Der Härtetest für die Server des HSV beginnt nicht mit dem ersten Spieltag am Wochenende - sondern am 4. September. Dann beginnt der Vorverkauf für das Spiel gegen den FC Bayern München. 2000 Tickets gehen dafür in der Spitze pro Stunde raus, die Server laufen unter Volllast, eine Zerreißprobe für die IT-Systeme. Wenn in dieser Phase das Rechenzentrum in die Knie geht, meutern Tausende Fans.
Obwohl der HSV mit 180 Festangestellten eigentlich nicht mehr als ein mittelständisches Unternehmen ist, vertraut der Klub in IT-Dingen lieber Spezialisten: Seit gut zwei Jahren betreibt der Hamburger Dienstleister Info AG die Server des Vereins. "Wahrscheinlich steht ein Fußballverein noch mehr unter Druck, weil die Beobachtung viel größer ist", erklärt Marketingvorstand Joachim Hilke.
Eine späte Einsicht. Denn so professionell die Bundesligavereine Spielerwerbung oder Marketing betreiben, so sehr hinken sie beim Thema IT hinterher. Erst 2004 stellte der HSV den ersten IT-Manager ein - mehr als einen Dateiserver und einen Mailserver gab es bis dahin nicht. Erst zur WM 2006 wurde das Stadion am Volkspark mit modernen Netzwerken, Telefonanlagen und Serverräumen ausgestattet. Eine echte IT-Strategie ist in den letzten zwei bis drei Jahren entstanden. Damit steht der HSV nicht allein da: Der spanische Vorzeigeverein Real Madrid hat das berühmte Bernabéu-Stadion gerade mithilfe des US-Ausrüsters Cisco vernetzt. Vorher waren die Fans komplett offline. Der deutsche Meister, Borussia Dortmund, hat in der Sommerpause große Stadionteile umgebaut und unter anderem die Internetleitungen im Pressebereich modernisiert.
Die Anforderungen an die Klubs steigen stetig. Professionelle Internetauftritte und Angebote in sozialen Netzwerken werden von den Fans inzwischen genauso vorausgesetzt wie Onlineshops und -Ticketsysteme. Wie viel Geld die Fußballvereine für die Infrastruktur in die Hand nehmen, hängt von ihrer jeweiligen Größe und finanziellen Ausstattung ab, so die Erfahrung von Carlo Dannies, IT-Manager des HSV. Hat ein Klub kein eigenes Stadion kann das auch mal eine Einmannveranstaltung sein, sagt Dannies. Beim Hamburger Verein sind es inzwischen 2,5 Stellen. Komplizierte Aufgaben, wie das Hosting und der zuverlässige Betrieb der Server, werden ausgelagert. Borussia Dortmund hat eine eigene IT-Abteilung mit fünf Mitarbeitern, lässt aber seine Webseiten von einer Tochterfirma betreiben.
2010 beauftragte der HSV die Info AG als externen IT-Dienstleister, der unter anderem die Server betreibt, auf denen das elektronische Ticketsystem, aber auch Software für Merchandising und Mitgliederverwaltung laufen. Eine sechsstellige Summe lässt sich der HSV die Dienstleistung kosten. Gleichzeitig fließt im Rahmen eines Sponsoringvertrags eine nicht genannte Summe in die Gegenrichtung.
Nach besonderen technischen Raffinessen verlangt der HSV nicht: Die Server müssen ausfallsicher sein, die Leitungen zuverlässig. Schon mit einfachen Lösungen, lassen sich oft große Verbesserungen erzielen, sagt Info-AG-Chef Jürgen Hermann. "Wenn Sie sich die IT in den Firmen anschauen, dann sehen Sie teilweise eine Menge Modernisierungspotenzial." Bislang ist der Hamburger Bundesligist der Einzige auf der Kundenliste der Info AG. Hermann hofft, dass es nicht dabei bleibt. Der Mutterkonzern, Telekomanbieter QSC , beliefert den BVB und Bayer Leverkusen mit Telefonleitungen. Der HSV will die IT nicht mehr selbst in die Hand nehmen, sondern sich lieber aufs Kerngeschäft konzentrieren, sagt Marketingchef Hilke. "Wir wollen und müssen erfolgreich Fußball spielen."