Die PC-Branche steht nach Einschätzung der Marktforscher von Gartner vor dem schwersten Einbruch ihrer Geschichte. Die Experten erwarten für 2009 einen Absatzeinbruch von 11,9 Prozent auf 257 Millionen Computer. Der Boom der billigen Mini-Notebooks dämpfe zwar den Abschwung, könne ihn aber nicht aufhalten, berichtete Gartner am Montag in Stamford. Den bisher höchsten Rückgang erlebte die Branche demnach 2001 mit 3,2 Prozent. Die Schwäche werde alle Märkte treffen. Der Rückgang in den Schwellenländern werde voraussichtlich 10,4 Prozent betragen, und 13 Prozent in den Industrieländern, hieß es.
Die Branchengrößen haben sich bereits auf harte Zeiten eingestellt. So rechnet der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft noch für mindestens ein Jahr mit einem schwierigen Geschäftsumfeld für die Technologiebranche.
Und auch der weltweit zweitgrößte PC-Hersteller
Dell blick vorsichtig in die Zukunft. "Wir können nicht vorhersagen, wie schwer oder wie lang die Schwäche sein wird, aber wir richten uns darauf ein, dass sie langwierig ist", sagte Dells Finanzchef Brian Gladden am Donnerstag.
Die PC-Hersteller kämpfen nicht nur mit der Ausgabenzurückhaltung infolge der Wirtschaftskrise. Es fehlen zudem Kaufanreize. PC können zurzeit nicht mit technologischen Neuerungen aufwarten. Das aktuelle Windows-Betriebssystem Vista leidet unter einem schlechten Ruf. Der Nachfolger Windows 7 kommt jedoch vermutlich erst in knapp einem Jahr auf den Markt. Im vierten Quartal 2008 ist das PC-Wachstum bereits eingebrochen. Erste Analysten schließen einen Rückgang der Verkäufe in diesem Jahr nicht mehr aus.
Microsoft will mit Windows 7 die Nachfrage ankurbeln
Microsoft hat zwar bislang kein konkretes Datum genannt, wann Windows 7 auf den Markt kommen soll. Allerdings hatten Microsoft-Manager in Aussicht gestellt, dass das neue Betriebssystem rund drei Jahre nach der Veröffentlichung von Vista verfügbar sein soll, das wäre ungefähr im Januar 2010. Er sei optimistisch, in diesem Zeitrahmen ein qualitativ hochwertiges Produkt auszuliefern, sagte der für das Windows-Geschäft zuständige Microsoft-Manager Bill Veghte am Donnerstag vor Journalisten in München.
Von der nächsten Betriebssystemversion erhofft sich Dell neue Kaufanreize. Windows 7 werden ein "wichtiger Katalysator" für Wachstum sein, sagte Konzernchef Michael Dell am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal. Auch Microsofts Finanzchef Christopher Liddell erwartet eine stärkere Nachfrage im kommenden Jahr, weil einige Kunden womöglich Computerkäufe verschieben und auf Windows 7 warten. "Das wird helfen, aber das wird nicht die Makroökonomie überwiegen", sagte Liddell Ende vergangener Woche auf einer Konferenz der Investmentbank Goldman Sachs in San Francisco.