Welche Gründe sprechen gegen das digitale Heim?
Die vom BVDW befragten Verbraucher geben mangelnde Fachkenntnisse und den komplexen Aufbau als größte Hindernisse an, als größte Wünsche melden sie die einfache Bedienung der Geräte (90 Prozent der Befragten) und einheitliche Standards (81 Prozent an).
Die Botschaft scheint zumindest in den Köpfen der Verantwortlichen auch angekommen zu sein: "Die Unternehmen der Unterhaltungselektronikbranche haben sich bislang auf sich selbst konzentriert und wenig über ihr eigenes Metier hinausgeschaut", sagt Oliver Kaltner, Marketingchef beim Elektronikkonzern Sony in Deutschland, selbstkritisch. Die technische Leistung habe im Vordergrund gestanden. Kaltner: "Aber der Konsument möchte die Technik nicht unbedingt verstehen, sondern sie vor allem nutzen."
Kampf um DVD-Standard
Bis diese Überlegungen zu greifbaren Ergebnissen oder gar Produkten führen, ist es allerdings noch ein weiter Weg - auch für Sony. Derzeit liefert sich der Konzern zum Beispiel einen Kampf mit
Toshiba um den DVD-Standard der nächsten Generation. Findet sich keine einheitliche Lösung, erscheinen Spielfilme demnächst in unterschiedlichen Formaten für unterschiedliche Geräte.
Für seine neue tragbare Videospielkonsole Playstation Portable (PSP) wiederum hat Sony sein eigenes, garantiert mit allen anderen Herstellern nicht kompatibles Format erfunden, die "Universal Media Disk" (UMD). Die PSP nutzt die ganze Bandbreite der Digitalisierung - neben Computerspielen kann sie auch Musik und Videos wiedergeben -, aber eine der Hauptforderungen der vom BVDW befragten Verbraucher erfüllt sie nicht: Die Möglichkeit, Medieninhalte problemlos auf vielen Geräten nutzen zu können.
Fantasie der Hersteller
Zentrale Bedeutung hat dabei die Integration von Fernseher, Computer und DVD-Player, die bei mehr als 85 Prozent der Befragten als Endgeräte ihres digitalen Heims genannt werden, weiter abgeschlagen rangieren MP3-Spieler und Internetradio. Die weiter gehende Fantasie der Hersteller, über dasselbe Netz auch noch Kühlschrankfüllstand, Heizung und Alarmanlage kontrollieren zu können, finden wesentlich weniger Verbraucher interessant.
Auf der Ifa hat immerhin auch die Digital Living Network Alliance einen Stand gebucht. Dahinter steckt ein Zusammenschluss von Elektronikherstellern wie Philips und Sony sowie Softwarefirmen wie Microsoft, die sich der Vernetzung der Elektronik für das Zuhause angenommen hat. Schließlich eröffnen miteinander kompatible Geräte und Inhalte ihnen größere Märkte. Das dürfte der von hartem Wettbewerb und Preisdruck gebeutelten Unterhaltungselektronikbranche Hoffnung geben.