Die Milliardenabschreibung auf die Softwarefirma Autonomy entwickelt sich zu einer Schlammschlacht. Die neue HP-Führung um Meg Whitman schiebt die Schuld auf ihren Vorgänger und den damaligen Autonomy-Chef Mike Lynch.
Der noch vom damaligen deutschen Konzernchef Léo Apotheker eingefädelte Zukauf entpuppte sich für Hewlett-Packard als Milliardengrab. Wegen erst kürzlich entdeckter "ernsthafter Unregelmäßigkeiten" und "massiver Ungenauigkeiten" in der Bilanzierung des Softwareunternehmens Autonomy schrieb der US-Computerkonzern 8,8 Mrd. Dollar ab.
Das HP -Management kündigte am Dienstag zugleich an, gegen die frühere Unternehmensspitze von Autonomy Schadenersatzforderungen zu prüfen. Man sei offenbar bewusst hinters Licht geführt worden. HP hatte Autonomy 2011 für 10,3 Mrd. Dollar übernommen.
"Die Mehrheit des Topmanagements war hier und hat dem Kauf seinerzeit zugestimmt", gab Whitman, die damals im Verwaltungsrat saß, zu - verantwortlich seien aber Apotheker und sein Strategiechef Shane Robison. Sie warf dem damaligen Wirtschaftsprüfer Deloitte Versagen vor. Dieser nahm dazu keine Stellung. Whitman sagte, HP habe die Prüfer von PwC beauftragt, die alten Bilanzen zu untersuchen.
Der frühere Autonomy-Chef Lynch wies die Vorwürfe zurück. HP versuche lediglich, von den schwachen Quartalszahlen abzulenken, "den schlechtesten in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte". Gleichzeitig beschuldigte er den US-Konzern des Missmanagements an seiner damaligen Firma, durch deren Verkauf er 800 Mio. Dollar eingenommen hatte. "Die Zahlen sind komplett verrückt", sagte Lynch der Financial Times. Die Entwicklung müsste ziemlich daneben gelaufen sein, um eine Abschreibung von 8,8 Mrd. Dollar zu rechtfertigen.
"Die Vorwürfe der Fälschungen sind komplett falsch", sagte Lynch weiter. "Alles was wir machten, gaben wir korrekt den Prüfern weiter und wurde von diesen korrekt vermerkt." An der Buchprüfung durch HP seien Hunderte Personen beteiligt gewesen. Dann hätte HP das Unternehmen ein Jahr lang geführt. "Man muss ziemlich inkompetent sein, um so etwas ein Jahr lang nicht zu bemerken."
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Auch George O'Connor, Analyst beim britischen Broker Panmure Gordon, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Fehler "ziemlich spät" entdeckt worden seien. Es scheine so, als habe man eine Möglichkeit gesucht, den Deal abzuschreiben.
HP teilte dagegen mit, bei der Buchprüfung durch Deloitte und KPMG keine Warnzeichen bemerkt zu haben. "Keiner von ihnen sah, was wir nun sehen, nachdem wir in die richtige Richtung gestoßen wurden", sagte Whitman. Die Unstimmigkeiten seien erst aufgefallen, nachdem Lynch zur Jahresmitte den Konzern verlassen habe. Ein Manager der britischen Softwaretochter habe einen Hinweis gegeben. Daraufhin seien die US-Börsenaufsicht SEC und die britische Ermittlungsbehörde SFO eingeschaltet worden.
Man gehe davon aus, dass Autonomy-Führungskräfte bewusst die Bilanzen geschönt und künstlich aufgebläht hätten, um den Preis in die Höhe zu treiben. Whitman erwartet, dass der Rechtsstreit sich noch lange hinziehen werde. "Ich warte einen mehrjährigen Prozess durch die Gerichtssäle in beiden Ländern", sagte sie. Gleichzeitig will der Konzern aber an seiner Tochter festhalten: "Wir stehen zu 100 Prozent zu Autonomy", sagte Whitman am Dienstag.