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Merken   Drucken   11.03.2007, 20:40 Schriftgröße: AAA

Deutsche IT-Branche fällt zurück

Dossier Deutschland fällt in der Informationstechnologie weltweit zunehmend zurück. Während immer mehr chinesische Unternehmen auf der IT-Messe Cebit in Hannover um Kunden werben, sinkt die Zahl deutscher Aussteller. Doch es gibt noch Hoffnungsträger. von Mark Krümpel und Martin Ottomeier (Hamburg)
Abwärtstrend: Die deutsche IT-Branche nutzt ihren Heimvorteil bei ...   Abwärtstrend: Die deutsche IT-Branche nutzt ihren Heimvorteil bei der Branchenmesse Cebit nicht.
"Der IT-Mittelstand in Deutschland ist international unbedeutend", sagte Karl-Heinz Streibich, Vorstandschef der Software AG, der FTD.
Der stetige Rückgang deutscher Aussteller auf der Cebit, die am Donnerstag startet, überrascht selbst langjährige Branchenbeobachter. Zwar sind durch das Platzen der Dotcom-Blase nach der Jahrtausendwende viele IT-Unternehmen von der Bildfläche verschwunden. Allerdings gehört das Internet mittlerweile zu den lukrativsten Wachstumsmärkten der Informationstechnologie.
Traten 1997 noch mehr als 4000 deutsche IT-Unternehmen die Reise nach Hannover an, präsentieren in diesem Jahr nur noch 2748 heimische Firmen ihre Produkte auf der IT-Messe. Zugleich ist die Zahl ausländischer Aussteller auf 3311 gestiegen. Allein aus China kommen 471 Unternehmen - 1997 waren es vier.
"Deutschland ist in der Informationstechnologie besonders bei der Produktentwicklung ins Hintertreffen geraten", sagte Stephan Kaiser, Analyst und Berater für IT-Dienstleister bei Pierre Audoin Consultants (PAC). IT-Produkte werden vor allem in den USA und Asien entwickelt. Zwar ist mit SAP in Deutschland der Weltmarktführer bei betriebswirtschaftlicher Standardsoftware beheimatet. Auch die Software AG und IDS Scheer zählen zu den internationalen Spielern. Allerdings gleichen diese Vorzeigekonzerne nicht die Schwäche Deutschlands auf dem Weltmarkt aus. Selbst bei IT-Dienstleistungen kommen mit T-Systems, SBS und SAP nur drei der größten zehn Anbieter in Deutschland tatsächlich auch aus Deutschland.
Der Handymarkt ist verloren
Dabei gibt es hierzulande durchaus erfolgreiche und hoffnungsvolle Unternehmensgründungen - etwa die des Onlinebezahldienstes Firstgate, des Navigationssoftwareanbieters Navigon oder des Internet-Hardwareherstellers AVM. Dennoch: "Im globalen Vergleich stehen wir nicht an der Spitze, und schlimmer noch, wir fallen sogar weiter zurück", hatte SAP-Chef Henning Kagermann zum Auftakt des nationalen IT-Gipfels Ende vergangenen Jahres gemahnt.
Besonders bei der Entwicklung von Hardwareprodukten dürfte es schwierig werden, den Rückstand aufzuholen. "Der Zug ist abgefahren", so IT-Berater Kaiser. Nach der Pleite der früheren Siemens-Handysparte BenQ Mobile spielt Deutschland etwa im weltweiten Handymarkt, der vom finnischen Nokia-Konzern dominiert wird, keine Rolle mehr. Und während in der Unterhaltungselektronik asiatische Unternehmen den Ton angeben, haben bei Computern die Amerikaner die Nase vorn. Dabei war Deutschland zu Zeiten von Heinz Nixdorf ein Pionier bei der Entwicklung von Computersystemen. So gehörte in den 70er- und frühen 80er-Jahren die deutsche Nixdorf Computer AG zu den bedeutendsten und innovativsten Computerherstellern der Welt.
Mit Fujitsu Siemens Computers (FSC) sitzt in Deutschland zwar heute noch ein in Europa bedeutender PC-Hersteller. Aber auf dem Weltmarkt spielt das deutsch-japanische Joint Venture keine Rolle. Einzig Wincor Nixdorf, wie FSC eines der Nachfolgeunternehmen von Nixdorf, expandiert als führender Hersteller von Geldautomaten in die globalen Märkte.
In den USA hingegen besetzen Unternehmen der IT-Branche erfolgreich neue Geschäftsfelder, vor allem im Internet. Zu den Erfolgsbeispielen gehören die Internetsuche ebenso wie Software zur Miete im Netz.
  • Aus der FTD vom 12.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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