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Merken   Drucken   28.08.2005, 19:58 Schriftgröße: AAA

Dossier: Digitales Durcheinander

Deutschlands Verbraucher sind durchaus interessiert: Knapp zwei Drittel würden die Idee vom digitalen Heim gerne bei sich im Wohnzimmer umsetzen und Fotos, Musik, Fernsehen und Filme mit einem zentralen Gerät verwalten und nutzen. Auf der Internationalen Funkausstellung steht die Vision im Zentrum. von Birgit Dengel, Köln, und Martin Virtel, Hamburg
Flachbildschirme bei der vergangenen Internationalen ...   Flachbildschirme bei der vergangenen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin
Allerdings: Drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass sie über die aktuelle Entwicklung nicht ausreichend informiert sind - und halten sich beim Kauf zurück. Das ergab eine Onlineumfrage des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW).
So viel Interesse ist ein Achtungserfolg für die Computer- und Unterhaltungselektronikbranche, die sich seit Jahren um die Digitalisierung der Wohnzimmer bemüht. Auch auf der am Freitag startenden Internationalen Funkausstellung in Berlin steht die Vision vom digitalen Heim wieder im Zentrum der Werbeanstrengungen. Die Inspiration dazu kommt von der technischen Seite: Egal ob Musik, Videos, Fernsehen, Fotos oder Computerspiele - das sind alles nur Bits, die auf Festplatten, CDs oder DVDs gespeichert oder per Funk und Internetzugang übertragen werden können, und schließlich von Computerchips wieder zu konsumierbaren Inhalten gemacht werden.
Schlecht abgestimmtes Sammelsurium
Dieser Markt wird von zwei Seiten in die Zange genommen: Auf der einen entwickeln PC-Hersteller wie Apple  oder Hewlett-Packard  spezielle Wohnzimmervarianten ihrer Computer, auf der anderen bauen Hersteller wie Sony  oder Sharp  immer neue, computerähnliche Fähigkeiten in ihre Fernseher und Festplattenvideorekorder ein. Doch obwohl alle Hersteller in den vergangenen Jahren immer neue digitale Geräte auf den Markt geworfen haben, ist das digitale Heim ein schlecht aufeinander abgestimmtes Sammelsurium nicht kompatibler Geräte.
Welche Gründe sprechen gegen das digitale Heim?   Welche Gründe sprechen gegen das digitale Heim?
Die vom BVDW befragten Verbraucher geben mangelnde Fachkenntnisse und den komplexen Aufbau als größte Hindernisse an, als größte Wünsche melden sie die einfache Bedienung der Geräte (90 Prozent der Befragten) und einheitliche Standards (81 Prozent an).
Die Botschaft scheint zumindest in den Köpfen der Verantwortlichen auch angekommen zu sein: "Die Unternehmen der Unterhaltungselektronikbranche haben sich bislang auf sich selbst konzentriert und wenig über ihr eigenes Metier hinausgeschaut", sagt Oliver Kaltner, Marketingchef beim Elektronikkonzern Sony in Deutschland, selbstkritisch. Die technische Leistung habe im Vordergrund gestanden. Kaltner: "Aber der Konsument möchte die Technik nicht unbedingt verstehen, sondern sie vor allem nutzen."
Kampf um DVD-Standard
Bis diese Überlegungen zu greifbaren Ergebnissen oder gar Produkten führen, ist es allerdings noch ein weiter Weg - auch für Sony. Derzeit liefert sich der Konzern zum Beispiel einen Kampf mit Toshiba  um den DVD-Standard der nächsten Generation. Findet sich keine einheitliche Lösung, erscheinen Spielfilme demnächst in unterschiedlichen Formaten für unterschiedliche Geräte.
Für seine neue tragbare Videospielkonsole Playstation Portable (PSP) wiederum hat Sony sein eigenes, garantiert mit allen anderen Herstellern nicht kompatibles Format erfunden, die "Universal Media Disk" (UMD). Die PSP nutzt die ganze Bandbreite der Digitalisierung - neben Computerspielen kann sie auch Musik und Videos wiedergeben -, aber eine der Hauptforderungen der vom BVDW befragten Verbraucher erfüllt sie nicht: Die Möglichkeit, Medieninhalte problemlos auf vielen Geräten nutzen zu können.
Fantasie der Hersteller
Zentrale Bedeutung hat dabei die Integration von Fernseher, Computer und DVD-Player, die bei mehr als 85 Prozent der Befragten als Endgeräte ihres digitalen Heims genannt werden, weiter abgeschlagen rangieren MP3-Spieler und Internetradio. Die weiter gehende Fantasie der Hersteller, über dasselbe Netz auch noch Kühlschrankfüllstand, Heizung und Alarmanlage kontrollieren zu können, finden wesentlich weniger Verbraucher interessant.
Auf der Ifa hat immerhin auch die Digital Living Network Alliance einen Stand gebucht. Dahinter steckt ein Zusammenschluss von Elektronikherstellern wie Philips und Sony sowie Softwarefirmen wie Microsoft, die sich der Vernetzung der Elektronik für das Zuhause angenommen hat. Schließlich eröffnen miteinander kompatible Geräte und Inhalte ihnen größere Märkte. Das dürfte der von hartem Wettbewerb und Preisdruck gebeutelten Unterhaltungselektronikbranche Hoffnung geben.

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  • Aus der FTD vom 29.08.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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