Da zudem die Schlangen vor Abfertigungsschaltern schrumpfen würden, ließe sich die frei werdende Fläche an Ladenbetreiber verpachten, neue Terminals würden weniger Platz benötigen.

Europäische Pilotprojekte testen bereits biometrische Passkontrollen. Neben den Tücken der Technik müssen Unternehmen aber auch mit Sicherheitsproblemen kämpfen, warnen Kritiker. Vor allem Fingerabdruckscanner seien unzuverlässig: Für gefälschte Abdrücke brauche man nur Holzleim, einen Laserdrucker, Grafitpulver und einen Pinsel, so Jan Krissler vom Chaos Computer Club. "Man investiert 5 Euro und fertig."

  • Aus der FTD vom 03.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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