SAP bemüht sich damit, wie andere global aufgestellte IT-Konzerne, am chinesischen Wirtschaftswachstum teilzuhaben. Auf der anderen Seite müssen die Deutschen versuchen, aufstrebende Wettbewerber in Schach zu halten. "Wenn chinesische Firmen in ihrem Heimatmarkt groß werden und beginnen, ihre Produkte in Europa anzubieten, könnte das für SAP eine zusätzliche Konkurrenz bedeuten", sagt IDC-Analyst Rüdiger Spies.
Das chinesische Softwaregeschäft ist ein kleiner, aber schnell wachsender Markt. Der Marktforscher IDC schätzt das Volumen im Jahr 2014 auf 1,7 Mrd. Dollar - die Wachstumsrate läge damit aber bei 14,2 Prozent. SAP ist Weltmarktführer im Geschäft mit sogenannter ERP-Software, die Unternehmen zur Planung und Steuerung von Geschäftsprozessen einsetzen. Dazu gehören neben Programmen für Buchhaltung und Controlling auch strategische Planungstools. In China liegen die Walldorfer in dem Markt zwar hinter dem chinesischen Marktführer UFIDA auf Platz Zwei, sind anderen ausländischen Konkurrenten aber weit voraus.
"China ist einer der Eckpfeiler unserer Wachstumsstrategie 2015", sagte ein Sprecher. Bis dahin will SAP den Umsatz von zuletzt 12,5 auf 20 Mrd. Euro erhöhen und eine operative Rendite von 35 Prozent abliefern. 2010 lag diese bei 31 Prozent.
Wie viel Umsatz SAP in China macht, weist das Unternehmen nicht aus. Die gesamte Region Asien-Pazifik trug zuletzt 16,2 Prozent zu den Produktumsätzen bei. Das ist in etwa soviel, wie SAP in Deutschland mit Software- und Wartungsverträgen verdient. Allerdings wuchs SAP in der Region im dritten Quartal mit 24 Prozent weltweit am schnellsten. In China seien die Wachstumsraten noch höher, sagte ein Sprecher, ohne genauer zu werden. SAP verspreche sich dort in den kommenden Jahren noch mehr Wachstum, da sich immer mehr Unternehmen in dem Land ansiedelten und chinesische Firmen stärker auf den Weltmarkt drängten.