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  Intelligente Stadt FTD-Serie: Lebensqualität für Millionen

Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.

Merken   Drucken   23.06.2009, 11:00 Schriftgröße: AAA

Intelligente Städte: Klimaneutrale Stadt

In der Wüste von Abu Dhabi entsteht die Retortenstadt Masdar-City. Voller Erfindungen, die Energie sparen und die Umwelt weder mit Abfall noch mit Treibhausgas belasten, könnte sie für viele Großstädte ein Vorbild sein. von Jan Oliver Löfken
Umringt von Baukränen erhebt sich ein mehrstöckiger Betonklotz aus der staubigen, öden Fläche. Dort, in der Wüste von Abu Dhabi, entsteht das Masdar Institute of Technology, in das schon im September die ersten Wissenschaftler einziehen sollen. Sie sind die Pioniere von Masdar-City, einer Retortenstadt, die die Umwelt weder mit Treibhausgasen noch Abfällen belasten soll.
Insgesamt 50.000 Menschen werden ab 2016 nach den Plänen des Emirats auf dem gut sechs Quadratkilometer großen Areal leben und ihren Energiebedarf ausschließlich aus regenerativen Quellen decken. "Das wird die Stadt der Zukunft", sagt Khaled Awad, Baudirektor von Masdar-City.
Erst vor gut einem Jahr verkündete das Emirat den ehrgeizigen Plan, eine konsequent klimaneutrale Stadt aus dem Boden zu stampfen. Wie eine Oase könnte Masdar-City inmitten des reichen Ölstaates liegen. Der hat mit seinen fünf Millionen Einwohnern den weltweit größten Ressourcenverbrauch pro Kopf.
Geschätzte Baukosten für das Projekt: 22 Mrd. Dollar. Auf die Versprechen folgten rasch Taten. Das gesamte Gelände ist für den Bau der Stadt planiert und vorbereitet. Entworfen hat sie der britische Architekt Sir Norman Foster, ein 10-Megawatt-Solarkraftwerk liefert bereits Strom für die laufenden Bauarbeiten.
Neue Konzepte
Masdar-City ist der radikale Gegenentwurf zu der nur 30 Autominuten entfernten Hauptstadt Abu Dhabi. Der Strombedarf soll im Vergleich auf ein Fünftel gesenkt und zu etwa 80 Prozent mit Solarenergie gedeckt werden. Der anfallende Müll wird sortiert oder kompostiert, Abwässer werden gereinigt oder für die Treibstoffgewinnung genutzt.
Gebäude und Fußwege sollen auf Betonstelzen sieben Meter über dem Boden stehen. Das erlaubt eine kühlende Luftzirkulation und gibt auf der unteren Ebene genug Raum für ein Verkehrsnetz ausschließlich für Elektroautos. Neue Konzepte für Verkehrswesen, Gebäude und Infrastruktur sind nötig, um den Energieverbrauch massiv drücken zu können.
Der Stadtverkehr
Verbrennungsmotoren werden komplett aus dem Stadtverkehr verbannt. Eine Bahnlinie wird Masdar-City mit der Hauptstadt Abu Dhabi und dem Flughafen verbinden. Den Personenverkehr im Stadtgebiet übernehmen auf der unteren Verkehrsebene Elektrofahrzeuge, sogenannte Pods mit vier bis sechs Sitzplätzen - entwickelt von der niederländischen Firma 2getthere.
Kurze Strecken zwischen Büro, Cafés und Wohnhäusern auf der höher gelegenen Stadtebene können die Bewohner zu Fuß zurücklegen, mit zweirädrigen, motorisierten Segways oder Fahrrädern.
Platz für die Pods wäre bei der vorgesehenen engen Bebauung sowieso nicht. Die Gassen von Masdar-City sind auf eine Breite von nur sieben bis zwölf Metern ausgelegt. Damit greifen die Stadtplaner auf die traditionelle Bauweise arabischer Siedlungen und Märkte zurück.
Wegen der geringen Abstände können die Gebäude einander Schatten spenden und so den Strombedarf für Klimaanlagen senken. Zugleich reicht die Gassenbreite aus, um genug Tageslicht in Büros und Wohnungen fallen zu lassen. Gegen die Hitze wollen die Planer die Häuser in eine 30 Zentimeter dicke Isolationsschicht und reflektierende Kupferfolien hüllen.

Teil 2: Das Abwassersystem

  • FTD.de, 23.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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