Eine 50 Gigabyte Blu-Ray-DVD von Sony, präsentiert auf der der CeBIT 2005.
Japans mächtiges Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) schaltet sich in den Streit um die nächste DVD-Generation ein. Nach Informationen der FTD drängt das Meti den Vertreter der "High Definition DVD" (HD-DVD)
Toshiba sowie die Führer des Blu-Ray-Lagers
Sony und
Matsushita Electric Industrial , sich auf ein Format zu einigen. Die drei Firmen wollen die stockenden Verhandlungen nach Angaben aus Unternehmenskreisen daraufhin zur Chefsache erklären.
"Es ist richtig, dass wir die Parteien zu einer Einigung drängen", sagte ein Meti-Beamter der FTD. "Bisher haben wir nur zugeschaut, jetzt werden wir vielleicht mit diesem Problem direkt in Berührung kommen." Die Vorgabe der einflussreichen Wirtschaftsplaner an Japans Elektronikgiganten ist eindeutig: "Wir erwarten, dass der Streit um Standards beendet wird", sagte der Beamte.
Mit seinem Eingreifen will das Meti in letzter Minute einen drohenden teuren Krieg der Formate verhindern. Denn die im Februar begonnenen Verhandlungen der Rivalen stecken in einer Sackgasse. Erst am Montag bezeichnete Toshibas Chefunterhändler Yoshihide Fujii eine Einigung als "schwierig", weitere Gespräche als "Zeitverschwendung".
Lehren aus den 80ern
Das Ministerium zieht damit die Lehren aus der Einführung von Videorekordern in den 1980er Jahren. Sonys Betamax-Format unterlag damals VHS. Daher musste Japans stärkste Elektronikmarke hohe Investitionen in Entwicklung, Fabriken und Marketing abschreiben. Das tat schon damals weh. Heute könnte es noch schlimmer kommen, da Japans Firmen zurzeit jeden Yen zur Sanierung brauchen. Außerdem könnte der Kampf der Systeme den Umstieg der Kunden auf die neuen Geräte und DVDs und damit die erhofften Milliardengewinne für Elektronikhersteller sowie Film- und Videospielbranche verzögern.
Die Fronten sind allerdings verhärtet. Zwar ersetzen beide Seiten in der Produktion den bisher üblichen roten durch einen feineren blauen Laser. Dadurch lassen sich weit mehr Daten als bei heute möglichen 8,5 Gigabyte auf eine DVD brennen. Sony beharrt jedoch auf der Blu-Ray-Disk. Die benötigt zwar neue Produktionsanlagen, ist dafür aber ausbaufähiger. Ihre Speicherkapazität kann auf 200 Gigabyte erweitert werden. Toshiba klammert sich an die HD-DVD. Sie bietet derzeit nur 30 Gigabyte Daten Platz, lässt sich aber auf den herkömmlichen Produktionslinien und damit preiswerter als die Blu-Ray-Disk pressen.
Für Experten hängt eine Einigung vor allem von Toshibas Kompromissbereitschaft ab. "Wenn Toshiba nicht die Struktur der Blu-Ray-Disk übernimmt, werden die Verhandlungen scheitern", sagte Hideki Watanabe, Analyst der australischen Investmentbank Macquarie in Tokio. Denn Matsushita und Sony haben in Fabriken investiert und verkaufen bereits Blu-Ray-Rekorder in Japan und den USA. Zudem hat Sony seine neue Playstation 3 mit Blu-Ray-System präsentiert. Außerdem halten die Firmen ihr Produkt für überlegen.
Toshiba unter Druck
Toshiba hingegen steht unter Druck. Es wird seinen ersten Rekorder erst zum Jahresende verkaufen. Außerdem müsste die Traditionsfirma in dem drohenden Entwicklungswettrennen fast allein gegen die Weltelite der Elektronikhersteller bestehen. Sony hat sich diesmal von vornherein mit seinem heimischen Erzrivalen Matsushita, Südkoreas
Samsung , dem Computerverkäufer
Dell und anderen führenden Elektronikherstellern verbündet. Toshiba hat von den Hardwarefabrikanten nur
NEC und
Sanyo an seiner Seite, wird dafür aber von drei Hollywood-Studios und vielen Inhalteanbietern und DVD-Produzenten unterstützt. In seiner Not hofft Toshiba bisher, dass sich Hollywoods Produzenten auf seine Seite schlagen. Als Argumentationshilfe stellte die Firma vorige Woche einen HD-DVD-Prototypen mit 45 Gigabyte Speicherplatz vor.
Von Matsushita wird voraussichtlich sich Firmenchef Kunio Nakamura um gütliche Einigung bemühen. Bei Toshiba und Sony, deren Management im Juni wechselt, ist laut Medienberichten noch unklar, ob die amtierenden oder künftigen Präsidenten teilnehmen werden.