Gate5-Chef Michael Halbherr: "4,4 Gigabyte Speicher reichen uns aus, um die gesamte Welt in Vektorkarten abzuspeichern"
Dass es so weit gekommen ist, grenzt an ein Wunder. Gate5 schrammt mehrmals an der Pleite vorbei. Geschäftlicher Erfolg sieht anders aus, das wissen die Finnen, als sie 2006 die Hand nach der Berliner Firma ausstrecken, die von Halbherr und Mitgründer Christophe Maire geleitet wird. Gate5 entsteht 1999 als Spin-off einer Kunstinitiative.
In dem West-Berliner Verein Art+Com sammeln sich von 1988 an experimentierfreudige Wissenschaftler, Video- und Performance-Künstler, Designer, Architekten und Techniker. Gemeinsam mit dem Drogen-Papst der 68er-Bewegung, Timothy Leary, schwärmt die Gruppe bereits auf Veranstaltungen im ummauerten West-Berlin von virtuellen Räumen, digitalen Identitäten und Netzwerken - zu einer Zeit, zu der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg noch die Grundschulbank drückt.
Die Ansammlung von Nonkonformisten produziert Resultate. So veranstaltet der Klub virtuelle Begehungen großer Gebäude. In den neunziger Jahren verknüpfen die Berliner digitalisierte Karten mit Software. Die Technologie erlaubt es, Flüge über den Globus zu simulieren - die Idee wird vom US-Unternehmen Keyhole übernommen und Jahre später zum Nukleus von Google Earth, der virtuellen Weltkugel des Suchmaschinenkonzerns. "Die DNA von Google Earth lässt sich bis nach Berlin zurückverfolgen", sagt Halbherr.
Zunächst programmiert Gate5 Navigations- und Synchronisationssoftware für Handyplattformen. Das Angebot reicht vom Nokia-Betriebssystem Symbian über Windows Mobile bis hin zu
Palm , bevor Nokia 2006 zuschnappt. Ein Jahr später ergänzt Nokia seine Berliner Tochter mit dem US-Landkartenanbieter Navteq. 8,1 Mrd. $ gibt der Konzern dafür aus - der teuerste Zukauf in der Unternehmensgeschichte. Nokias Einstieg hat Folgen: Die Berliner haben Google Earth längst hinter sich gelassen.