Gerade einmal zwei Prozent der Handynutzer besitzen ein UMTS-fähiges Gerät
Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Netzbetreibers E-Plus. Demnach nutzen drei Viertel der Handybesitzer ihr Gerät zum Telefonieren und Versenden von Kurznachrichten (SMS); Surfen im Internet, E-Mail oder das Herunterladen von Musik spielen eine untergeordnete Rolle. Zwei Drittel der 74 Millionen Handynutzer in Deutschland wissen nicht einmal, was UMTS ist.
Die Zahlen sind alarmierend für die Netzbetreiber. Sie waren überzeugt, Datendienste würden die Sprachtelefonie rasch überholen. Die UMTS-Lizenzen waren ihnen deshalb im Jahr 2000 in Deutschland etwa 51 Mrd. Euro wert. Zusätzlich investierten sie schätzungsweise 25 Mrd. Euro in den Netzausbau. Das Mobiltelefon sollte die digitale Schaltzentrale des Lebens werden.
Die Wirklichkeit des Jahres 2006 sieht anders aus: Gerade einmal zwei Prozent der Handynutzer besitzen ein UMTS-fähiges Gerät. So erwirtschaftet etwa Vodafone auch nur 4,7 Prozent des Service-Umsatzes in Deutschland mit Datendiensten. Andere Betreiber weisen diese Zahl erst gar nicht aus. In der Branche gelten drei Prozent als Durchschnitt - vor allem dank Klingeltönen, Displaylogos und Musikdateien. "Die Killerapplikation für UMTS ist Telefonieren", lästert die Managerin eines Netzbetreibers über die Blütenträume der vergangenen Jahre.
"Die Datendienste sind einfach zu teuer"
Die Kunden fühlten sich von den Angeboten selten angesprochen, aber häufig über den Tisch gezogen, urteilen Experten. "Die Datendienste sind einfach zu teuer", resümiert Jan Obrman vom Technikdienstleister U-Turn. Bis zu 40 Prozent des Endverkaufspreises kassierten die Netzbetreiber von den Inhalteanbietern. Die Branche hätte weniger gierig sein müssen, sagte Obrman. Der japanische Mobilfunker NTT Docomo sei ein gutes Beispiel, dass sich mit deutlich niedrigeren Tarifen die Nachfrage ankurbeln lasse.
In diese Kerbe schlägt auch der Handyhersteller Nokia, dem UMTS zu langsam wächst: "Die Netzbetreiber haben mit hohen Mauern umgebene Gärten gebaut, aus denen die Kunden nicht herauskommen - und leider auch zu hohe Preise gefordert", sagte der zuständige Nokia-Manager Robin Lindahl. Die Nokia-Mannschaft steht unter Druck: Konzernchef Jorma Olilla hat erst zu Wochenbeginn das ambitionierte Ziel definiert, bis Jahresende 40 Millionen UMTS-Handys zu verkaufen.
Datenturbo HSDPA soll ersehnten Schub bringen
Den ersehnten Schub soll nun der Datenturbo HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) bringen. Dieser ist eine Zusatztechnik für UMTS und verspricht zunächst eine Datenübertragung von knapp zwei Megabit je Sekunde (MBit/s) - ein mit Festnetz-DSL-Leitungen vergleichbares Tempo. Auf der Branchenmesse 3GSM waren in der vergangenen Woche bereits die zweite und dritte Ausbaustufe mit 3,6 und 7,2 MBit/s als Testaufbau zu sehen.
Damit sollen endlich die lang versprochenen Anwendungen in guter Qualität und hohem Tempo möglich werden, etwa Video on Demand, Handy-TV oder die Übertragung komplexer Anwendungen in Firmennetzen. T-Mobile wird zur IT-Messe Cebit im März erstmals HSDPA-Verbindungen anbieten, Vodafone baut sein Netz zeitgleich aus. "Damit wird auch UMTS zur Erfolgsgeschichte - genauso wie die ebenfalls sehr verhalten gestarteten Kurznachrichten" sagt Nokia-Manager Lindahl.
Euphorisch prognostizierte deshalb am Mittwoch der Bitkom, einer der Lobbyverbände der Branche, bis zu neun Millionen Nutzer bis Jahresende. Das wäre ein Plus von 290 Prozent gegenüber 2005. Der Verband verweist dabei auf die hohe Nutzung in Japan. In der Branche herrscht ob so viel Optimismus allerdings betretenes Schweigen.
Neue Kanäle
Interesse Neben den Netzbetreibern setzen auch Unternehmen aus der Medienindustrie auf den neuen Mobilfunkstandard UMTS.
Hoffnung Angesichts sinkender CD-Verkäufe hofft die Musikindustrie, Handys zu einem wichtigen Absatzkanal machen zu können.