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Merken   Drucken   03.01.2010, 19:36 Schriftgröße: AAA

Der Griff nach den Startups (Teil 5): Datafactory - flott unterwegs

Serie Mit der Übernahme von Datafactory legt Tomtom den Grundstein für ein zusätzliches Geschäftsfeld: Die Organisation von Fahrzeugflotten. Die Integration der Leipziger ist gelungen, das Geschäft brummt. von Martin Ottomeier  Leipzig
Seit Anfang des Jahres wohnt Thomas Schmidt mit der Familie in Amsterdam, dem Konzernsitz von Tomtom. Er hat sein Haus im Süden Leipzigs eingetauscht gegen eines im äußeren Ring der niederländischen Hauptstadt. Der Gründer des Spezialanbieters Datafactory ist mittlerweile Mitglied in der Geschäftsführung des Navi-Anbieters. Seine Firma entwickelte eine Weblösung für das Management von Fahrzeugflotten. Mit den Produkten organisieren etwa Firmen ihre Techniker im Außendienst oder Kurierdienste ihre Fahrer. Seit der Übernahme durch Tomtom  im Jahr 2005 ist die Zahl der Kunden und der Mitarbeiter kräftig gestiegen.
Erst die Firma gegründet, dann für 14,3 Mio. Euro verkauft: ...   Erst die Firma gegründet, dann für 14,3 Mio. Euro verkauft: Thomas Schmidt konnte nicht aus eigener Kraft ins Ausland expandieren
Die Internetlösung von Datafactory bildet nun den Kern der auf Geschäftskunden ausgerichteten Sparte Tomtom Work, der Schmidt vorsteht. Basis ist eine Anwendung, die mit Tomtom-Navis kommuniziert und mit der Mitarbeiter in der Zentrale sehen, wo welches Fahrzeug ist und was genau es macht. Dazu gibt es in den Fahrzeugen Geräte, die die Position übermitteln: entweder eine eigens entwickelte Box oder ein spezielles Navi. Andersherum erhalten Fahrer aus der Zentrale Nachrichten, etwa über neue Aufträge, direkt auf das Navi.
Vor vier Jahren kaufte Tomtom das Leipziger Unternehmen. "Tomtom brachte die weltweite Bekanntheit und die Technologien mit, die uns gefehlt haben, und wir haben Tomtoms Produktangebot in Richtung professionelles Flottenmanagement ausgebaut", sagt Schmidt. "Wir haben uns sehr gut ergänzt."
Tatsächlich, technisch passte alles: Sowohl Tomtoms Navis als auch die Technik von Datafactory nutzen Satellitennavigation, um den Standort der Autos zu bestimmen. Durch den Zukauf wollte Tomtom das Produktangebot mit einer professionellen Anwendung ausbauen. Work ist mittlerweile eine von vier Tomtom-Sparten - neben Navis für Endkunden, dem Kartenhersteller Tele Atlas und der Autosparte.
Für Tomtom war es die erste größere Akquisition. 14,3 Mio. Euro zahlte das Unternehmen für Datafactory. Damals begann Tomtoms Erfolgsgeschichte gerade. 2004 brachte Konzernchef Harold Goddijn  den Go auf den Markt, das erste mobile Navi, so wie man es heute kennt. Das Komplettgerät mit Software und GPS-Empfänger, das an der Windschutzscheibe befestigt wird, war ein Produkt für den Massenmarkt. 39 Mio. Euro Umsatz machte Tomtom 2003. Zwei Jahre später waren es schon 720 Mio. Euro. Doch der Navigationskonzern schwächelt. 2008 musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang auf rund 1,67 Mrd. Euro verbuchen. Über 80 Prozent davon stammten aus dem Verkauf von Navis.
Work hingegen wächst. Seit der Übernahme der Leipziger Firma ist die Zahl der Abonnenten für die Onlinelösung von 8000 auf über 90.000 gestiegen. Die Kunden kommen unter anderem aus Deutschland, England, Holland, Spanien. 110 Mitarbeiter beschäftigt der Geschäftsbereich, früher waren es 36. Der Umsatz hat sich gegenüber 2005 sogar verachtfacht. Wie hoch er ist, sagt Tomtom nicht. Verglichen mit der Navi-Sparte dürfte er gering sein. Dafür ist der Bereich laut Schmidt hochprofitabel. "Die in die Übernahme gestellten Erwartungen haben sich mehr als erfüllt", sagt Goddijn. Tomtom Work habe sich als einer der am schnellsten wachsenden Anbieter im europäischen Telematik- und Flottenmanagement etabliert und wachse derzeit doppelt so schnell wie der Branchendurchschnitt.

Teil 2: Schmidt spürt Grenzen

  • Aus der FTD vom 04.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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