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Merken   Drucken   03.09.2008, 21:27 Schriftgröße: AAA

Internetsicherheit: Nigeria-Connection für Fortgeschrittene  

Irgendwie hat sich die Mail doch ins Postfach gemogelt, vorbei am Spamfilter. Aber sie sei auch gar kein Spam, behauptet ihr Verfasser. Sondern das genaue Gegenteil. von Claus Hecking
Die "Notification from HSBC Bank London" warnt eindringlich vor Internet-Trickbetrügern aus Nigeria - und verspricht allen Opfern der "Nigeria-Connection" eine Rückzahlung ihres verlorenen Gelds. "Wir haben den Auftrag der Vereinten Nationen, die Überweisung an Sie zu tätigen", heißt es im steifsten Behördenenglisch. Der Empfänger müsse nur Name, Adresse und einige persönliche Daten zurückschicken. Zur Sicherheit: "Damit wir nicht die falsche Person auszahlen."
Doch der Absender ist gar nicht die Londoner Großbank. "Hier sind wieder die üblichen Gauner am Werk: Wer antwortet, wird um irgendeine Vorauszahlung gebeten - und das Geld ist weg", sagt Heiko Rittelmeier, Spamexperte des Portals Computerbetrug.de. "Aber Charme hat diese neue Masche schon: Die Nigeria-Connection warnt vor der Nigeria-Connection."
Das Prinzip ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Mal will angeblich ein krebskranker Ex-Diktator sein Vermögen außer Landes schaffen, mal geht es um die Millionen eines im Sterben liegenden US-Soldaten im Irak - mit herzzerreißenden E-Mails locken die Betrüger ihre Opfer an. Das Versprechen: Wer beim Geldtransfer hilft, wird großzügig entschädigt. Antwortet ein Ahnungsloser, folgt bald die nächste Mail mit der Aufforderung, eine Gebühr zu zahlen - etwa für Anwaltskosten oder Bestechungsgelder.
Auch nach 15 Jahren Internet zieht die Masche offensichtlich. Noch 2007 überwies ein Australier 1,28 Mio. Euro an Cyberverbrecher. Der Bürgermeister der Stadt Ennigerloh im Münsterland musste 2001 gehen, nachdem er 145.000 Euro aus der Gemeindekasse versenkt hatte. Experten schätzen den Schaden auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Meist kommen die Täter aus Nigeria; Tausende leben hier vom "Internet-Scam". 2005 komponierte der Sänger Osuofia für sie sogar eine Hymne: "I Go Chop Your Dollar" wurde zum landesweiten Hit.
Rittelmeier fürchtet, dass die Scammer auch mit dem neuen Trick Erfolg haben: "Es gibt viele Menschen, die ihr gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen. Das ist wie an der Börse, wo Leute bei fallenden Kursen ihre Aktien noch mal nachkaufen." Spambetrug amortisiert sich schnell. Für einen niedrigen dreistelligen Dollar-Betrag können die Scammer Millionen Mails verschicken; da reicht schon ein "Kunde".
Selbst wenn niemand Geld überweist, bleibt den Betrügern noch eine zweite Einnahmequelle: die Daten derjenigen, die auf ihr erstes Schreiben geantwortet haben. Dafür zahlen andere Scammer ein Vielfaches des üblichen Preises einer E-Mail-Adresse. Denn wer einmal reinfällt, lässt sich vielleicht ein zweites Mal foppen. "Wir raten Ihnen, die Kommunikation mit den Nigerianern einzustellen und mit uns zu kooperieren", heißt es in der falschen HSBC-Mail, "zum sofortigen Transfer des Geldes auf Ihr Konto."
  • Aus der FTD vom 04.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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