Der Deutschen Telekom und der Gewerkschaft Verdi ist am Montag der endgültige Durchbruch in den Tarifverhandlungen gelungen. Der DAX-Konzern und die Dienstleistungsgewerkschaft haben sich auf Lohnerhöhungen in Höhe von 6,5 Prozent über 24 Monate verständigt. Die Steigerung wird in drei Schritten erreicht. Die neue Telekom-Personalchefin Marion Schick wendet damit nur vier Tage nach Amtsantritt Streiks ab.
In der letzten Verhandlungsrunde für etwa 18.500 Mitarbeiter des Telekom-IT-Dienstleisters T-Systems erwarten mit den Verhandlungen vertraute Kreise nun eine zügige Einigung. Die nächsten Gespräche finden Mitte Mai statt. Die aktuelle Übereinkunft deckt mit 50.000 Mitarbeitern der Telekom-Deutschlandgesellschaft den größten Block der 85.000 Angestellten ab, über deren Löhne seit Februar in drei verschiedenen Runden verhandelt wurde. Am kommenden Dienstag muss die Grosse Tarifkommission von Verdi noch zustimmen - das gilt jedoch als Formalie.
Für die Telekom geht es darum, zusätzliche Kosten dieses Jahr möglichst gering zu halten. Dem Konzern fehlen Milliarden aus dem geplatzten Verkauf der US-Tochter T-Mobile USA, außerdem setzen ihm die hohen Ausgaben für den Ausbau schneller Internetleitungen sowie der anhaltende Preiskampf bei Telefonie und schnellen Internetzugängen zu.
In der Zentrale werden Hunderte Stellen abgebaut, konzernweit läuft ein Sparprogramm in Milliardenhöhe. Gelingt Schick bei T-Systems ein ähnlicher Abschluss wie der nun erfolgte, hätte das Unternehmen zwei Jahre lang Planungssicherheit bei den Lohnkosten.
Bis vor wenigen Tagen hatte es keinesfalls nach einer schnellen Lösung ausgesehen. Verdi-Bundesvorstand und Telekom-Vizeaufsichtsratschef Lothar Schröder hatte ein erstes Angebot der Telekom für die 50.000 Mitarbeiter als Zumutung bezeichnet und die Verhandlungen für beendet erklärt.
Die Wende leiteten Ende April Schlichtungsverhandlungen für die Mitarbeiter der Konzernzentrale ein, bei denen sich Verdi und Telekom für 2012 auf eine Erhöhung um 2,3 Prozent einigten. In zwei weiteren Schritten werden die Gehälter 2013 um je 2,1 Prozent angehoben. Die Lösung bot eine Grundlage für erste informelle Gespräche zwischen Gewerkschaft und Telekom Ende letzter Woche.