Grenzenlos ins Internet
Der Stress hat sich gelohnt. "Jetzt kann ich endlich über Unterstützer wie Niklas und Janus von Skype oder unsere Freunden bei
Google (...) berichten", schreibt Fon-Gründer Varsavsky in seinem Internettagebuch. Niklas Zennström und Janus Friis sind die Gründer des Internettelefonie-Anbieters Skype, der von
Ebay gekauft wurde.
Google, Skype sowie die beiden Riskokapitalgeber Sequoia Capital und Index Ventures haben nach Angaben Fons 18 Mio. Euro in das Unternehmen investiert. Das Konzept: Hunderttausende Internetnutzer sollen ihre privaten Funkzugänge, die so genannten Hotspots, der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Im Gegenzug dürfen sich die spendablen Surfer, die der Argentinier Varsavsky "Foneros" nennt, bei anderen Fon-Nutzern einklinken. Dadurch, so die Vision, entstünde ein weltweit flächendeckendes drahtloses Netzwerk (Wifi).
Erfüllen sich die Pläne des Fon-Gründers, könnte das Netzwerk einst zur Konkurrenz der Mobilfunkanbieter werden. T-Mobile oder
Vodafone arbeiten derzeit intensiv daran, Kunden in ihre milliardenteuren Handynetze der dritten Generation (UMTS) zu locken. Fon-Nutzer dürften unterwegs aber weitaus billiger ins Internet kommen.
Aktiengesellschaft geplant
Varsavsky will nach eigenen Angaben bis 2010 eine Million Nutzer gewinnen. "Unseres wird ein Netzwerk des Volkes sein" jubelt der Fon-Gründer in seinem Blog. "Das ist die Stunde null einer Sache, von der mir mein Instinkt sagt, dass es etwas ganz Großes werden könnte", sekundiert Christiane zu Salm. Die Ex-TV-Managerin (Neun Live) ist Deutschlands Vorzeige-Fonera und wird als Aufsichtsratschefin in Deutschland das Fon-Management aufbauen. Geplant sei dazu die Gründung einer Aktiengesellschaft, sagte zu Salm der FTD.
Noch ist der globale Hotspot-Teppich nur ein Traum: Derzeit hat Fon 3000 registrierte Nutzer. Kommerzielle Anbieter, die drahtlose Internetzugänge an Flughäfen oder in Hotels betreiben, kommen nach Daten des Marktforschers Jiwire zurzeit auf weltweit 100.000 Hotspots.
Mark Main vom Marktforscher Ovum ist skeptisch, ob Varsavskys Idee funktionieren wird. "In der Theorie klingt es fantastisch, aber die technischen Hürden sind hoch." Damit ein Privatnutzer seine Basisstation für Foneros freischalten könne, müsse zunächst neue Software installiert werden. "Und dann haben Sie keine Ahnung, wer über ihren Hotspot surft. Was ist, wenn jemand etwas Illegales macht? Die Rechtslage ist unklar", sagt der Analyst.
Probleme könnte Fon zudem mit Anbietern wie AOL bekommen, die Zugang zum Internet ermöglichen. In einigen Endnutzerverträgen ist festgelegt, dass der Kunde sein Netzwerk nicht für die Öffentlichkeit öffnen darf. Ebenso wenig geklärt sei, mit welcher Geschwindigkeit ein Hotspot-Besitzer surfen kann, wenn sich Fon-Nutzer bei ihm einklinken. "Möglicherweise sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit, weil sich jemand einloggt. Wessen Daten haben dann Vorfahrt?", fragt Main.
Sanjeev Sarin, Chief Operating Officer von Europas größtem Hotspot-Betreiber The Cloud, bewertet Fon hingegen positiv: "Das unterstützt die Verbreitung des Wifi-Modells". Als Konkurrenz sieht er den neuen Dienst nicht. "Wir konzentrieren uns vor allem auf Flughäfen oder Bahnhöfe. Fon wird eher Wohngebieten aktiv sein."