Den gesunkenen Absatz im Europa-Geschäft führte Intel auch auf eine geringere Nachfrage nach Computerprodukten während der Fußball-WM zurück. Von der Einführung neuer Computerprozessoren verspricht sich das Unternehmen im zweiten Halbjahr dagegen wieder Rückenwind. Intel-Aktien reagierten auf die Zahlen am Donnerstag im frühen Handel in New York mit Kursverlusten von gut fünf Prozent und kosteten 17,55 $.
Für das Vierteljahr wies Intel am Mittwoch nach US-Börsenschluss einen Reingewinn von 885 Mio. $ aus. Vor Jahresfrist hatte das Unternehmen noch 2,04 Mrd. $ verdient. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um 13 Prozent auf 8 Mrd. $. Die Intel-Aktie reagierte nachbörslich mit Verlusten.
Analysten äußerten sich enttäuscht über die Ergebnisse. "Die Umsatzzahlen bereiten sicherlich Sorgen", sagte Eric Ross von ThinkEquity Partners. "Es gibt einen Preiskampf zwischen AMD und Intel, der wahrscheinlich auf Kosten von Intel gehen wird." Cody Acree von Stifel Nicolaus rechnet damit, dass die Margen des Branchenführers bis in das vierte Quartal hinein unter Druck bleiben werden. Weniger Absatz durch Fußball-WM Neben einer allgemein schwächeren Nachfrage machte das Unternehmen auch die Fußball-WM in Deutschland für einen geringeren Absatz von Computern und somit auch Intel-Produkten in Europa verantwortlich. "Die Kunden haben mehr in Fernseher und Tickets investiert als in Computer", sagte ein Sprecher von Intel Deutschland. Weltweit steige die Nachfrage nach Prozessoren für mobile Geräte weiter. Für das laufende dritte Quartal rechnet Intel mit Einnahmen zwischen 8,3 Mrd. $ und 8,9 Mrd. $. Branchenexperten haben im Durchschnitt 9,03 Mrd. $ erwartet. Intel erwartet im zweiten Halbjahr einen Aufwind durch die Ende Juli beginnende flächendeckende Einführung seiner neuen Dualkernprozessoren im PC- und Notebookbereich. Die Lager der Händler seien inzwischen abverkauft, die Abnehmer warteten auf die neuen Rechenkerne unter dem Namen "Core 2 Duo". "Wir glauben, durch die neue Technologie im zweiten Halbjahr Marktanteile zu gewinnen", sagte der Intel-Sprecher. "Im Blick nach vorne sehen wir uns besser als in den letzten 15 Jahren." Die Chips würden auch immer kleiner. Die Mehrheit der Chips werde inzwischen mit einer 65-Nanometer-Struktur versehen. Ende 2007 würden wahrscheinlich bereits die ersten 45-Nanometer-Prozessoren produziert. Intel, dessen Prozessoren etwa 90 Prozent aller Personal-Computer (PC) weltweit steuern, hatte zuletzt Marktanteile an seinen heimischen Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD) verloren. Dabei konnte AMD von der Entwicklung stromsparender und leistungsfähigerer Prozessoren profitieren. Darauf reagierte Intel unter anderem mit Preissenkungen. Wegen des Verlusts an Marktanteilen büßte Intel auch an der Börse ein Drittel seines Wertes ein. Aber auch an AMD ging der Konkurrenzkampf nicht spurlos vorbei. Das Unternehmen hatte in diesem Monat gewarnt, dass seine Umsätze im zweiten Quartal neun Prozent hinter dem Vorquartal sowie hinter der eigenen Prognose von gleich bleibenden oder etwas geringeren Umsätzen zurückbleibe. AMD wollte seine Quartalszahlen am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss vorlegen. PC-Auslieferungen legen deutlich zu Preissenkungen haben die weltweiten PC-Auslieferungen im zweiten Quartal um elf Prozent steigen lassen. Das teilten die Marktforscher von Gartner am Donnerstag in Stamford mit. Die rivalisierenden Prozessoren-Hersteller Intel und AMD hätten ihre Preise gesenkt, wodurch auch PC günstiger wurden. Weltweit führend blieb Dell mit einem Marktanteil von 17,7 (Vorjahr: 17,6) Prozent. Hewlett-Packard war weiterhin der schärfste Dell-Konkurrent und steigerte seinen Marktanteil im zweiten Quartal auf 14,8 (14,4) Prozent. Die chinesische Lenovo, die im vergangenen Jahr die PC-Sparte von IBM gekauft hatte, lag auf Rang drei mit einem Marktanteil von 7,3 (7,1) Prozent. Danach folgten Acer, die ihren Marktanteil von 4,3 auf 5,2 Prozent verbesserten, und Toshiba, deren Anteil von 3,0 auf 3,5 Prozent zulegte. Diese fünf führenden Branchenunternehmen dominierten fast 50 Prozent des weltweiten PC-Marktes. "Weltweit haben große Anbieter erneut Marktanteile zu Lasten kleinerer Anbieter gewonnen", sagte Gartner-Experte Charles Smulders. "Die Preissenkungen im Quartal haben den großen Computeranbietern zweifellos geholfen, da diese in der Lage waren, den Preisdruck auf kleinere Wettbewerber zu erhöhen." Zur TecDax-KurslisteZum Dow JonesZum NASDAQ Comp.Zum FTD-BörsentickerZum Börsen-Glossar