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Merken   Drucken   26.04.2005, 20:58 Schriftgröße: AAA

Inder wollen in Deutschland programmieren  

Der größte indische IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) wird ab 2005 auch in Deutschland Software entwickeln. In diesem Jahr sollen mit Düsseldorf, Stuttgart und Walldorf mindestens drei neue Standorte eröffnet werden. von Nina Luttmer, Frankfurt
Natarajan Chandrasekaran   Natarajan Chandrasekaran
Das sagte der für Europa zuständige Vizepräsident Natarajan Chandrasekaran der FTD. Zwei Standorte sollen Vertriebsbüros werden, an einem werde TCS auch Programmierer beschäftigen. Bislang betreibt der über 40.000 Mitarbeiter große Konzern ausschließlich Verkaufsbüros an fünf Standorten in Deutschland.
TCS ist einer der 20 größten IT-Dienstleister weltweit und will bis zum Jahr 2010 zu den Top zehn gehören. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen vor allem mit der Entwicklung von Software einen Umsatz von über 2 Mrd. $ und damit 36,6 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Der europäische Markt trug etwa 25 Prozent zum Umsatz bei. Zum Vergleich: Der deutsche Marktführer T-Systems kommt auf einen Jahresumsatz von rund 10 Mrd. Euro.
Die Eröffnung der neuen Standorte ist wichtiger Teil der Unternehmensstrategie zur Erschließung des europäischen Marktes. "Ein Erfolg in Deutschland ist entscheidend für unser europäisches Auftreten", sagte Chandrasekaran. In Europa will TCS bis Ende des Jahres 300 bis 400 neue Mitarbeiter einstellen, mehr als doppelt so viele wie 2004. Das Entwicklungszentrum in Budapest soll "so schnell wie möglich" von 300 Mitarbeitern auf 1000 aufgestockt werden.
Kundennähe ist Vorteil
Obwohl Programmierer in Indien billiger arbeiten als in Osteuropa, hat sich in der Praxis die Aufgabenteilung als die beste Variante erwiesen: Ein kleiner Teil der Experten arbeitet "nearshore" in Kundennähe, der Großteil "offshore" in Indien. "In Deutschland besteht großer Bedarf an Deutsch sprechendem Personal, wir werden auf lokale Ressourcen zurückgreifen", sagte Chandrasekaran.
"Wir schauen uns aber auch andere mögliche Standorte für solche Nearshore-Zentren an, zum Beispiel in Rumänien, Polen und Russland", sagte Chandrasekaran. Auch in westeuropäischen Hochlohnländern wie den Beneluxstaaten und Deutschland wolle TCS weitere Zentren mit Verkaufs- und Entwicklungspersonal öffnen.
Um die Tür zum deutschen Markt aufzustoßen, plant TCS auch die Übernahme von deutschen Konkurrenten. "Wir warten auf die richtige Gelegenheit, sind aber derzeit mit keinem Unternehmen im Gespräch", sagte Chandrasekaran. TCS wird demnach bei der fälligen Neuordnung von Siemens Business Services (SBS), der IT-Sparte des Siemens-Konzerns, wohl keine Rolle spielen. "Ein Zukauf wäre für uns perfekt, wenn er eine Lücke füllt", sagte Chandrasekaran. "Die personellen Ressourcen haben wir. Was wir brauchen, sind vor allem ein Kundenstamm und lokale Wirtschaftskenntnisse."
Börsengang im Blick
Im vergangenen Quartal hat TCS 53 neue Kunden angeworben, etwa 15 davon in Europa. "Darunter waren auch deutsche, skandinavische und Unternehmen aus den Beneluxstaaten, einige davon mit großem Namen", sagte Chandrasekaran. Ein Börsengang in Europa oder Nordamerika ist im Gespräch; die Pläne sind aber noch nicht ausgereift. TCS ist seit Juli vorigen Jahres in Indien notiert.
Chandrasekaran zeigte sich zuversichtlich, dass die deutschen Unternehmen ihre Zurückhaltung gegenüber ausländischen IT-Dienstleistern ablegen werden. "Die Deutschen haben angefangen, sich uns gegenüber zu öffnen", sagte er. "Jedes Land hat seine eigenen Herausforderungen. Deutschland ist da nicht unbedingt schwieriger als andere Länder."
  • Aus der FTD vom 27.04.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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