Was Konzernchef René Obermann am Donnerstag präsentierte, war nicht so miserabel, wie manche Analysten für das zweite Quartal prognostiziert hatten. Aber es war auch nicht die von Telekom-Aktionären so dringend herbeigesehnte Trendwende zum Guten.
Der Konzern hat sich in einem schwierigen Marktumfeld stabilisiert, mehr nicht. Im Vergleich etwa zu Telefónica aus Spanien oder Royal KPN aus den Niederlanden mag sich der eine oder andere Investor sogar für seine Geduld mit der Deutschen Telekom beglückwünschen: Die Bonner wollen für 2012 tatsächlich wieder mindestens 70 Cent Dividende je Aktie zahlen. Während andere immer knausriger werden.
Doch so richtig glücklich macht das alles nicht, denn: Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen sind schlicht das Ergebnis eines scharfen Kostensenkungsprogramms. Sie sind nicht das Resultat von tragfähigen Antworten auf die drängenden Probleme des Konzerns. Oder gar von erfolgreichen Wachstumsstrategien.
Wenn zum Beispiel bei der US-Tochter T-Mobile USA der Gewinn steigt, aber die Vertragskunden weiterhin quartalsweise in Hunderttausenderkohorten weglaufen, zeigt das nur: Das US-Geschäft ist, trotz seines (auch wegen Währungseffekten) außergewöhnlich guten Ergebnisses, prekär. Nachdem die amerikanischen Wettbewerbsbehörden eine Übernahme durch AT&T gestoppt haben, muss die Telekom ihre ungeliebte US-Tochter weiterschleppen. Die aber braucht dringend Investitionen in Milliardenhöhe, vor allem für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards LTE.
Eine Riesensumme für ein Geschäft, das man loswerden will - aber ohne Investitionen laufen noch mehr Kunden weg, und die Erfolgschancen für die neuerliche Brautschau sinken weiter. Bis jetzt ist die Telekom-Spitze eine Antwort schuldig geblieben, wie sie dieses Dilemma - über das reine Kosten-Trimming hinaus - auflösen will.
Doch auch auf dem ertragsstarken Heimatmarkt hat die Telekom große Baustellen, auf denen es bisher kaum Fortschritte gibt. Obwohl zum Beispiel der Konzern hier mit dem besten Mobilfunknetz punkten könnte, bröckelt der Mobilfunkumsatz weiter - und die Telekom findet sich inzwischen hinter Vodafone auf dem zweiten Platz. Gleichzeitig muss die Telekom auch in Deutschland Milliarden investieren, um bei der LTE-Technik im Mobilfunk weiter mitmischen zu können. "Neue Tarifimpulse" oder Veränderungen bei den Vertriebswegen können da nur ein erster Schritt sein, um wieder an die Spitze zu kommen.