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  Intelligente Stadt FTD-Serie: Lebensqualität für Millionen

Im Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Dies stellt die Metropolen der Erde vor große Aufgaben: Sie müssen Energieversorgung, Verkehr, Sicherheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln für zig Millionen Einwohner sicherstellen. Lesen Sie, wie Politiker, Wissenschaftler und IT-Unternehmen sich darauf vorbereiten - und welche Lösungen es schon gibt.

Merken   Drucken   18.06.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Intelligente Städte: Verbrecherjagd per Computer

Polizisten in Großstädten rund um die Welt nutzen spezielle Software, um zu sehen, wo Verbrechen sich häufen. Auch bei der Ermittlung Verdächtiger helfen diese Programme. Datenschützer sehen dies kritisch, weil auch Unschuldige unter Verdacht geraten können. von Lars Reppesgaard
Gelbe und blaue Wolken wabern auf dem Computerbildschirm der Amsterdamer Polizei. Sie erinnern an die Animationen, mit denen Wetterexperten im Fernsehen ein Regengebiet vorhersagen. Tatsächlich aber ist hier zu sehen, wo und wann Menschen auf den Straßen Amsterdams ausgeraubt wurden und wo möglicherweise die nächsten Raubzüge stattfinden. Datadetective heißt die Software, die die Falldaten der Amsterdamer Polizei zusammenträgt, zueinander in Beziehung setzt und grafisch aufbereitet.
Seit 2005 nutzen Polizisten in den Regionen Amsterdam-Amstelland sowie Mittel- und West-Brabant die Datamining-Software. Deren Hersteller ist das Amsterdamer Unternehmen Sentinent Information Systems. Anhand der Daten, die das System liefert, versucht die Polizei im Voraus zu erkennen, an welchen Punkten der Stadt Straßenräuber am häufigsten zuschlagen, und plant entsprechend den Einsatz ihrer Kräfte.
Statistik hilft bei Budget-Verhandlungen
Die Datenbanken, in denen die Software nach Mustern für ihre Vorhersagen sucht, erhalten allen erdenklichen Informationen: Polizeiberichte, Prozessunterlagen, Wetterdaten, soziodemografische Informationen wie die Bevölkerungsdichte eines Stadtteils und die persönlichen Angaben von Opfern und Verdächtigen - all das geht in die statistischen Berechnungen ein.
Auch Daten aus den Einwanderungsbehörden oder Hinweise auf ungewöhnliche Finanztransaktionen werden verarbeitet. Die Analysen lassen sich in Satellitenbilder importieren, die der Geobilderdienst Mapinfo anbietet oder in die Weltansichtssoftware Google Earth.
Die Beamten versuchen aber nicht nur, auf diese Weise Verbrechenszentren auszumachen. Die Software verfasst auch wöchentliche Berichte und bereitet statistische Entwicklungen grafisch auf, etwa die Zahl der Notrufmeldungen. Das hilft der Polizei bei Budget-Verhandlungen. Nicht zuletzt erstellt sie bei Verbrechen eine Liste von Verdächtigen.
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Die Beamten tippen Alter, Geschlecht, Tatort und Zeit des Verbrechens, Tatwaffen oder besondere Merkmale wie Goldzähne ins System ein und erhalten eine Liste mit Profilen möglicher Tatbeteiligter. "Wir können nach 300 unterschiedlichen Kriterien suchen", erklärt Ankie van der Zanden, die bei der Amsterdamer Polizei für das Data-Mining verantwortlich ist.
Biometrische Gesichtserkennung
Die Technologie, auf die die Polizei in den Niederlanden setzt, wird von Ermittlungsbehörden rund um die Welt genutzt. Firmen wie SAS oder das von IBM aufgekaufte Unternehmen Cognos haben beim Aufbau ihrer Business-Intelligence-Software (BI) Verfahren entwickelt, mit denen man riesige Datenbestände auf bestimmte Muster durchleuchten und künftige Entwicklungen vorhersagen kann.
Häufig wird diese Software von Warenhausketten eingesetzt. Sie wollen herausfinden, welche Modefarben bei den Kunden gerade gefragt sind oder warum bestimmte Produkte sich nicht mehr verkaufen. "Verbrechen zu bekämpfen ist aus technischer Sicht keine andere Aufgabe als die, Kunden glücklich zu machen", sagt Rob Ashe, der ehemalige Chef von Cognos, der heute bei IBM für die Sparte Business Intelligence verantwortlich ist.
In Chicago hilft die BI- und Dataminig-Software bereits, die ganze Stadt im Blick zu behalten. Bei der "Operation Virtual Shield" wurden Tausende Videokameras installiert, die Straßen und öffentliche Plätze überwachen. Seit 2007 werden diese Aufnahmen automatisiert nach sicherheitsrelevanten Objekten und Vorgängen durchforstet. Dazu kann das System Kfz-Kennzeichen identifizieren und um biometrische Gesichtserkennungstechnik erweitert werden.

Teil 2: Unschuldige im Speicher

  • FTD.de, 18.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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