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Merken   Drucken   06.12.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Cloud Computing: So funktioniert die Cloud

Wenn Fotos vom Handy automatisch mit dem PC synchronisiert werden, dann steckt oft die sogenannte Cloud dahinter. Mehr und mehr bestimmt die ominöse Wolke unseren Umgang mit Daten. FTD.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu Cloud Computing, Anbietern und Sicherheit. von Andreas Albert 
Cloud Computing geht alle an. Denn immer mehr Daten liegen nicht mehr auf dem heimischen PC oder auf dem Server der Firma, sondern werden ausgelagert in die Datenwolke, die sogenannte Cloud. Meistens bekommt der Anwender davon gar nichts mit. Aber wie funktioniert es, und was sind die Gefahren von Cloud Computing?
Amazon   Amazon
Alle großen IT-Konzerne bauen derzeit ihre Kapazitäten im Cloudcomputing aus. SAP  will mit der Übernahme des US-Anbieters Successfactors zu einem großen Anbieter werden. SAPs Wettbewerber bei Firmensoftware, Oracle , zahlte Ende Oktober 1,5 Mrd. Dollar für den Cloudanbieter Rightnow.
Der Onlineversandhändler Amazon ist weltweit einer der größten Clouddienstleister. Der Konzern vermietet mit seinen Webservices Produkte und Dienstleistungen vom einfachen Speichern von Daten bis zum Verarbeiten. Der Clouddienst bei Amazon resultierte aus der Erfahrung, die der Konzern mit seinen Datencentern in der Logistik gemacht hatte. 2006 begann Amazon dann, sein Infrastruktur-Know-how zu vermieten.
Weitere große Anbieter sind Google und Apple. Apple mietet für seine iCloud Medienberichten zufolge zeitweise auch Kapazitäten von Amazon. Google bietet seine Bürosoftware Docs über seinen Clouddienst an. Die Software läuft auf den Rechenzentren des Internetkonzerns. Auch Microsoft weicht mit seinem Bürosoftwarepaket Office auf die Cloud aus. Bei dem für Endkunden kostenlosen Office 365 liegt die Software ebenfalls in der Datenwolke, die Nutzer greifen über ihren Webbrowser darauf zu. Der Onlineanbieter Yahoo gehört ebenso zu den Providern von Rechenkapazität.
Auch die großen IT-Konzerne wie IBM , Hewlett-Packard  und Dell  tummeln sich in dem Markt. Sie bieten mit ihren Dienstleistungen Unternehmenskunden Komplettpakete von der Wartung bis zur Datenspeicherung. Kleinere Anbieter wie VMWare, die bisher Virtualisierungsdienste anboten, und die Telekom , die damit wirbt, dass ihre Rechenzentren in Deutschland stehen und daher der deutschen Rechtsprechung unterliegen oder BT  bieten ebenfalls umfangreiche Clouddienste.
Notebooks auf Wolken: Illustration zu "Cloud computing", ...   Notebooks auf Wolken: Illustration zu "Cloud computing", der Speicherung von Daten in Netzwerken
Laut National Institute for Standards and Technology (NIST) werden insgesamt drei verschiedene Servicemodelle beim Cloud Computing unterschieden. Dazu gehören Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS). Als weiterer Dienst kann noch Storage as a Service hinzugerechnet werden.
Die Bereitstellung von Infrastruktur (IaaS) ist die Basisanwendung. Der Kunde konfiguriert die gemietete Kapazität aus Rechenkraft und Speicher selbstständig und ist für den Betrieb selbst verantwortlich. Er hat dann praktisch seine ganze Infrastruktur in ein Rechenzentrum ausgelagert, das ihm nicht gehört.
Stellt der Anbieter eine Plattform zur Verfügung (PaaS), kann der Kunde auf einer bestehenden Softwareinfrastruktur seine Programme laufen lassen. Der Nutzer hat keinen direkten Zugriff auf die Recheninstanzen.
Die umfassendste Dienstleistung beim Cloud Domputing ist die Bereitstellung von Anwendungen (SaaS). Dabei werden Programme wie beispielsweise Google Docs oder Microsoft Office 365 dem Anwender zur Verfügung gestellt. Der Kunde nutzt nur die angebotene Software.
Der Service Storage aaS bezeichnet Speicher- und Backupdienste von Daten in einem Rechenzentrum. Anbieter wie Dropbox stellen Serverkapazitäten zur Verfügung, auf denen Privatpersonen oder kleinere Unternehmen ihre Daten speichern oder sichern können.
Darüber hinaus unterscheidet die NIFIS private, öffentliche und sogenannte hybride Clouds. Als private Cloud gilt demzufolge der Zugriff auf eine IT-Infrastruktur innerhalb eines Unternehmens oder Behörde. Unter einer öffentlichen Cloud werden Dienstleistungen für die breite Öffentlichkeit über das Internet verstanden. Die hybride Cloud kombiniert den Zugang zu privaten und öffentlichen Infrastrukturen.
