T-Online-Chef Rainer Beaujean
Das kündigte T-Online-Chef Rainer Beaujean im Gespräch mit der FTD an. Über das neue Einkaufsportal Electronicscout 24 sollen Händler ihren Kunden Produkte zum Festpreis anbieten können. Dabei werde T-Online Ebay bei den Gebühren unterbieten.
Gerade erst hatte das Auktionshaus Ebay angekündigt, den Handel mit Neuware zu verstärken. T-Online springt nun genau in dieses Marktsegment. Das Internetunternehmen versucht derzeit, rund um den Verkauf schneller DSL-Internetzugänge neue Einnahmequellen zu erschließen. Der Druck dazu wächst. So hatte der harte Wettbewerb im DSL-Markt T-Online im zweiten Quartal knapp ein Drittel des Gewinns gekostet.
"Unser Ziel ist, mit dem neuen Handelsportal einen der vorderen Plätze zu erreichen und so zu den führenden Anbietern zu gehören", sagte Beaujean. Die Plattform soll dafür auf der T-Online-Website verlinkt werden. "Elektronik ist ein wesentlicher Treiber des Wachstums im E-Commerce-Markt. Daher haben wir diese Produktgruppe ausgewählt. Es könnten aber auch andere Segmente hinzukommen", sagte er. Auch ein Ausbau der Plattform für ausländische Märkte sei möglich.
Niedrigere Gebühren sollen locken
Der Manager erweitert kurz vor der anstehenden Verschmelzung mit der
Telekom -Festnetztochter T-Com die 2003 gekaufte Scout-24-Gruppe um einen neuen Marktplatz. Mit dem Kauf von Scout 24, das Onlinemärkte etwa für Autos und Immobilien betreibt, hatte sich T-Online Ende 2003 erstmals das Geschäftsmodell von Ebay zu Eigen gemacht.
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Ebay ist in dem Segment sicher einer unserer Hauptwettbewerber", sagte Beaujean. Um dem Rivalen Paroli zu bieten, versucht der T-Online-Manager, die Einzelhändler mit niedrigeren Gebühren zu locken. "Bei Electronicscout 24 werden wir den Händlern 25 Prozent geringere Gebühren als Ebay bieten", sagte er. "Wir übernehmen die komplette Zahlungsabwicklung, treten hier als Vermittler zwischen Händler und Kunde auf." Zudem habe
T-Online einen Produktkatalog angelegt, der Produktinformationen zu mehr als 300.000 Artikeln beinhaltet. Darüber hinaus sollen die Portalnutzer ihre gekauften Produkte in einem Warenkorb sammeln und so zusammen bezahlen können.
Dabei kann T-Online auf einen wachstumsstarken Markt bauen. Im laufenden Jahr erwartet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels ein Umsatzplus im Onlineshopping um 13 Prozent auf 14,5 Mrd. Euro. 2004 wuchs der Markt sogar um 17 Prozent. Zudem hat sich T-Online einen attraktiven Marktteil geschnappt. So bezeichnet Mark Mulligan von der Marktforschungsfirma Jupiter Research Unterhaltungselektronik als eine der gefragtesten Produktsegmente im Internethandel.
Hoher Konkurrenzdruck
Jedoch dürfte es für T-Online trotz der Bekanntheit der Scout-24-Marke aus Sicht von Branchenexperten nicht leicht werden, neue Segmente zu erobern. "Wer in Onlinemärkte neu einsteigt, hat Probleme, hohe Umsätze zu generieren. Die Marketingaufwendungen dafür sind enorm", sagt Thomas Reuner vom Marktforscher IDC. "Zugleich tummeln sich bereits sehr viele Anbieter im Markt für Produktportale. Die Konkurrenz ist hoch. Selbst Branchenprimus Ebay sieht schon die Grenzen seines bisher sehr hohen Wachstums." Immerhin sei aber das Vertrauen der Verbraucher ins Internet gestiegen, was den Markt antreibe.
"Die Frage ist, wie stark T-Online das neue Portal bewirbt und wie sie es präsentieren", sagt Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Wenn sie es nur auf die Website stellen, findet es keiner." Er ergänzt: "Ich glaube nicht, dass sie Ebay so angreifen können, sie sind da einer von vielen." Seit langem lockt Ebay mehr Kunden als die Telekom-Tochter. Laut Nielsen Netratings bedienten sich im August 52,8 Prozent aller deutschen Internetnutzer der Angebote bei Ebay. T-Onlines Website erreichte nur 39,2 Prozent. Mit der Übernahme des Portals von Web.de hat United Internet die Telekom-Tochter nun auch überrundet. Analyst Sander warnt: "Elektronik verkauft ja jeder - das bekommt man überall im Web. Zudem kann Ebay die Gebühren ebenfalls senken, wenn sie sich bedroht fühlen."
"Wir haben bereits zahlreiche Händler dafür gewonnen, ihre Produkte einzustellen. Da sind einige große Anbieter dabei", gibt sich Beaujean optimistisch. "Mehr als 150 Unternehmen haben Interesse angemeldet." Zumindest dürfte T-Online kaum ein Risiko eingehen. Selbst wenn das Geschäft nicht boomt, die Kosten für den Betrieb eines solchen Portals sind aus Sicht von Analysten gering. Daher dürfte das neue Portal bald Geld abwerfen.