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FTD-Serie: Kopf des Tages

Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Merken   Drucken   30.04.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Marion Schick - Der heimliche Star der Telekom

Anfang Mai wird die frühere Stuttgarter Kultusministerin Marion Schick neue Personalchefin der Telekom - und muss gleich zeigen, was sie kann: Sie erbt festgefahrene Tarifgespräche.
von Hamburg
Marion Schick   Marion Schick

Marion Schick ist in ihren neuen Jobs Zweifel und Aufruhr gewohnt: erste Präsidentin einer bayerischen Hochschule. Kultusministerin in Baden-Württemberg ohne einen Tag Erfahrung in der Politik. Und bald als CDU-Mitglied Personalchefin von 240.000 Mitarbeitern bei der Deutschen Telekom  - dem DAX-Konzern mit großer Staatsbeteiligung.

Doch was die 53-Jährige erwartet, wenn sie am 3. Mai offiziell die Verantwortung als Personalvorstand übernimmt, könnte den bisherigen Gegenwind übersteigen. Die Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi stecken in Tarifverhandlungen fest. Angebot und Forderung für rund 50.000 Mitarbeiter liegen weit auseinander. Die absehbare Schlichtung für die Deutschland-Gesellschaft wird bereits Schick leiten.

Wer die Managerin kennt, ahnt, dass sie die nicht gleich zu Amtsantritt das Verhältnis zu Verdi zerstören muss. Sie spricht bedacht und reagiert im Gespräch auf kritische Fragen ruhig und erklärt ihre Position. Das alles in leichter Klangfarbe der oberbayerischen Heimat Schrobenhausen. "Wir überreden uns nicht, wir überzeugen uns", sei ein Satz, der immer mal wieder falle, heißt es. Trotz der kurzen Zeit im Landeskabinett besitzt die Ex-Kultusministerin die soziale Geschmeidigkeit einer Profipolitikerin.

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Bislang hat sich die geschiedene Mutter einer 16-jährigen Tochter und eines 20-jährigen Sohnes aus den Tarifverhandlungen rausgehalten. Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger habe keine Luft gelassen, heißt es in informierten Kreisen. War sie Anfang des Jahres bei einigen Terminen an der Seite des scheidenden Personalmanagers dabei, ließ sie dies schnell bleiben. "Das war klug von ihr, denn nur neben Sattelberger zu stehen und zu lächeln hätte ihr geschadet", sagt ein Beobachter.

Mit Personalthemen beschäftigt sich Schick seit Jahren. Sie hat Wirtschaftspädagogik studiert und später promoviert. Nach Stationen bei Rodenstock und dem ADAC stieg sie an der Hochschule München auf, wo sie Personalmanagement lehrte und von 2000 bis 2008 Präsidentin war. Danach wechselte sie als Vorstand für Personal und Recht zur Fraunhofer-Gesellschaft, bevor sie zuletzt in die Politik ging.

Bei Verhandlungspartnern kommt sie gut an. "Ich war angetan von ihrer Art", sagt jemand, der sie kürzlich getroffen hat. Bei der Verabschiedung von Sattelberger mit Vorstand, Aufsichtsräten und engen Mitarbeitern vergangene Woche war sie der heimliche Star, berichten Anwesende. Manager der Personalabteilung hätten sie umschwärmt.

Seit Januar ist Schick bei der Telekom. In den ersten Wochen ist sie viel gereist, hat Tochterunternehmen in Europa besucht und so den Konzern kennengelernt. Ihre Schaltzentrale ist ihr iPad. Auf dem Tablet-Rechner landen E-Mails, Unterlagen, Kalendereinträge sowie digitalisierte Notizen.

Nach den vier Monaten zum Aufwärmen sitzen die Argumente für die Verhandlungen. Sie wählt das Bild eines Spagats. Auf der einen Seite der dynamische Telekom-Markt mit sinkenden Preisen, neuen Angreifern und dem teuren Auf- und Ausbau von Infrastruktur. Auf der anderen Seite der Ex-Monopolist Telekom mit immer noch mehr als 40.000 Beamten. Damit die Spreizung den Konzern nicht zerreißt, seien maßvolle Abschlüsse nötig.

Für die Zeit nach dem Tarifstreit hat sie neue Themen im Visier. Die Managerin will mehr Leute aus dem Ausland holen. Zudem müsse etwas für die Entwicklung älterer Mitarbeiter getan werden. Von Sattelberger erbt sie nicht nur den Tarifstreit sondern auch die Frauenquote. Besonders wichtig ist ihr der Kulturwandel. Denn der komme bei einer erreichten Quote von 30 Prozent nicht auf Knopfdruck, so ihr Argument.

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  • Aus der FTD vom 30.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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