Screenshot: www.google.com
Hintergrund ist ein möglicher Einstieg des Suchmaschinenbetreibers
Google und des größten US-Kabelanbieters
Comcast bei
AOL , der Internettochter des US-Medienkonzerns
Time Warner .
Die in Branchenkreisen bestätigten Gespräche zwischen den drei Unternehmen befinden sich allerdings in einem frühen Stadium. Ein Scheitern sei nicht ausgeschlossen, hieß es gestern. Ein konkretes Angebot liege noch nicht auf dem Tisch. Zudem spricht Time Warner parallel mit dem Softwarekonzern
Microsoft über eine mögliche Annäherung an die Internettochter AOL.
Doch damit hat Time-Warner-Chef Richard Parsons nach Ansicht von Charles Di Bona, Analyst von Sanford Bernstein, bereits ein entscheidendes Ziel erreicht. "Time Warner will den Finanzmärkten zunächst klar machen, was AOL wirklich wert ist", sagte der Experte. Nach Angaben aus Branchenkreisen wollen sich Google und Comcast für den Einstieg über den Erwerb eines Minderheitsanteils rund 5 Mrd. $ bezahlen. Sogar ein Wettbieten zwischen dem Bündnis und Microsoft wird von einigen Beobachtern für möglich gehalten.
Eine klare Bewertung von AOL könnte die anhaltenden Spekulationen über das Schicksal der Konzernsparte ausräumen. Die Einschätzungen darüber, wie viel AOL wert ist, schwanken bisher zwischen 11 und 21 Mrd. $. Grund dafür ist das unklare künftige Geschäftsmodell. Analysten und Aktionäre drängen Parsons, für das Portal eine neue Strategie zu entwickeln. Bislang wählt sich ein großer Teil der Kunden noch über herkömmliche Telefonleitungen ins Netz ein.
Eine neue Strategie soll aber sicherstellen, dass das Unternehmen auch in Zeiten des Breitbandinternets erfolgreich wirtschaften kann. "Time Warner will das alte Geschäft behalten, aber auch zügig ein neues, durch Werbung finanziertes Onlineportal schaffen", sagte Analyst Di Bona. Comcast könnte AOL deshalb künftig zum Hauptportal machen. Das würde die Werbeeinnahmen bei dem Kabelanbieter steigern, der im wachsenden Wettbewerb mit den Breitbandangeboten von Telekomkonzernen steht.
Konkurrenz droht auch von einer anderen Seite
"AOL kann sich nicht langfristig auf den Altkunden ausruhen. Das Unternehmen muss seine Inhalte auf so vielen Internetseiten wie möglich zeigen. Dazu ist ein Partner wie Google geeignet", urteilte Charles Golvin, Experte beim Marktforscher Forrester Research. "Google hat derzeit ein hohes Risiko, seine Verbindung zu AOL an Microsoft zu verlieren", sagte Golvin. Der Vertrag zwischen Google und AOL über die Nutzung der Google-Suchmaschine auf AOL-Webseiten laufe bald aus. Der Zeitpunkt sei für Google deshalb ideal, bei AOL stärkeren Einfluss über eine Kapitalbeteiligung auszuüben. Die Suchmaschine verfügt auf ihren Webseiten über keine eigenen Videoangebote und könnte künftig über die potenziellen Partner AOL und Comcast an Inhalte wie Fernsehshows, Sport- und Kindersendungen herankommen.
"AOL hat eine hohe Anzahl von Kundenkontakten und Zugang zu Medieninhalten. Zudem handelt es sich um eine starke Marke", sagte Scott Kessler, Medienanalyst von Standard & Poor's der Agentur Bloomberg. Diese Merkmale seien derzeit für Google und Comcast gleichermaßen interessant.
AOL droht indes von einer weiteren Seite Konkurrenz. Das Unternehmen sieht sich seit dieser Woche dem Wettbewerb mit einer Allianz von Microsoft und Yahoo beim so genannten Instant Messaging (IM) ausgesetzt. Dabei werden Textbotschaften über PC in Echtzeit ausgetauscht. AOL ist mit rund 50 Millionen monatlichen Nutzern bislang IM-Marktführer. Nun aber wollen Microsoft und Yahoo gegenseitig ihre IM-Dienste für die Nutzer, gemeinsam sind es 46 Millionen, öffnen.