Im virtuellen Raum ist eine oligopolistische Konzentration unmöglich, weil die Anzahl der potenziellen Online-Kanäle unendlich ist - so lautete lange eine begeisterte Einschätzung des Phänomens Internet. Die Kosten, Inhalte ins Netz zu stellen, sind nahe null, und die Nutzer können sich ohne räumliche Einschränkungen interessante Informationen zusammensuchen. Solche Überlegungen trugen mit dazu bei, die "New Economy" zu einer neuen Form der Wirtschaft zu verklären, in der die alten Regeln nicht mehr gelten sollten.
Alles Mythos, sagt jetzt Jupiter Media Metrix. "In Wirklichkeit schreitet die Konsolidierung unter den Online-Medien rapide voran, vor allem wenn man Online-Zeiten der Nutzer berücksichtigt." Eine Studie des auf das Internet spezialisierten Wirtschaftsforschungsdienstes belegt, dass US-Nutzer im Schnitt die Hälfte der Zeit, die sie im Internet verbringen, auf den Websites von nur vier Unternehmen verharren. Vor zwei Jahren verteilte sich die Aufmerksamkeit noch auf elf Unternehmen. Das ist ein Rückgang von 64 Prozent.
Noch deutlicher wird die Konzentration, wenn man die Firmen betrachtet, die 60 Prozent aller Online-Minuten in den USA kontrollieren. 1999 waren das noch 110 Unternehmen, jetzt sind es dagegen nurmehr 14 - ein Rückgang von 87 Prozent. In derselben Zeitspanne hat sich die Zeit, die Amerikaner online verbringen, mehr als verdoppelt, auf 107 Milliarden Minuten im März 2001.
"Das Internet mag neuen Unternehmen eine Gelegenheit bieten, sich zu ernst zu nehmenden Medienkonzernen zu entwickeln, wie das etwa bei Yahoo war. Jetzt aber wird der größte Marktanteil von einer Handvoll Unternehmen besetzt, und diese Unternehmen lenken den ganzen Verkehr über ihr eigenes Netz von Websites", sagt Jupiter-Analyst Aram Sinnreich. "Während früher die größte Hürde vor einem Erfolg im Internet die Infrastruktur war, sind es jetzt Werbung und Marketing."
Allein ein Drittel der Online-Zeit in den USA wird demnach allein bei AOL Time Warner verbracht. Es folgen weit abgeschlagen Microsoft mit 7,5 Prozent und Yahoo mit 7,2 Prozent. An vierter Stelle stand zumindest im März noch die Musiktauschbörse Napster mit 3,6 Prozent. Unter den übrigen zehn Firmen, die zu den Großen des Web gehören, finden sich zum Beispiel der Internet Servic Provider Juno, das Auktionshaus Ebay, die Portale Excite und Lycos sowie die Walt Disney Internet Group.