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Merken   Drucken   31.03.2005, 22:33 Schriftgröße: AAA

Exklusiv: Philips stellt Technik für WM-Tickets  

Der Elektronikkonzern Philips stattet die Eintrittskarten zur Fußballweltmeisterschaft 2006 mit so genannten RFID-Chips aus. Die Funktechnik soll die Tickets sicherer gegen Fälschungen machen und den Schwarzhandel eindämmen. von Birgit Dengel und Martin Virtel, Hamburg
WM 1974: Die deutsche Fussballnationalmannschaft mit Kapitän Franz ...   WM 1974: Die deutsche Fussballnationalmannschaft mit Kapitän Franz Beckenbauer (m.)
Der Auftrag kommt vom Organisationskomitee des Weltfußballverbands Fifa in Frankfurt und gilt in der Halbleiterbranche als sehr prestigeträchtiges Projekt. "Der Einsatz zur Fußballweltmeisterschaft könnte der Technik einen Imageschub geben", sagte Fabian Bahr, zuständig für Innovationspolitik beim Branchenverband Bitkom, der FTD.
Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ist die erste internationale Großveranstaltung mit einer elektronischen Zugangskontrolle. Wenn die Radio Frequency Identifikation-Chips sich hier bewähren, könnte ihre Attraktivität für den Massenmarkt steigen. Bisher gibt es noch eine Reihe von Vorbehalten gegenüber den Funkchips. So schrecken potenzielle Abnehmer vor den noch hohen Preisen zurück, Kritiker beklagen mangelnden Datenschutz.
Philips soll den Auftrag der Fifa im März bekommen haben. Der Elektronikkonzern ist damit dafür zuständig, rund 3,2 Millionen WM-Tickets mit der RFID-Technik auszustatten. Die Kosten für einen Chip liegen bei rund 10 Cent, daraus ergibt sich ein Umsatz von etwa 320.000 Euro.
Höhere Erlöse erwartet
Künftig dürften sich mit dieser Art von Chips weitaus höhere Erlöse einfahren lassen. Das britische Marktforschungsinstitut Idtechex rechnet bereits für 2005 mit knapp 2 Mrd. $ Umfang auf dem weltweiten RFID-Markt. Der Auftrag der Fifa hat trotz des vergleichsweise geringen Volumens eine große Bedeutung für die Branche. "Je mehr Nutzer von der RFID-Technik überzeugt sind, desto schneller wird sie sich verbreiten", sagte Branchenexperte Bahr.
Donnerstagnacht ist die erste Verkaufsphase der WM-Tickets zu Ende gegangen. Wer ein Spiel besuchen möchte, muss seine Karte vorher bestellt haben und sich registrieren lassen. Die Zahl der Interessenten lag in der ersten Phase fast siebenmal höher als die Zahl der Karten: Die Fifa hat 5,4 Millionen Bestellungen über das Internet registriert, vergibt aber nur 812.000 Tickets.
Bei der Bestellung musste jeder Interessent persönliche Daten wie seine Personalausweisnummer angeben. Auf dem Ticket ist nachher allerdings nur der Name des Besuchers aufgedruckt, der integrierte Chip speichert zudem Angaben zum gebuchten Spiel und zum Sitzplatz. Die Lesegeräte an den Besucherschranken erfassen die Daten auf den Chips aus einer Entfernung von bis zu 15 Zentimetern.
Kritiker melden Datenschutzbedenken an
"RFID-Chips bieten ein hohes Maß an Sicherheit sowie ein hohes Maß an Komfort", begründete ein Fifa-Sprecher den Einsatz der Technik. Konkurrenzsysteme wie etwa der Barcode könnten in beiden Punkten nicht mithalten. Kritiker werfen der Fifa bei der Ticketvergabe allerdings mangelnden Datenschutz vor. "Es ist völlig unklar, was mit den Daten passiert, die die Kartenbesteller im Internet angeben", sagte Rena Tangens der FTD. Sie gehört zum Vorstand des Vereins zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (Foebud) in Bielefeld. Der Verein prüfe zurzeit die Möglichkeiten einer Klage gegen die Art der WM-Ticketvergabe.
Die Datenschützer sträuben sich auch gegen RFID-Chips auf einzelnen Produkten in Supermärkten, weil sie eine Verletzung der Privatsphäre der Kunden fürchten. Handelskonzerne wie Metro oder Wal-Mart hingegen setzen auf die neue Technik, weil sie sich davon eine deutliche Kostenersparnis versprechen.
Bislang bremst der hohe Preis der Funketiketten das Geschäft. Hersteller wie Philips oder Intel verkaufen noch nicht genug, um Skaleneffekte zu erzielen und die Chips billiger anzubieten. Philips setzt darauf, dass der RFID-Absatz mit dem WM-Einsatz weiter an Schwung gewinnt. Bislang hat der Konzern weltweit rund 400 Millionen Chips verkauft. "Es lassen sich aber noch viele neue Einsatzfelder finden", sagte ein Unternehmenssprecher.
  • Aus der FTD vom 01.04.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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