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Merken   Drucken   16.02.2012, 19:40 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Philip Falcone - Der Sternengreifer

In der Finanzkrise galt er als einer der gerissensten Hedge-Fonds-Manager. Mit dem Mobilfunk-Startup Lightsquared droht Philip Falcone den Ruf endgültig zu verspielen. von Kim Bode, New York
Philip Falcone hat den Jungentraum vom Vorstoß ins Weltall schon verwirklicht. Der 49-Jährige hat einen eigenen Satelliten in den Orbit befördert. Falcone, als Hedge-Fonds-Manager ohnehin reichlich ambitioniert, wollte so mit seinem eigenen Mobilfunknetz den US-Telefonriesen AT&T  und Verizon  Konkurrenz machen. Doch der Traum ist jetzt geplatzt: Die Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) hat ihm den Aufbau eines superschnellen 4G-Netzes verboten.
Für den einstmaligen Starinvestor ist das ein herber Rückschlag. Für einen, der mit Wetten auf den Absturz von Subprime-Krediten 2007 den Ruf als einer der schlausten Füchse der Wall Street genossen hat. Doch mit dem Rückpfiff der Regierungsbehörde steht nun nicht nur die Existenz seines Mobilfunk-Startups Lightsquared auf dem Spiel. Auch sein Nimbus als Gründer, Chef und Investor ist schwer beschädigt. Ein Satellit im Weltall und ein Wald an Mobilfunkmasten auf Erden, der die gesamte Nation versorgen soll, ist ein finanziell riskantes Unterfangen: Mehrere Milliarden Dollar hat Falcone dafür bereits investiert.
Philip Falcone   Philip Falcone
Da dürfte selbst jemand nervös werden, der auf der alljährlichen Reichen-Hitliste des US-Magazins "Forbes" auf Platz 188 geführt wird. Mit einem Privatvermögen von 2,2 Mrd. Dollar steht Falcone weltweit auf Rang 540. Den Aufstieg hat er sich erkämpft. Als eines von zehn Kindern eines Fabrikarbeiters aus einem Dorf in Minnesota lebte er den amerikanischen Traum: Mit Stipendien absolvierte er 1984 an der Eliteuniversität Harvard ein Wirtschaftsgrundstudium. Nach einem Jahr als professioneller Eishockeyspieler in Schweden, das aufgrund einer Verletzung jäh beendet wurde, begann seine steile Karriere in der Finanzbranche. Innerhalb weniger Jahre wechselte er sechsmal den Arbeitgeber - darunter waren auch die US-Bank Wachovia, die jetzt zu Wells Fargo gehört, und Barclays Capital, das die US-Investmentsparte von Lehman Brothers übernahm.
Falcon und seine extrovertierte Frau Lisa Maria wissen selbst in der New Yorker High Society noch für Aufmerksamkeit zu sorgen. Durch ihre stete Medienpräsenz kennt mittlerweile jeder das Paar und dessen Hausschwein Wilbur.
2001 machte sich Falcone mit Harbinger Capital selbstständig. Zu seinen besten Zeiten verwaltete Falcone mit seinem Hedge-Fonds 26 Mrd. Dollar. In Krisenzeiten war er richtig gut. Doch dann liefen ihm die Investoren in Scharen davon, darunter auch die US-Großbank Goldman Sachs  und die Beteiligungsgesellschaft Blackstone . Gleichsam kündigten zahlreiche seiner Mitarbeiter. Mittlerweile sind die Einlagen bei Harbinger Capital auf 4 Mrd. Dollar zusammengeschnurrt. Das Verbot der FCC, das erst nach Bedenken von Experten aus dem Verteidigungsministerium und von der Nasa verhängt wurde, sei nun die Krönung eines "bemerkenswerten Absturzes", urteilt die New York Times vernichtend.
Auf der Malusliste stehen zudem Ermittlungen, weil der Manager sich angeblich Geld von seinem eigenen Fonds geliehen haben soll, um persönliche Steuern zu begleichen. Zudem prüfen Behörden mögliche Begünstigungen der Investmentbank Goldman Sachs. Seine Investoren bei Harbinger monieren zudem, dass er mittlerweile mehr als 60 Prozent des Vermögens in sein Mobilfunkabenteuer Lightsquared angelegt hat.
Falcone aber gibt sich weiter kämpferisch: Er denke nicht daran, die Beteiligung an Lightsquared aufzugeben oder gar Konkurs anzumelden. Analysten sehen dagegen kaum noch einen anderen Ausweg aus dem Dilemma. Doch immerhin räumen selbst Investoren ein, die ihr Geld bei ihm längst abgezogen haben, dass man bei Falcone immer mit einem Comeback rechnen muss. Neuesten Gerüchten zufolge ist sein Plan B nun, einfach die Funkwellenlizenzen zu ändern.
  • Aus der FTD vom 17.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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