"Die Vorteile für beide Seiten sind einfach zu groß. Für uns sind die beiden immer noch die Idealkombination", sagte Marcus Sander, Telekomanalyst der Investmentbank Sal. Oppenheim. Gerade in der Aufbauphase für die nächste Mobilfunkgeneration UMTS könnte die Zusammenlegung der beiden deutschen Töchter der Konzerne, E-Plus und O2 Deutschland, am meisten Einsparungen bringen. Die beiden Anbieter wollen im Laufe des Jahres 2004 ihre ersten UMTS-Dienste in Betrieb nehmen. Fusioniert kämen beide Anbieter in Deutschland auf rund 15 Millionen Kunden, die sie auf den neuen Mobilfunkstandard übersiedeln könnten. Damit hätten sie eine stärkere Marktposition gegenüber den Konkurrenten T-Mobile und Vodafone.
Eine Prämie von 10 bis 15 Prozent auf den aktuellen Börsenwert könnte KPN bei einem möglichen zweiten Übernahmeversuch von MMO2 zum Erfolg führen, schätzt der Analyst. "Das kann KPN finanziell stemmen, ohne das Rating zu gefährden. Auch MMO2 würde nur relativ geringe Schulden mitbringen", sagte Sander. Dies mache die Übernahme für die Niederländer weiterhin attraktiv.
Derzeit belaufen sich die freien Barmittel des Konzerns auf etwa 1,8 Mrd. Euro. Wie KPN-Chef Ad Scheepbouwer am Montag mitteilte, würden die von ihm geplanten Zukäufe künftig überwiegend mit eigenen Aktien bezahlt. "Das dürfte Anlegern allerdings zunächst Sorgen machen, weil ihre Anteile stark verdünnt werden", sagt Analyst Sander. Tatsächlich sackte die KPN-Aktie am Montag deutlich ab, nachdem Scheepbouwer ankündigte, nach dem geplatzten ersten Versuch künftig weiterhin auf Übernahmen zu setzen.
Ein MMO2-Sprecher sagte am Montag, es habe nach der gescheiterten Kaufofferte von KPN noch keine weiteren Angebote gegeben. Dennoch wurden in Londoner Finanzkreisen am Montag weitere Namen ins Spiel gebracht, die in ein Bietergefecht eintreten könnten. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) listet in einer aktuellen Analyse die Anbieter BT Group, Telecom Italia Mobile, Telefónica, NTT Docomo und Hutchison als mögliche Bieter auf. "Von ihnen dürfte Hutchison der ernsthafteste Interessent sein", schreiben die Analysten von DKW.
Der in Hongkong beheimatete Konzern, der vom Milliardär Li-Kashing kontrolliert wird, ist einer der UMTS-Pioniere in Europa. Der Konzern unterhält derzeit Breitbandnetze in den Ländern Großbritannien, Italien und Österreich. Deutschland, der größte Mobilfunkmarkt Europas wäre nach Meinung von Branchenexperten ein attraktives Expansionsziel. Allerdings hat Hutchison bisher keine große Erfahrung mit GSM-Handynetzen, der Vorgängertechnologie von UMTS.
Klar sei jedoch, dass alle genannten Anbieter nur kleinere Synergien erzielen könnten als KPN, schreiben die DKW-Analysten. MMO2 ist außer in Deutschland noch als starke Nummer vier auf dem britischen Mobilfunkmarkt aktiv und betreibt auch in Irland ein Mobilfunknetz. Die niederländische Tochter wurde kürzlich abgestoßen, was den Weg für KPN frei machte, ein Gebot einzureichen. Die Niederländer sind neben dem Heimatmarkt und Deutschland auch noch in Belgien mit einem Handynetz vertreten. Zusammen kämen beide Anbieter auf rund 35 Millionen Kunden, was in etwa der Größe des Mobilfunkkonzerns Orange entspricht, der in zahlreichen europäischen Ländern aktiv ist.
"Telecom Italia Mobile sehe ich als ernsthaften Konkurrenten", so Sander. Das Unternehmen hätte so gut wie keine Schulden und könnte den Schritt in so lukrative Auslandsmärkte wie Deutschland oder Großbritannien gut gebrauchen.
Sollte KPN einen erneuten Versuch machen, MMO2 zu kaufen, besteht nach Auskunft einiger Branchenfachleute allerdings das Risiko, dass die Niederländer einen zu hohen Preis zahlen. Der Telekomspezialist Danny van Doesburg vom Investmenthaus F. van Lanschot: "Eine neue Offerte von KPN birgt die Gefahr, dass der Konzern überzahlt." Nach seinen Berechnungen ist MMO2 beim gegenwärtigen Preis bereits zu hoch bewertet.
KPN bekommt bisher keine guten Noten, was Übernahmen angeht. Der Konzern hat schon zwei erfolglose Anläufe hinter sich. Zwischen 2000 und 2001 scheiterten jeweils Versuche, mit dem spanischen Ex-Monopolisten Telefónica und dem belgischen Konkurrenten Belgacom zu fusionieren. Bei Zukäufen hat KPN fast immer zu viel bezahlt.
Allerdings bleibt Konzernchef Scheepbouwer kaum etwas anderes übrig, als zu wachsen. Das Kerngeschäft Festnetz des Konzerns stagniert. Stabiles Wachstum sehen Telekomexperten derzeit nur im Mobilfunk.