Apple-Mitbegründer Steve Jobs legt offiziell sein Amt als Chef des kalifornischen Technologiepioniers nieder. Als Grund für seinen Rückzug von der Firmenspitze nannte die Silicon-Valley-Legende am Mittwoch lediglich, dass er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen könne. Der 56-jährige Visionär hatte sich bereits im Januar aus Gesundheitsgründen auf unbestimmte Zeit aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und dieses dem operativen Chef Timothy Cook übergeben.
Cook wurde am Mittwoch mit sofortiger Wirkung zu Jobs' Nachfolger ernannt. Apple verliert den Mann, der von der Welt wie wenige Lenker mit seinem Unternehmen identifiziert wird, jedoch nicht ganz. Jobs wird Vorsitzender des Apple-Verwaltungsrats und wird den Konzern so lange wie möglich mit seinen branchenumwälzenden Ideen sowie Inspiration versorgen.
"Ich habe immer gesagt, dass ich als erstes euch darüber informieren würde, sollte ich eines Tages meine Aufgaben und Erwartungen als Vorstandschef von Apple nicht mehr erfüllen können", schrieb Jobs am Mittwoch in einem Brief an den Apple-Verwaltungsrat und die Apple-Gemeinde. "Leider ist dieser Tag gekommen." Jobs zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass Apple "seine hellsten und innovativsten Tage noch vor sich" habe.
Mit Jobs' Rücktritt ist ein historischer Moment für Apple, das Silicon Valley und die gesamte Technologiebranche gekommen. Mit ihm zieht sich ihr innovativster Vertreter zurück, der wohl einzige Manager der Geschäftswelt, der den Status eines Rock-Idols erlangte. "Steve Jobs ist der inspirierendste Führer, den ich jemals getroffen habe", antwortete Microsoft-Mitbegründer Bill Gates , jahrzehntelanger Partner und Rivale von Jobs und Apple, bereits 1998 auf die Frage nach dem Vorstandschef, den er am meisten bewunderte.
Jobs, der 1985 aus seinem eigenen Unternehmen gefeuert worden war, kehrte 1997 zu Apple zurück und machte aus dem damals vor dem Bankrott stehenden Computerhersteller eines der erfolgreichsten und einflussreichsten Technologieunternehmen sowie das nach Exxon zweitwertvollste Unternehmen der Welt.
Die Apple-Aktie reagierte nach der Bekanntgabe von Jobs' Rücktritt im nachbörslichen Handel verhältnismäßig gelassen. Sie verzeichnete ein Minus von fünf Prozent auf etwa 357 Dollar. In den vergangenen Jahren hatten Branchenbeobachter über einen massiven Wertverlust spekuliert, sollte Jobs ausscheiden.
“Steve Jobs ist unersetzlich, aber Tim Cook hat nachweisbare Erfolge bei der Ausführung”, schrieb Katy Huberty, Analystin bei der Investmentbank Morgan Stanley, am Mittwoch in einem Bericht. “Cook führte das Unternehmen durch die Rezession 2009, durch die Bedrohung im Smartphone-Markt und durch mehrere Produktwechsel während Jobs’ Zwangspausen in den Jahren 2009 und 2011.” Huberty ist der Meinung, dass der Machtwechsel angesichts bevorstehender Produkteinführungen und der schnelleren Zuwächse bei den Marktanteilen gut geplant ist und dass das Timing stimmt.
Teil 2: Rücktritt war wohlüberlegt