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Merken   Drucken   26.07.2012, 18:21 Schriftgröße: AAA

Ende der Software-Plattform: Nokia beerdigt Handy-Betriebssystem Meltemi

Nokia taumelt, und schon wieder gibt es schlechte Nachrichten: Der finnische Handyhersteller stellt die Entwicklung des Linux-betriebenen Handysystems Meltemi ein. Damit wollte der Konzern eigentlich gegen Googles Android antreten.

Nokia stellt die Arbeiten an seinem auf Linux basierenden Handy-Betriebssystem ein. Drei Quellen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, das Projekt mit dem Codenamen Meltemi sei den Sparplänen des finnischen Handyherstellers zum Opfer gefallen.

Meltemi sollte die in die Jahre geratende Software Series 40 ablösen und in Feature Phones zum Einsatz kommen - Mobiltelefonen, die technisch zwischen einfachen Modellen und den anspruchsvollen Smartphones rangieren. Mit dem neuen Betriebssystem wollte Nokia  auf dem Handy-Massenmarkt gegen die Modelle antreten, die mit Googles Betriebssystem Android laufen.

Ohne die neue Software-Plattform könnte Nokia seine starke Position auf dem Markt für Handys in der Preisklasse von 100 bis 200 Dollar verlieren. Im ersten Quartal betrug der Marktanteil des finnischen Konzerns in diesem Segment über 20 Prozent.

Offiziell hat Nokia die Existenz Meltemis nie bestätigt, aber Mitte 2011 tauchte ein Video auf, in dem Nokia-Chef Stephen Elop von dem Projekt sprach. Am Donnerstag wollte sich der finnische Konzern nicht äußern.

Nokia arbeitet derzeit mit Verlust. Um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, plant Nokia, 10.000 Stellen zu streichen, was jedem fünftem Job im Telefongeschäft entspricht.

"Angesichts des extremen Sparzwangs überrascht es nicht, dass das Projekt gekippt wurde", sagte der Analyst Pete Cunningham. Eine Software-Plattform zu starten und am Laufen zu halten koste mehrere hundert Millionen Euro.

Eine der Quellen - bei einem Nokia-Zulieferer beschäftigt - sagte, die ersten Feature Phones mit Meltemi hätten eigentlich jetzt schon auf dem Markt sein sollen.

Das größte Wachstum der Branche findet derzeit bei Smartphones statt, aber die einfacheren Feature Phones machen weiterhin den größten Teil des Absatzes aus. Die Benutzeroberfläche Nokia Series 40 ist auf rund zwei Milliarden Mobiltelefonen zu finden und damit weltweit führend. Dem Programm fehlen jedoch das Nutzererlebnis wie bei einem Smartphone und ein breites Angebot an modernen Anwendungen. Hier hätte Meltemi Abhilfe schaffen sollen.

Kursinformationen und Charts
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Vergangenes Jahr hatte Nokia seine eigenen Software-Plattformen aufgegeben und war auf Windows Phone umgestiegen. Auch wegen des hohen Preises der Telefone, in denen Windows Phone zum Einsatz kommt, hat das Betriebssystem von Microsoft  bislang nur begrenzten Erfolg gehabt.

"Wichtig für Nokia ist es, den Preis für (Handys mit) Windows Phone so weit zu senken, dass die Lücke zu der Feature-Phone-Modellreihe Asha geschlossen wird. Das sollte 2013 der Fall sein", sagte Cunningham.

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  • Aus der FTD vom 27.07.2012
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