Export des Mautsystems nach Tschechien steht vor dem Aus
Schwerwiegende finanzielle und technische Gründe sprechen dagegen, das vom deutschen Toll-Collect-Konsortium betriebene Mautsystem nach Tschechien zu verkaufen. Dies erfuhr die FTD aus dem Umfeld der Telekom-Tochter T-Systems, die eine Teilnahme an der Ausschreibung geprüft hatte. von Claudia Wanner, Frankfurt, und Martin Virtel, Hamburg
Eine Mautkontrolleurin des Bundesamtes für den Güterverkehr, BAG
Ein Sprecher von T-Systems sagte am Donnerstag, das Unternehmen werde sich nicht vor Ende der Ausschreibungsfrist am 16. September in der Sache äußern. Für die am Konsortium beteiligten Konzerne Deutsche Telekom, DaimlerChrysler und die französische Coufiroute ist ein Export die einzige Chance, mit dem als Exportschlager konzipierten System Gewinn zu erwirtschaften.
Die mit Milliardeninvestitionen entwickelte Technik funktioniert nach zweimaligem Fehlstart ohne große Probleme, der Bund fordert aber Schadensersatz für entgangene Einnahmen. Der Verzicht auf ein Gebot in Tschechien wäre ein Rückschlag für die Bemühungen, das deutsche System als europäischen Standard zu etablieren.
"Unrealistische Vorgaben"
Für die Telekom-Tochter T-Systems wäre die Entscheidung für ein Gebot in Tschechien allerdings eine große Bürde: "Der Betreiber müsste extrem in die Haftung gehen. Es werden sehr hohe Anforderungen gestellt und dabei unrealistische Vorgaben zum Zeitplan gemacht", hieß es aus dem Umfeld von T-Systems.
Unter anderem verlange Tschechien ein sehr rasch und unkompliziert einzubauendes Erfassungsgerät. Das würde für die in Österreich verwendete Mikrowellentechnik des Betreibers Europpass sprechen. Gleichzeitig werden allerdings in der tschechischen Ausschreibung andere Anforderungen gestellt, die auf technische Spezifikationen des deutschen, satellitengestützten Systems zielen. "Das lässt sich nicht unter einen Hut bringen", hieß es.
Problematisch sei auch, dass es sich um ein offenes Ausschreibungsverfahren handele. Damit sind die Vorschriften sehr detailliert, die Bieter müssen auf jeden Fall mindestens die geforderten Standards bieten und haben praktisch keine Möglichkeit, gemeinsam mit dem Betreiber technische oder organisatorische Alternativen zu prüfen.
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