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Merken   Drucken   23.08.2012, 14:40 Schriftgröße: AAA

Elektronische Post: Telekom startet De-Mail-Angebot

Das Papier für 18 Milliarden Briefe könnte jährlich eingespart werden: Mit dem De-Mail-Dienst der Telekom können Nutzer ab dem 31. August verschlüsselte Briefe über das Internet verschicken. Die Piratenpartei kritisiert fehlende Sicherheitsstandards.
© Bild: 2012 DPA/Jochen Lübke/Bildfunk/DPA
Das Papier für 18 Milliarden Briefe könnte jährlich eingespart werden: Mit dem De-Mail-Dienst der Telekom können Nutzer ab dem 31. August verschlüsselte Briefe über das Internet verschicken. Die Piratenpartei kritisiert fehlende Sicherheitsstandards.

Bequem wie die Mail, aber rechtsverbindlich und sicher wie der unterschriebene Brief - das soll die De-Mail bieten. Gut ein Jahr nachdem die Bundesregierung die gesetzliche Grundlage geschaffen hat, geht die Deutsche Telekom am 31. August pünktlich zur Funkausstellung in Berlin mit der De-Mail an den Start. Bürger, die sich registrieren und identifizieren lassen, können dann mit Banken, Versicherungen oder anderen Unternehmen, die bei dem System mitmachen, Geschäftsbriefe per Mail abwickeln. "De-Mail ist komfortabel, sicher und verbindlich", sagte Telekom-Chef René Obermann am Mittwoch in Bonn über die elektronische Konkurrenz zum Brief.

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Auch die 1&1 Internet AG (GMX und Web.de) und die Deutsche Post wollen bis Ende des Jahres De-Mail anbieten, teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit. Am Start ist auch das De-Mail-Angebot der Firma Mentana-Claimsoft, die mehrheitlich zur Unternehmensgruppe Francotyp-Postalia gehört.

Die Piratenpartei warnte allerdings schon, die versprochene Sicherheit sei bei der neuen De-Mail nicht gewährleistet. Telekom  und 1&1 wiesen das zurück - das De-Mail-Gesetz sorge für entsprechende Sicherheitsstandards. Außerdem könnten Verbraucher, die das wollten und den zusätzlichen Aufwand nicht scheuten, eine individuelle Verschlüsselung vom Absender zum Empfängercomputer einbauen.

Fast 18 Milliarden Briefe werden pro Jahr über die Deutsche Post  in Deutschland verschickt, die meisten geschäftlich. Bislang bietet die Mail dazu keine echte Alternative. Mitlesen ist möglich, das Fälschen von Absenderangaben ebenfalls. "Absender und Empfänger können nicht sicher sein, mit wem sie gerade kommunizieren", sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme, "Das führt dazu, dass für wichtige Schriftwechsel immer noch der gute, alte Brief genutzt wird. Das muss in Zukunft nicht mehr sein." Die gesetzlich vorgeschriebenen De-Mail-Standards machen die Unterschrift überflüssig, der elektronische Sende- und Empfangsbeleg wirkt wie ein Einschreiben.

1,5 Millionen Menschen in Deutschland haben bislang Interesse bekundet, außerdem mehrere zehntausend Unternehmen. Sie müssen sich eine Adresse reservieren lassen und sich bei einem der Anbieter registrieren und identifizieren lassen, um De-Mail zu nutzen. Verbraucher können dann nur mit solchen Banken, Versicherungen, Fluggesellschaften oder Anwaltskanzleien per De-Mail kommunizieren, die ebenfalls mitmachen. Sowohl Telekom als auch 1&1 sind aber sicher, dass Unternehmen und Behörden rasch in großer Zahl Kommunikation per De-Mail bieten werden. "Kein Unternehmen kann es sich noch leisten, nicht auf seine Kunden zu hören", sagte van Damme.

Der Versicherer Allianz und die Targobank in Düsseldorf, die schon beim Start dabei sind, rechnen außerdem nach eigener Aussage mit ansehnlichen Einsparungen. Das betrifft nicht nur Tonnen von Papier und Druckerzubehör, Briefumschläge und Porto. Daten, die gleich elektronisch vorliegen, können intern sofort weiterverarbeitet werden. Bei der Telekom können Kunden drei De-Mails pro Monat kostenlos versenden, die weiteren kosten 39 Cent pro De-Mail.

Die Piratenpartei kritisierte, dass die Verschlüsselung nicht vom Computer des Absenders bis zum Computer des Empfängers gelte. Damit bleibe die Sicherheit auf der Strecke. Die Telekom hält dagegen, dass eine Verschlüsselung von Rechner zu Rechner nicht anwenderfreundlich sei. "Es geht darum, für alle Bürger in Deutschland eine Lösung zu finden", sagte van Damme. 1&1 Vorstand Jan Oetjen sagte, auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werde bewusst verzichtet, um eine Untersuchung auf Schadsoftware zu ermöglichen. "Dies geschieht beim De-Mail Anbieter in einem nach De-Mail-Gesetz zertifizierten Rechenzentrum."

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  • dpa, 23.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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