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Merken   Drucken   16.07.2008, 21:52 Schriftgröße: AAA

Gebührenpflicht auf der Datenautobahn: Briten bieten Google die Stirn

Exklusiv Konzerne wie British Telecom errichten die digitale Datenautobahn - und Unternehmen wie Google sahnen auf ihr ab. Im FTD-Interview kündigt BT-Chef Barrault Milliardeninvestitionen an. Und verrät, wie er die Googles dieser Welt zur Kasse bitten will.
von Astrid Maier (Genf)

"Bislang arbeiten wir sehr hart daran, damit funky Unternehmen wie Google , Youtube und Cisco  eine Menge Geld verdienen können. Dieses Modell ist obsolet, die Verdienstmöglichkeiten nicht gerecht verteilt", sagte François Barrault, als BT  -Vorstand zuständig für das globale Geschäft. "Es stehen Investitionen in Milliardenhöhe an. Jemand muss letzten Endes die Rechnung bezahlen." Daher werde es in den nächsten fünf Jahren zu einer "Umverteilung des Wohlstands zwischen den Infrastrukturanbietern und den Inhalteanbietern" kommen. Investitionen, auch in Forschung und Entwicklung, würden in Zukunft gemeinsam geschultert werden.

Die klassischen Vertreter der Telekombranche kämpfen gegen den allgemeinen Preisverfall im Internetgeschäft an - und müssen zugleich hohe Investitionen schultern. BT selbst hat - nicht zuletzt auf Druck der britischen Regierung - am Dienstag angekündigt, knapp 2 Mrd. Euro in den Aufbau des Glasfasernetzes in Großbritannien zu investieren. Das Land hat hier im internationalen Vergleich Nachholbedarf. Experten sehen weltweit Lücken bei schnelleren Netztechniken, einem zukünftigen Datenengpass vorzubeugen.

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Das von dem BT-Manager beschworene Szenario klingt derzeit aber nach Wunschdenken. So haben Internetkonzerne wie Google bisher auf Forderungen, sich an den Kosten des Internetverkehrs zu beteiligen, nicht reagiert.

Marktbeobachter glauben nicht an eine Liaison: "Warum sollte Google seine Innovationen mit einem Netzbetreiber vorantreiben? Dazu sind die Geschäftsmodelle viel zu heterogen", sagte ein Branchenkenner über die Lage.

Zudem haben viele der Portale, die den Onlineverkehr befeuern - darunter beispielsweise der Videodienst Youtube -, noch nicht bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell langfristig Geld abwirft. Die Verbraucher sind es schließlich gewohnt, für immer schnellere Datenübertragung deutlich sinkende Preise zu bezahlen. Und die Telekomanbieter ihrerseits bringen zu wenig Innovationen und bieten kaum eigene geschäftsträchtige Onlinedienste an.

Ein Dilemma, das zukünftigen Investitionen entgegensteht. "Die großen Telekomkonzerne werden weiter in Infrastruktur investieren müssen, es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben. Deswegen heißt es nun, selbst attraktive Anwendungen und Dienste zu entwickeln, mit denen sich mehr Umsatz generieren lässt", sagte der Telekomexperte Roman Friedrich von Booz & Company.

BT-Manager Barrault selbst ist aber überzeugt, dass Unternehmen wie Google seinen Appell "sehr ernst nehmen, weil sie wissen, dass sie langfristig auf uns angewiesen sind".

Die Herausforderer hätten der Branche insgesamt gute Dienste erwiesen, "indem sie die Aufmerksamkeit für die neuen Möglichkeiten im Internet" erst geschaffen haben. Nun sei es aber an der Zeit, die Verdienstmöglichkeiten gerechter aufzuteilen. "Wenn sich das nicht ändert, wird es eben die Frage sein, ob der Kunde das bekommt, was er will - nämlich einen Film in zwei Sekunden herunterzuladen."

Barrault sieht auch angesichts der Finanzmarktkrise eine Zeitenwende im Umgang mit Kunden und Zulieferern: "Ich will BT in ein Ökosystem überführen, in dem wir zusammen investieren und Mehrwert schaffen, anstatt uns gegenseitig wie früher für die nächsten Quartalszahlen auszuquetschen."

Man müsse Know-how teilen, Investitionen und Innovationen gemeinsam vorantreiben: "Diskussionen mit Zulieferern finden auf einer breiteren Basis statt. Wir schauen uns an, wo wir etwa Forschung und Entwicklung gemeinsam betreiben können."

Das internationale BT-Geschäft wuchs im letzten Quartal um 28 Prozent und trug 2007 mit 8 Mrd. Pfund rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei. "Ich sehe derzeit keine Anzeichen, dass sich das Wachstum verringern könnte", sagte Barrault zu den Geschäftsaussichten.

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  • Aus der FTD vom 17.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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