Eine charismatische Figur wie Steve Jobs fehlt Samsung - doch was der Konzern an Aura vermissen lässt, kompensiert er mit pompösem Auftritt. Für den Launch des neuen Smartphones Galaxy S III hat er - passend zu den olympischen Spielen - in die Hallen von Earls Court in London geladen. Mit dabei: 2000 Gäste und das Londoner Metropolitan Orchestra. Große Töne, große Bilder, große Versprechen ("designed for humanity"): Samsung legt sich ins Zeug, um dem größten iPhone-Konkurrenten einen gebührenden Einstand zu beschehren.
Bereits der Vorgänger, das S II, machte Samsung zur unangefochtenen Nummer Zwei hinter Apple, wenn es um Smartphones der Spitzenklasse ging. Das S III hat nicht nur einen leistungsstärkeren Prozessor (vier Rechenkerne) und einen größeren Bildschirm in HD-Qualität (4,8 Zoll, Super-Amoled). Es enthält vor allem eine Menge Software-Funktionen, die dem Nutzer das Leben leichter machen. Damit pirschen sich die Koreaner, die sich bisher vor allem durch leistungsstarke Hardware auszeichneten, in Apples Domäne vor. Und auch von der Konkurrenz der anderen Android-Hersteller setzen sie sich so deutlicher ab.
"Samsung konzentriert sich stärker auf die Nutzeroberfläche, die bisher keine Top-Priorität für sie hatte", schreibt Carolina Milanesi, Analystin beim IT-Marktforscher Gartner. "Das ist von entscheidender Bedeutung, aber schwieriger zu vermitteln." Für die Funktion S Voice, die natürliche Sprache versteht anstelle festgelegter Befehle, hat Apples Siri bereits die Aufklärungsarbeit geleistet. Doch der Konzern bietet noch mehr Funktionen, die dem Nutzer Arbeit abnehmen: Die Kamera erkennt etwa, wenn jemand auf den Bildschirm schaut, und schaltet den Bildschirm nicht ab. Tippt man gerade eine Textnachricht, entscheidet sich dann aber doch für ein Telefonat, muss man das Smartphone nur ans Ohr halten - dann wählt es automatisch die Nummer. Die Bild-Software erkennt Gesichter und verlinkt Freunde automatisch mit ihrem Facebook- oder Twitter-Account.
Auch bei der Kamera hat Samsung in Sachen Funktionalität aufgerüstet. Der Auslöser funktioniert schneller; aus einer Bilderreihe von acht Aufnahmen sucht das Handy automatisch die beste heraus.
Erhältlich ist das S III ab dem 29. Mai in Europa - pünktlich vor Beginn der olympischen Spiele, deren offizieller Partner Samsung ist und die als gigantische Marketingkampagne für das neue Galaxy dienen. Analysten gehen davon aus, dass Samsung mit dem Gerät seinen Marktanteil weiter ausbauen kann - bis das nächste iPhone auf den Markt kommt, dürfte es noch eine Weile dauern. Analystin Milanesi sieht außerdem den Marktstart in Europa als klugen Schachzug an - gerade traditionell starke Konkurrenten wie Nokia schwächeln hier momentan. Im Laufe des Sommers kommt das Handy zu 296 Mobilfunkanbietern in 145 Ländern - nie habe man so viele Kunden auf einmal angesprochen, sagt JK Shin, Chef der Mobilfunksparte von Samsung. Der Konzern erwartet, den Verkaufserfolg des Galaxy S II noch zu übertreffen, das bisher über 20 Millionen Mal über die Ladentheke ging.