Der Münchner Chiphersteller Infineon verhandelt nach FTD-Informationen mit dem US-Rivalen Intel über den Verkauf seiner Sparte für Mobilfunkchips. Intel habe großes Interesse, verlautete aus Infineon-Kreisen.
"Es wird intensiv gesprochen" , hieß es. Aus Sicht des Münchner Dax -Konzerns ist allerdings fraglich, ob eine Trennung von der gerade erfolgreich sanierten Sparte sinnvoll ist.
So gilt Konzernchef Peter Bauer als Gegner eines Verkaufs, obwohl Infineon ein Milliardenerlös winkt. Infineon und Intel lehnten jeden Kommentar ab. Die Aktien von Infineon legten am Montag kräftig zu. Die Papiere kletterten zeitweise um 3,5 Prozent und führten damit die Gewinnerliste im Dax an.
Der weltgrößte Chipkonzern Intel versucht seit Längerem, in den Markt für Handychips einzusteigen. So gingen die Amerikaner Mitte 2009 eine Kooperation mit dem Mobiltelefonhersteller Nokia ein, um gemeinsam Datenträger für die mobile Internetnutzung zu entwickeln.
Infineons Sparte ist für Intel besonders attraktiv, weil die Münchner Bausteine für Smartphones wie das iPhone sowie den Tablet-Computer iPad aus dem Hause Apple liefern.
Diese Technik basiert auf dem Handychip-Standard des britischen Designers ARM, der mit dem Vormarsch der Smartphones an Bedeutung gewinnen dürfte. Dagegen produziert Intel bislang Chips für PC nach dem x86-Standard.
In Branchenkreisen wird immer wieder angezweifelt, ob Infineons Handychip-Sparte auf Dauer groß genug ist zum Überleben. Im ersten Halbjahr 2010 kam sie auf 537 Mio. Euro Umsatz und einen schmalen operativen Gewinn von 26 Mio. Euro. Der wichtigste europäische Wettbewerber ST Ericsson ist etwa doppelt so groß, Weltmarktführer Qualcomm aus den USA erlöste im ersten Halbjahr sogar umgerechnet mehr als 4 Mrd. Euro. Das lange defizitäre Geschäft hat sich jedoch zuletzt gut entwickelt und Marktanteile gewonnen.
Infineon beliefert inzwischen alle maßgeblichen Hersteller von Mobiltelefonen, darunter Nokia, Samsung, den Blackberry-Produzenten RIM und eben auch Apple. "Jetzt treibt die Handychip-Sparte das Wachstum von Infineon", schreiben die Analysten von der Investmentbank JP Morgan Cazenove. Dazu trügen insbesondere der Kleincomputer iPad und das Multifunktionshandy iPhone sowie das Hochfahren der Produktion für Nokias Billighandys bei, die anders als üblich mit nur einem Chip arbeiten. Damit werde sich auch die Gewinnmarge deutlich verbessern, so die Analysten in ihrem Bericht. Vor vier Jahren stand das Geschäft noch vor dem Abgrund: Damals musste der mit Abstand größte Kunde, die ehemalige Siemens -Handy-Sparte BenQ Mobile, Insolvenz anmelden.
| Aufwärtstrend |
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| Gut gestartet Im Vergleich zum Krisenjahr 2009 legte der Infineon-Umsatz im Quartal bis Ende März deutlich zu. Bei Wireless Solutions lag das Plus bei 31 Prozent; Automotive und Industrial & Multimarket wuchsen um 67 bzw. 63 Prozent. |
| Gute Aussichten 2010 soll der Handyabsatz stark steigen und damit die Nachfrage nach speziellen Chips wie Infineon sie anbietet. |
Gegen einen Verkauf spricht auch, dass Infineon kein Geld benötigt. Im Gegenteil: Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr sitzt der Konzern auf Geldmitteln von 1,7 Mrd. Euro. Nach Abzug der Schulden beträgt die Nettoliquidität immer noch 1 Mrd. Euro. So müsste der Vorstand mit massivem Widerstand der Arbeitnehmerseite rechnen, wenn er ein Viertel seines Geschäfts ohne Not veräußern wollte. Konzernweit hat Infineon 25.000 Mitarbeiter, davon rund 9000 in Deutschland.
In Branchenkreisen wird zwar immer wieder spekuliert, dass Infineon sich im Gegenzug in seinen zwei größeren Geschäftssegmenten verstärken könnte: dem Auto- und Industriegeschäft. Allerdings hatte Infineon-Chef Bauer größeren Akquisitionen zuletzt immer eine Absage erteilt.
So bleibt Infineon auch beim Börsengang des niederländischen Chipkonzerns NXP in der Zuschauerrolle. Derzeit finden Unternehmenskreisen zufolge keine Gespräche statt. Dabei wäre NXP prinzipiell zu haben. Deren Eigner um die amerikanischen Finanzinvestoren KKR und Silver Lake haben Mitte vergangenen Monats angekündigt, die hoch verschuldete Chipfirma in den USA an die Börse zu bringen.
Eine solche Ankündigung ist häufig in erster Linie ein Signal an potenzielle Interessenten, dass das Unternehmen zum Verkauf steht. So haben der Investor Permira und die Bank Goldman Sachs das Listing der Spezialchemiefirma Cognis vor allem mit dem Ziel gestartet, BASF und weitere potenzielle Interessenten zu Geboten zu bewegen.
Infineon und NXP hatten vor zwei Jahren intensiv über eine Fusion verhandelt. Die Pläne scheiterte damals vor allem daran, dass beide Unternehmen schwere finanzielle Probleme hatten.