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Merken   Drucken   16.06.2008, 08:35 Schriftgröße: AAA

Handygebühren: EU-Kommissarin krempelt Tarife um

Europas Handynutzer werden für das Annehmen eines Handygesprächs künftig vielleicht bezahlen müssen. Im Interview der FT wollte EU-Telekomkommissarin Viviane Reding die Einführung solcher Gebühren nicht ausschließen. Andere Dienstleistungen könnten aber billiger werden. von Andrew Parker und Sarah Laitner (Brüssel)
"Warum nicht? Der ganze Markt entwickelt sich, deshalb sollten wir nicht auf Regeln sitzen bleiben, die seit zehn Jahren gelten. Ich finde nicht, dass EU-Kommissare über Geschäftsmodelle entscheiden sollten, sondern die Betreiber", sagte Reding.
Diesen Monat wird Reding in Brüssel eine Reihe von Vorschlägen präsentieren, wie die Handytarife europaweit auf ein vergleichbares Niveau angeglichen werden sollen. Reding deutete gegenüber der FT an, dass sie in diesem Zusammenhang über eine Reihe von verbraucherfreundlichen Regelungen nachdenkt. So will sie möglicherweise vorschlagen, den Versand von SMS-Nachrichten aus dem Ausland billiger zu gestalten.
Künftig sind Gebühren für eingehende Gespräche denkbar   Künftig sind Gebühren für eingehende Gespräche denkbar
Überdies erwäge sie ähnliche Maßnahmen, um das Internetsurfen per Handy aus dem Ausland günstiger zu machen, sagte die Politikerin. Am stärksten beunruhigen dürfte die EU-Kommissarin die Branche jedoch mit ihrem Ansinnen, die lukrativen Gebühren, die Mobilfunkunternehmen untereinander berechnen, wenn sie Anrufe aus anderen Netzen annehmen, drastisch zu senken.
"Wirkliche Verzerrung"
Im Schnitt betragen die sogenannten Terminierungsentgelte - die die Firmen für die Anrufvermittlung untereinander und von Festnetzfirmen verlangen - in der EU derzeit 8 Cent pro Minute. Bis 2012 will Reding diese Gebühren auf 1 bis 2 Cent pro Minute senken.
Reding bezeichnete solche Gebühren als "garantiertes Geld" der Mobilfunkbetreiber, das eine "wirkliche Verzerrung" im EU-Binnenmarkt sei. Für die Mobilfunkbetreiber stellen sie jedoch eine wichtige Einnahmequelle dar.
Zwar akzeptieren die Unternehmen Redings Argumente. Sie kritisieren jedoch die Entgeltziele der Kommissarin als zu niedrig. Hinter vorgehaltener Hand warnen einige Betreiber daher bereits davor, dass Redings Bemühungen dazu führen könnten, dass sich die Gebühren der Kunden verteuern. So müssen in den USA und einigen asiatischen Ländern Kunden auch für angenommene Gespräche zahlen.
Beim Thema Frequenzen gab Reding sich hingegen versöhnlicher. Sie sagte, die Unternehmen sollten die Hälfte des Frequenzspektrums erhalten, das durch die Umstellung vom analogen auf digitales Fernsehen frei wird. Europas Sender wollen den Löwenanteil behalten. Reding sagte jedoch, dass die Mobilfunkbetreiber diese benötigten, um das Angebot für den Internetzugang per Mobilfunk noch deutlich erweitern zu können.
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