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Merken   Drucken   09.04.2002, 12:55 Schriftgröße: AAA

Ebay verhandelt über Direktvertrieb  

Unternehmen sollen ihre Produkte in Zukunft direkt auf dem Internet-Marktplatz Ebay verkaufen können. "Wir führen zu Zeit intensive Gespräche mit mehreren Herstellern, die sich für diese Möglichkeit interessieren", sagte Phillipp Justus, Vorsitzender der Geschäftsführung von Ebay Deutschland. von Martin Virtel, Dreilinden bei Potsdam
Für Ebay, ein vor sechseinhalb Jahren als Versteigerungeswebsite für Sammlerartikel gegründetes profitables Internet-Unternehmen, ist der Direktvertrieb von Artikeln ein weiterer Schritt vom Auktionsanbieter zum E-Commerce-Dienstleister. Vor wenigen Wochen erst hatte die Deutschland-Niederlassung von Ebay die Möglichkeit geschaffen, Artikel auch zu Festpreisen anzubieten.
Hersteller gewännen auf kostengünstige Weise Zugang zur großen Gemeinschaft der Ebay-Nutzer, sagte Justus. In Deutschland erreicht Ebay einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens MMXI aus dem Februar zufolge 30,5 Prozent der privaten Interent-Nutzer, das Angebot ist nach Google, T-Online und MSN das am Meisten genutzte in Deutschland. Zwischen Juli und Septemer 2001 wurde über die deutsche Ebay-Website Güter im Wert von etwa 280 Mio. Euro verkauft, Ebay ist damit umsatzstärker als das Internet-Geschäft des Einzelhandelsriesen Otto.
Mit welchen Unternehmen Ebay derzeit über den Direktvertrieb verhandelt, sagte Justus nicht. "In ein bis zwei Jahren, aber hoffentlich früher" werde es die ersten Angebote von Herstellern auf der deutschen Ebay-Website geben, so der Deutschlandchef. Justus sieht diese Entwicklung auch als die Fortsetzung eines Trends, der im vergangenen Jahr begonnen hat: viele kleine Internet-Läden schließen ihre eigene Website und verkaufen ihre Ware stattdessen bei Ebay. Auch Fachhändler verwenden den Marktplatz als eine Mischung als Internet-Shop und Werbefläche für ihr Geschäft.
Ebay ist bestrebt, diese Kundschaft nicht durch den Direktvertrieb zu verprellen. Auf dem Marktplatz handeln zunehmend auch Kleinunternehmer, etwa 1000 von ihnen werden von Ebay Deutschland der Kategorie "Power Seller" zugeordnet, mit einem Umsatz von über 2500 Euro im Monat. "Auch große Unternehmen werden Produkte bei uns zu denselben Konditionenwie Privatleute verkaufen", sagte Justus. Die Versteigerung eines Artikels für 1000 Euro kostet bei Ebay bis zu 25,40 Euro.
In den USA nutzen die Computerhersteller Sun Microsystems, IBM und der Autokonzern General Motors (GM) Ebay bereits in geringem Umfang als einen preiswerten Direktvertriebskanal. "Deutsche Unternehmen sind da vorsichtiger. Die Hersteller wollen ihre bestehenden Vertriebspartner natürlich nicht verärgern", sagte Justus.
Auch die Beispiele aus den USA zeigen, wie zaghaft Hersteller die Möglichkeit des Direktvertriebs bei Ebay nutzen. General Motors verkauft über Ebay ab Werk Originalteile für Oldtimer. IBM betreibt auf der US-Website von Ebay einen vergleichsweise kleinen Laden, in dem etwa zwei Dutzend Artikel des Herstellers angeboten werden. Drei Viertel der Kunden, die IBM über Ebay erreicht, seien jedoch Neukunden für IBM, sagte Justus. Ebenso wie Sun ist IBM ein Techniklieferant für Ebay. Den Direktvertrieb haben beide im Rahmen eines rößeren Geschäftsabschlusses mit Ebay gestartet, zu denen keine finanzielle Details veröffentlicht wurden.
Den im Jahr 1999 in Deutschland gestarteten Versuch, einen separaten Marktplatz für den Handel zwischen Unternehmen unter dem Etikett "Ebay Pro" zu etablieren, hat das Unternehmen mittlerweile zurückgestutzt. "Ein zweiter Marktplatz passt nicht in unser Konzept", sagte Justus. Ebay Pro ist zu einem Teil des normalen Ebay-Marktplatzes geworden, der vor allem Versteigerungen aus Insolvenzverfahren bündelt.
18:11:43 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Ebay 40,35 USD   +1,71%  0.68
  • FTD, 09.04.2002
    © 2002 Financial Times Deutschland,
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