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Das nächste große Ding kommt nicht aus dem Silicon Valley, sondern aus Karlsruhe. Das glauben zumindest Michael Greve und seine 60 Mitarbeiter, deren Firma
Combots derzeit eine neuartige Software entwickelt. Die soll das Unternehmen zur "erfolgreichsten Firma der Welt für Web-Telekommunikation machen". Wenn alles glatt geht, so die Unternehmens-PR, sind irgendwann Milliardenumsätze im Bereich des Möglichen.
Wenn. Derzeit schreibt Combots noch tiefrote Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fuhren die Karlsruher beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen ein Minus von 9,4 Mio. Euro ein. Damit ist der Verlust fast 20-mal so hoch wie der Umsatz (0,5 Mio. Euro). Das klingt nach einer klassischen Dotcom-Geschichte anno Sommer 1999.
Die zahlreichen Zweifler verweist das Unternehmen denn auch tatsächlich auf seine ruhmreiche Internetvergangenheit. Noch bis vor kurzem hieß Combots nämlich Web.de und besaß einen der bekanntesten Markennamen im deutschsprachigen Netz.
Kein operatives Geschäft
Im Herbst verkauften die Badener ihr Internetportal an DSL-Doyen Ralph Dommermuth von
United Internet . Web.de-Mitgründer Matthias Greve verließ das Unternehmen und ging zu United. Sein Bruder Michael wurde Combots-Chairman. Ein nennenswertes operatives Geschäft besitzt Combots seitdem nicht mehr. Der Verkaufserlös von rund 200 Mio. Euro soll teilweise dazu eingesetzt werden, das neue Produkt zu entwickeln und zu vermarkten.
Vom Nobody zum neuen Internetstar? Investoren beurteilen die Sterntaler-Geschichte eher skeptisch. Seit Monaten bewegt sich die Aktie seitwärts. Dass Combots alles auf eine mysteriöse Software setzt und sich dafür aus dem boomenden Portalmarkt verabschiedet hat, kann nicht jeder Börsianer nachvollziehen. "Die derzeitige Situation ist sicherlich nicht das Optimum für den Investor", formuliert es Analyst Marcus Sander von Sal. Oppenheim höflich. Andere werden deutlicher: "Ohne die Plattform von Web.de mit Millionen von Nutzern wird es schwierig, solch ein neues Produkt zu vermarkten. Denen fehlt jetzt natürlich der Vertriebsarm."
Da hilft es auch wenig, dass Combots seine Anleger mit optimistischen Hurraparolen auf den waghalsigen neuen Kurs einzuschwören sucht. Das noch geheime Projekt sei "digital, mit traumhafter Wertschöpfung", heißt es in einer Powerpoint-Präsentation für Investoren. Combots Software biete "zwei Jahre Technologievorsprung, den man fühlen kann". Das klingt eher nach Waschmittelwerbung als nach solider Finanzprognose.
Totale Nachrichtensperre
Wenn es um das noch namenlose Neuprodukt geht, herrscht bei Combots totale Nachrichtensperre. Bekannt ist lediglich, dass die Software Internet-Telefonie, Instant Messaging, E-Mail und ein halbes Dutzend andere Funktionen vereinen soll. Vorstand Matthias Hornberger legt Wert darauf, dass man Wettbewerbern wie
Google , Skype oder
AOL bei der Web-Telekommunikation weit voraus sei: "Wir sehen derzeit kein anderes Produkt, das über ähnliche Funktionalitäten verfügt."
Eigentlich sollte Combots' Hoffnungsträger bereits vor Weihnachten präsentiert werden. Jetzt wurde das nächste große Ding jedoch erst einmal verschoben. Spätestens zur Hauptversammlung im Juli 2006 will Combots sein Produkt nun vorstellen. Hornberger: "Wir haben gemerkt, dass unser Anspruch weit über das hinausgeht, was wir ursprünglich vorhatten."