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  Intelligente Stadt FTD-Serie: Lebensqualität für Millionen

Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.

Merken   Drucken   26.06.2009, 17:35 Schriftgröße: AAA

Intelligente Städte: Die ganze Stadt in der Hand

Wer sich heute in modernen Ballungszentren zurechtfinden will, braucht nur noch ein Smartphone: Es übernimmt die Navigation, hilft beim Einkaufen und dient gleichzeitig als Bahnticket. von Thomas Soltau
Wenn Fotograf Veljko Tatalovic in Europa unterwegs ist, dann nicht ohne sein iPhone. Für ihn ist es eine Art moderner Glaskugel. Schaut er hinein, erfährt der Fotograf allerhand Nützliches und weiß, was zu tun ist. "Als ich mit dem Auto neulich in München war und das Benzin ausging, musste ich nur auf das Display meines Handys schauen - und schon wusste ich, wo die nächste Tankstelle liegt", erzählt der 29-Jährige. Mit mobilen Diensten und GPS-Ortung lassen sich heute auch Restaurants, Supermärkte und Geschäfte in der Nähe schnell ausfindig machen.
Mittlerweile haben sich Smartphones zu Alleskönnern entwickelt, obwohl deren Start vor zehn Jahren äußerst holprig verlief. Damals wurden die ersten Internet-Handys vorgestellt, die mithilfe des Wireless Application Protocol (WAP) mobile Internetseiten darstellen konnten. Die neue Technik wurde allerdings schnell verspottet, weil die Produktion der Geräte ins Stocken geriet. Zyniker übersetzten WAP damals gerne mit "Where are the phones?" - Wo sind die Handys? Mittlerweile aber sind die Smartphones in der Bevölkerung angekommen.
Stadtrundgang per Handy
"Es braucht seine Zeit, bis sich eine Innovation durchsetzt", sagt Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut. Er beschäftigt sich mit Trends unserer Gegenwart und der Frage, welche Rückschlüsse diese auf künftige Gesellschaften zulassen. "Lebensgewohnheiten ändern sich nicht schlagartig, das geschieht in Intervallen. Das iPhone läutet gewissermaßen eine technische Demokratisierung ein, weil es Technologie vereinfacht. Es ist simpel zu bedienen hebt durch die Applikationen unsere Lebensqualität."
Beispiele für die Anwendung mobiler Dienste in der Stadt finden sich reihenweise, zum Beispiel in Berlin. Die mobile Community Qiro bietet Software an, die das Smartphone zum Touristenführer macht. Ist das notwendige Programm installiert, zeigt das Gerät während der Tour den aktuellen Aufenthaltsort auf einer Karte an und informiert über nahe gelegene Sehenswürdigkeiten. Für jeden dieser Punkte nennt es eine lokale Festnetznummer, über die die Hörbeiträge abrufbar sind.
Wissen, wo das Essen schmeckt
Zusätzlich lassen sich mit Qiro Kinos, Veranstaltungen, Restaurants und Geldautomaten in der Nähe suchen. Dank der Verbindung zum Bewertungsportal Qype lässt sich auch schnell herausfinden, ob sich der Asiate um die Ecke lohnt. Die Stadt Duisburg wiederum informiert Besucher über Veranstaltungen, sagt das Wetter voraus und zeigt an, wo man parken kann und wo der Verkehr sich gerade staut. Nutzer müssen sich dafür nur auf der speziell für PDAs und Smartphones formatierten Seite anmelden.
Das Portal Device-Trends hat ermittelt, dass das iPhone der Hauptverursacher des mobilen Datenverkehrs ist. Mit fast 25 Prozent liegt es an der Spitze aller mobilen Endgeräte. Es folgen zwei Nokia-Modelle mit jeweils fünf Prozent Anteil. Florian Koch, Bitkom-Experte für Digitale Medien und elektronische Dienste, sieht das iPhone ebenfalls als Katalysator für künftige Entwicklungen.
"Schon jetzt gibt es einige Tausend unterschiedliche Applikationen für das iPhone, aber auch für Googles Android. Der individuelle Nutzwert spielt dabei zunehmend eine zentrale Rolle. Das Telefon ist unser Werkzeug, die Fähigkeiten bestimmen wir, indem wir sie nach dem Baukastenprinzip hinzufügen."
Orientierung in der Großstadt, GPS-basierte Angebote, sogenannte Local Based Services, werden mit neuen Generationen von Geräten zunehmen. "Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Straße, und Ihnen werden die Angebote sämtlicher Geschäfte angezeigt. Gefällt Ihnen etwas, gehen Sie in den Shop und zahlen mit Ihrem Handy bargeldlos", sagt Koch.

Teil 2: Virtuelle Mitfahrzentrale

  • FTD.de, 26.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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