Das sagte John Swainson, seit kurzem Firmenchef bei dem US-Softwarehaus, der FTD. "Ich hoffe, es wird einen ausgewogenen Zugang in Europa geben, der nicht die Fehler wiederholt, die wir hier gemacht haben", sagte er.
Softwarepatente sind in Europa sehr umstritten. Bereits seit Jahren ringen EU-Staaten und das Europäische Parlament um einen Entwurf der EU-Kommission für eine Richtlinie zur Patentierbarkeit von Software. Auch in der IT-Branche wird der Entwurf heftig diskutiert und hat die Softwarehersteller in zwei Lager geteilt. Typischerweise befürworten große Hersteller wie Nokia , Siemens , Microsoft und Philips die Initiative. Kleinere Unternehmen haben hingegen das Gesetzesvorhaben kritisiert. Gegner führen als Argument häufig triviale Patente als negative Beispiel an. Hierzu gehört etwa die "One-Click Shopping"-Methode des Internethändlers Amazon zur Bestellung mit einem Mausklick.
Auch Swainson sorgt sich um eine zu liberale Regelung. Patente auf Geschäftsmodelle, die typischerweise eine Untermenge von Softwarepatenten sind, seien an sich problematisch, so der CA-Chef. Eine andere Grenze sieht er bei Techniken, die für die ganze Branche wichtig sind.
"Ich denke, es sollte in gewissem Umfang eine vorgeschriebene Lizenzierung von Dingen wie Schnittstellen geben, sodass Open-Source- und Standardisierungsgremien Zugang zu Rechten an bestimmten Dingen erhalten können, ohne notwendigerweise den Inhabern Lizenzgebühren zahlen zu müssen", sagte er. Dennoch ist er grundsätzlich für Softwarepatente. Geistiges Eigentum müsse geschützt werden. "Ich glaube nicht, dass Urheberschutz allein ausreicht."
Swainson kam Ende November zu CA. Seit Anfang Februar ist er alleiniger Firmenchef. Zuvor war er 26 Jahre lang für IBM tätig. Swainson tritt die Nachfolge des vor rund einem Jahr wegen Bilanzfälschung abgetretenen Vorstandschefs Sanjay Kumar an. Dem 50-jährigen Kanadier fällt die Aufgabe zu, nach einem langwierigen Bilanzskandal, das angeschlagene Vertrauen der Kunden und Investoren zurückzugewinnen.
"Wir hatten Probleme in der Vergangenheit", sagte Swainson zu dem Buchhaltungsskandal. Allerdings sei seitdem das Managementteam ausgewechselt worden. So hat mit Robert Davis Anfang Februar ein Dell-Manager den Posten des Finanzchefs übernommen. "Wir bauen ein starkes Managementteam auf, aber wir sind noch nicht fertig. "Wir werden das Team im Laufe der Zeit ergänzen", so Swainson.
Für das kommende Geschäftsjahr, das am 1. April beginnt, hat sich Swainson vorgenommen, die Softwareverkäufe deutlich zu steigern. CA hat sein Lizenzmodell auf ein Abo-Modell umgestellt, bei dem der Umsatz über die ganze Laufzeit eines Vertrags verteilt verbucht wird. Traditionell verbuchen Softwarehersteller den Verkauf ihrer Produkte sofort. Daher misst Swainson den Verkaufserfolg an den Rechnungen, die der Anbieter ausstellt. Diese Maßzahl ist zuletzt drei Prozent gewachsen. "Wir erwarten im kommenden Geschäftsjahr, dass das in den mittleren einstelligen Bereich steigen sollte", sagte Swainson.
Um das Geschäft anzukurbeln, baut der neue Firmenchef die Organisation um. Ziel ist die Einführung eigenständiger Geschäftseinheiten, so genannter Business-Units. Diese sollen von verantwortlichen Managern geleitet werden, die für Gewinn und Erfolg ihrer Produkte verantwortlich sind. "Das ist eine sehr verbreitete Struktur, die von Firmen wie IBM, Microsoft, Oracle und vielen anderen genutzt wird. CA hatte das bis jetzt nicht getan", sagte Swainson. Die einzelnen Einheiten werden künftig zum Beispiel entscheiden, wo und was investiert und wie Erfolg gemessen werden soll.
Bedeutung Computer Associates ist der viertgrößte eigenständige Softwarekonzern der Welt, nach Microsoft, Oracle und SAP. Im Ende Dezember beendeten Quartal verbuchte der Anbieter 911 Mio. $ Umsatz und 36 Mio. $ Gewinn.
Belastung Ende der 90er Jahre trickste der Konzern in seiner Bilanz. Die Untersuchung dazu belastete über Jahre. Insgesamt 2,2 Mrd. $ wurden falsch ausgewiesen, Dutzende Lizenzverträge verfrüht abgerechnet. Im September 2004 wurde der Softwarehersteller dafür mit einem Bußgeld von 225 Mio. $ belegt.
M. Ottomeier, C. Mai
Die umstrittene EU-Richtlinie zu Softwarepatenten kommt erneut zur Abstimmung in den Ministerrat. Am Montag nehmen die Wirtschaftsminister der EU-Länder im so genannten Wettbewerbsfähigkeitsrat einen neuen Anlauf, die bereits im Mai des vergangenen Jahres erzielte politische Einigung endgültig abzusegnen.
Zuletzt waren mehrere Versuche am Widerstand der polnischen Regierung gescheitert. Gegner der Richtlinie zur Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen fürchten Nachteile für Entwickler quelloffener Software und mittelständische Softwarehersteller. Unterstützung erhalten sie von nationalen Parlamenten wie dem Deutschen Bundestag, die sich gegen den Entwurf ausgesprochen haben.
Ziel der Richtlinie ist es, die Patentierbarkeit von Programmen zu erlauben, wenn sie einen technischen Beitrag zu einer Erfindung leisten, indem sie etwa den Energiebedarf eines Mobilfunktelefons senken oder die Eigenschaften eines Fernsehbildes verbessern. Patentgegner fürchten, dass es mit einer entsprechenden Regelung auch zum Schutz von Geschäftsprozessen und zu Trivialpatenten kommt.