Der Handyhersteller Nokia will seine Luxusmarke Vertu an das Private-Equity-Unternehmen Permira verkaufen. Nach Informationen der Financial Times sind Gespräche über eine mögliche Transaktion bereits fortgeschritten. Der Verkauf von Vertu könnte dem finnischen Konzern rund 200 Mio. Euro in die Kassen spülen.
Nokia kann derzeit jeden Euro gut gebrauchen. Erst am vergangenen Freitag hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des Konzerns auf Ramschniveau herabgestuft. Nokia will sich von Geschäftsfeldern trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehören - ein Vertu-Verkauf steht dabei bereits seit Ende 2011 im Raum. Er soll dabei helfen, die defizitäre Gerätesparte des Konzerns zu sanieren. Vertu gilt als teuerste Handymarke der Welt, Nokia ist eher für Mobiltelefonmodelle für den Massenmarkt bekannt.
Das in Großbritannien ansässige Unternehmen Vertu ist eine unabhängig geführte Tochtergesellschaft, die die Finnen 1998 gegründet hatten. Mit der Marke wollte der Handykonzern die Nachfrage wohlhabender Kunden nach Handys befriedigen, die als Statussymbole taugen. Vertu-Mobiltelefone werden von Hand gefertigt und können mehr als 200.000 Pfund (245.500 Euro) kosten.
Auch das schwedische Private-Equity-Unternehmen EQT hat bereits Gespräche über den Kauf der Nobelmarke geführt. Insidern zufolge stockten diese derzeit jedoch. Luxusgüterhersteller zeigten ebenfalls Interesse, Vertu in ihr Markenportfolio aufzunehmen. Beraten wird Nokia beim Verkauf von der US-Bank Goldman Sachs . Keine der Parteien wollte sich in der Sache äußern.
Ein Insider sagte, Vertus Wert liege weniger in der Technologie selbst als in der Marke und der Möglichkeit, den Absatz in den wachsenden und wohlhabenden Ländern in Asien und dem Nahen Osten zu steigern. Über die Handys, die mit Saphirglas und Diamanten bestückt sind, lässt sich ein Serviceteam kontaktieren, das für Kunden etwa Tische in Restaurants buchen kann. Zudem locken exklusive Klingeltöne von beliebten Bands und Orchestern. Vertu unterhält auch eine Partnerschaft mit Ferrari. Nokia weist den Umsatz der Marke nicht separat aus, er wird auf 200 Mio. bis 300 Mio. Euro im Jahr geschätzt. Die Mobiltelefone sind in mehr als 60 Ländern erhältlich.
Neben dem möglichen Verkauf von Geschäftsfeldern konzentriert sich der finnische Handykonzern derzeit vor allem darauf, den Absatz seiner Lumia-Smartphones voranzutreiben, die mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone laufen. Nokia-Chef Stephen Elop sagte bei der Vorlage der Quartalszahlen: "Wir tun heute Dinge, die wir möglicherweise aufgeben müssen."
Der Konzern verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch um fast ein Drittel sowie einen Betriebsverlust von 1,4 Mrd. Euro. Nach der Herabstufung des Ratings durch S&P versicherte das Unternehmen jüngst, finanziell sei man weiterhin robust. "Wir ergreifen rasch Maßnahmen, um Nokia für künftiges Wachstum und Erfolg auf Kurs zu bringen", sagte Finanzchef Timo Ihamuotila.