Hardware Design Manager Amir Michael stellt die Server des facebook ...   Hardware Design Manager Amir Michael stellt die Server des facebook "Open Computer Program" vor
Ein Grund für die zögerliche Durchsetzung von Cloud Computing in Europa ist die unklare Rechtssicherheit. Laut Bundesdatenschutzgesetz müssen beispielsweise deutsche Unternehmen immer Zugriff auf die Daten ihrer Kunden haben und sie löschen oder bearbeiten können. Stehen die Rechenzentren in den USA oder anderen Staaten, ist der Zugang nicht hundertprozentig gewährleistet. Auch der Transfer personenbezogener Daten ins Nicht-EU-Ausland ist umstritten. Daher betreiben viele Anbieter eigene Rechenzentren in Europa.
Die Steuerbehörden haben ebenfalls mitzureden, wenn unternehmensrelevante Informationen ins Ausland verlagert werden. So dürfen beispielsweise Handelsbücher nicht ohne die Zustimmung der Finanzbehörden außerhalb von Deutschland aufbewahrt werden.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt im Umgang von US-Firmen mit Kundendaten. So dürfen US-Geheimdienste beispielsweise auf Grundlage des Antiterrorgesetzes Patriot Act auf Informationen von US-Unternehmen zugreifen. Dazu gehören auch Daten auf deren Servern.
Weitere Unsicherheiten liegen in einer möglichen unautorisierten Weitergabe von Kundendaten. Gerade beim Datenschutz hinken die USA deutschen Standards weit hinterher.
Ein Symbolbild zeigt einen jungen Mann im Schlafzimmer vor seinem ...   Ein Symbolbild zeigt einen jungen Mann im Schlafzimmer vor seinem Computer
Beim Auslagern von sensiblen Daten in die Cloud lauern verschiedene Gefahren. So haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum beispielsweise Ende Oktober schwere Sicherheitslücken in Amazons Cloud-Angeboten aufgedeckt. Mit verschiedenen Methoden seien Forscher in das System eingedrungen und hätten Daten manipulieren können, berichtete Jörg Schwenk vom Lehrstuhl für Netz- und Datensicherheit. Die Schwachstellen seien aber inzwischen behoben. Anhand ihrer Forschungsergebnisse hätte Amazon die Sicherheitslücke bestätigt und sie umgehend geschlossen.
Auch von einem größeren mehrtägigen Ausfall blieb Amazon nicht verschont: So waren vor Ostern zwei Server in Nordamerika drei Tage lang ausgefallen. Ein Fehler bei einem Netzwerkupgrade hatte die Probleme ausgelöst, so die Erklärung. Der Vorfall warf erstmals massive Fragen über die Verlässlichkeit der Cloud Computing-Dienste auf. Mehrere Anbieter, unter anderem die Ortungswebseite Foursquare, konnten damals nicht erreicht werden.
Auch andere Anbieter wie Google hatten bereits mit Datenpannen zu kämpfen. So hatten im März dieses Jahres rund 30.000 Anwender des Dienstes Googlemail ihre gesamte Korrespondenz verloren. Den Sidekick-Dienst von T-Mobile und Microsoft erwischte es 2009. Damals kamen die Daten aller Nutzer in den USA abhanden.
Vor Naturkatastrophen oder Stromausfällen versuchen sich die Cloud Computing Anbieter zu schützen, in dem sie die kompletten Daten in anderen Rechenzentren spiegeln, so also mehrere Backups erstellen. Experten warnen aber auch davor, dass Anbieter von Clouddiensten Pleite gehen könnten. Was dann mit den Daten geschehe, sei nicht abzusehen.
IBM Blue Cloud   IBM Blue Cloud
Die IT-Dienstleister erhoffen sich ein Milliardengeschäft, wenn immer mehr Dienste in die Cloud abwandern. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner hat das Cloud Computing Potenzial für einen breiten langfristigen Einfluss auf alle Industrien. Während der Markt in diesem und im kommenden Jahr noch in einer frühen Phase stecke, werde sich bis 2015 die Nutzung von Anwendungen stark beschleunigen. Der Markt für öffentliche Cloud-Services werde bis dahin 176,8 Mrd. Dollar umfassen. Das entspricht in etwa einer Verdoppelung des derzeitigen Marktvolumens von 89,4 Mrd. Dollar 2011.
Wegen unterschiedlicher Bewertungskriterien sind die Schätzungen der drei großen Marktforscher nicht vergleichbar. So geht Forrester Research von einem Wachstum des weltweiten Cloud Computing-Marktes von 40,7 Mrd. Dollar 2011 auf 241 Mrd. Dollar im Jahr 2020 aus. IDC erwartet für 2014 ein Marktvolumen in Höhe von 79,5 Mrd. Dollar von 21,5 Mrd. Dollar 2010.
Die großen Anbieter werden der Gartner-Prognose zufolge bis 2015 eine komplette Palette von Dienstleistungen im Portfolio haben. Zudem werde der Wettbewerb um die Kunden stark zunehmen: Gartner erwartet, dass 20 Prozent der Konzerne, die nicht zu den 500 größten IT-Unternehmen weltweit gehören, bis dahin Clouddienste anbieten.
Der Branchenverband Bitkom schätzt den Umsatz mit Cloud-Computing-Diensten in Deutschland 2011 auf 3,5 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 55 Prozent entspräche. In vier Jahren soll sich der Markt fast vervierfachen. Kein anderes Segment wachse so schnell.
  • FTD.de, 06.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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