Mit einem ersten Prototypen für das neue Handybetriebssystem Firefox OS werben der Internet-Browseranbieter Mozilla und der Telekomkonzern Telefónica derzeit in der Entwicklergemeinde. Ende vergangener Woche stellten Manager der Unternehmen das Telefon im Silicon Valley vor. Kurz zuvor hatten Telefónica-Manager das Smartphone mit der neuen Software in Berlin bei einer Tech-Veranstaltung herumgezeigt. Erste Smartphones mit Firefox OS soll es im ersten Quartal in Brasilien unter Telefónicas Marke Vivo zu kaufen geben. Sehr wahrscheinlich wird Mozilla die Branchenmesse Mobile World Congress im Februar 2013 nutzen, um Software und Gerätehersteller offiziell vorzustellen.
Die neuen Telefone sollen deutlich günstiger sein als derzeitige Handys mit gleicher Leistung. Unternehmen wie Telefónica oder Deutsche Telekom hoffen, neue Käuferschichten zu erschließen, vor allem in aufstrebenden Volkswirtschaften. Für Handyhersteller ist die kostenlose Software eine lang ersehnte Alternative zu Android. Googles Betriebssystem dominiert derzeit den Markt mit einem Anteil von 64 Prozent. Mobilfunkbetreiber und Telefonhersteller fürchten mittelfristig eine zu große Abhängigkeit vom Suchmaschinenkonzern. Daher unterstützen sie das junge Projekt.
In den kommenden Wochen muss Mozilla möglichst viele Anbieter von populären Diensten und Spielen dazu bringen, passende Dienste für das neue Betriebssystem zu entwickeln. Der Onlineshop Firefox Marketplace läuft bereits in einer Testphase. Ohne eine große Auswahl angesagter Dienste, sind die Erfolgsaussichten des neuen Betriebssystems gering. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Firefox-OS-Prototypen nur unmerklichen von Apple - oder Samsung -Geräten. Wie üblich sind kleine Kacheln verschiedener Zusatzprogramme in Reihen auf dem Bildschirm angeordnet. Gesteuert wird mit den Fingern. Auf dem Handy-Bildschirm ist bereits ein Icon für Facebook zu sehen. Ob sich das Netzwerk bereits über die neuen Telefone steuern lässt, ist in online kursierenden Videos nicht zu erkennen.
Anders als bei der Konkurrenz soll der größte Teil des Handybetriebssystems auf der Technik HTML5 beruhen. Die Programmiersprache wird bislang vor allem dazu genutzt, um komplexe Anwendungen wie Spiele in einem herkömmlichen Internetbrowser laufen zu lassen. Hersteller können bei den kommenden Handys sparen. Denn durch den neuen Ansatz müssen Handy-Bauteile wie zum Beispiel Prozessoren nicht so leistungsfähig sein und sind damit günstiger im Einkauf. Sowohl ZTE als auch TCL Communication Technology haben angekündigt, Handys mit Firefox OS zu produzieren. Mobilfunkanbieter wie Deutsche Telekom, Sprint oder Telecom Italia unterstützen das Projekt ebenfalls.