Im Gegensatz zu anderen Webunternehmern verdient Jeremy Allaire Millionen. Nun wird der US-Amerikaner, der zumeist über den Wolken auf visionäre Ideen kommt, zum großen Gewinner der iPad-Revolution. von Andrea Rungg
Eigentlich müsste Jeremy Allaire dauernd in die Luft gehen. Über den Wolken, in der für ihn fast idyllischen Umgebung eines Flugzeugs, kann er ungestört nachdenken. Es poppt keine E-Mail auf, kein Handy bimmelt, und die Söhne springen auch nicht umher. Nur das gleichmäßige Geräusch der Triebwerke macht sich bemerkbar. Ansonsten stört nichts die Gedankenwelt des Jeremy Allaire. "Es ist der Zufluchtsort von all den Störfaktoren", sagte der 38-Jährige. Viele seiner bedeutsamen Ideen seien im Flugzeug entstanden.
Jeremy Allaire
Jeremy Allaire ist ein Internetfreak der ersten Stunde. Dass der Mann überhaupt ein Studium (Politik) abgeschlossen hat und nicht gleich ins Berufsleben gestartet ist, kann man angesichts seiner visionären Ideen kaum glauben. Die sind nämlich Millionen Dollar wert, und seine jüngste dürfte Apples iPad für Kunden noch attraktiver machen.
Anfang der 90er-Jahre prophezeite Allaire, dass Software für das noch junge Internet eine ganz gute Geldquelle sei. Er sollte recht behalten. Sein erstes Unternehmen verkaufte er für 360 Mio. $ an Macromedia, eine Softwarefirma, die später selbst von Adobe übernommen wurde. Nach der Jahrtausendwende schwirrt ihm eine neue Idee durch den Kopf. Videos und Bewegtbilder werden der nächste große Trend im Internet, glaubt er. 2004 gründet er die Online-Videoplattform Brightcove. Den Namen des Startups sucht seine Frau aus. Sie benennt die Firma nach dem Urlaubsort der Familie in der Bucht von Cape Cod.
Weltweit nutzen zahlreiche Medienunternehmen Brightcove und verbreiten über die Plattform ihre Videos, darunter die "New York Times" oder Warner Music. Und künftig könnte Brightcove noch mehr Kunden anlocken. Denn Brightcove stürmt aufs iPad. Als Steve Jobs im Januar das Tablet vorstellt, geht ein Raunen durchs Publikum. Denn Jobs verweigert sich konsequent Adobes Flash-Software, einem Programm über das Nutzer im Internet Videos anschauen können. Jobs erntet dafür immer wieder Kritik. Potenzielle Käufer sind abgeschreckt.
Und während die Kritiker noch über Jobs Sturheit jammern, schreitet Allaire zur Tat und besänftigt die Apple-Jünger. Das Unternehmen kündigte an, künftig eine andere Technik als Flash zu unterstützen. HTML5 heißt der neue Programmierstandard. Mit dieser Technik hat sich auch Jobs angefreundet, und so dürfte die gelegentliche Bildstörung bei Apple-Produkten bald enden.
Allaires Brightcove dürfte das einen nicht unerheblichen Schub geben. Sein Unternehmen schließe die Lücke zwischen den derzeit erhältlichen Abspielmöglichkeiten und dem, was die Kunden an technischen Details für Onlinevideos benötigen, sagt er.
Allaire sei eben eher Visionär, als dass er sich durch irgendetwas aufhalten lasse, beschreiben ihn Kenner. Allaire selbst sagt, dass er das kreative Denken bereits als Kind in einer Montessorischule gelernt habe.
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