Kopf des Tages:Rajeev Suri - Sonnyboy im Stresstest
Seit 20 Jahren ist Rajeev Suri in der Telekomindustrie aktiv, einer Branche, die kaum Sorgen kannte. Nun übernimmt der Inder den Chefposten von Nokia Siemens Networks - und hat gleich mehrere Probleme am Hals.
von Arndt Ohler
Seinen ersten Tag als neuer Chef wird Rajeev Suri kaum genießen können. Das dritte Quartal ist gerade abgelaufen, und wenn seine eigene Vorhersage stimmt, dürfte der Umsatz des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN) abermals geschrumpft sein. Für 2009 hat Suri branchenweit ein Minus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Erst am Dienstag hat Siemens-Finanzchef Joe Kaeser über den schlechten Zustand des deutsch-finnischen Netzwerkausrüsters gewettert.
Für den indischstämmigen Suri eine ungewohnte Situation. Der 41-Jährige gilt intern als Shootingstar. Seit er 1995 zu Nokia kam, ist ihm praktisch alles geglückt. Sein Gesellenstück lieferte der Manager mit dem Ausbau des Servicegeschäfts. Dabei betreiben Unternehmen wie NSN, Ericsson oder Alcatel-Lucent gegen Gebühr zunehmend ganze Teile der Netzwerke von Mobilfunkunternehmen wie T-Mobile oder Vodafone.
Rajeev Suri
Eben jene Service-Sparte soll dem Konzern Wachstum garantieren. Nur folgerichtig ist Suri damit der logische Nachfolger von Simon Beresford-Wylie. Der gebürtige Brite war der Mann, der die Fusion zum Gemeinschaftsunternehmen NSN verantwortete. Den Aufbruch in eine neue Ära soll nun Suri schaffen. Branchenexperten stellen dem neuen Chef ein gutes Zeugnis aus. "Er hat einen ordentlichen Job gemacht", sagte Chris Lewis vom Marktforschungsunternehmen IDC. "NSN benötigt die Betonung des Servicegeschäfts", bestätigt der Analyst die notwendige Neuausrichtung.
Der steile Aufstieg des Managers, der für Nokia bereits in Finnland, Großbritannien und Singapur gearbeitet hat, hinterlässt Spuren. So habe sich mancher Kollege zuweilen durch seine kommunikative Art, ausufernd über Erfolge zu sprechen, etwas überfahren gefühlt, heißt es konzernintern. Die meisten Mitarbeiter allerdings nehmen Suri als stets relativ entspannt wahr. Er werde weder ärgerlich noch euphorisch. "Immer wohltemperierte Mittellage", beschreibt ein Mitarbeiter.
Das ausgeglichene Gemüt dürfte dem Inder in den kommenden Monaten helfen, denn um ihn herum ist die Lage des Konzerns sowie der gesamten Branche unübersichtlich. Angesichts der jüngsten Schelte von Siemens ist fraglich, ob die Münchner, wie vertraglich mit Nokia vereinbart, bis zum Jahr 2013 an dem Joint Venture festhalten. Zudem wird es in der Branche ungemütlich. Aufkommende Anbieter aus China gewinnen zunehmend Marktanteile. "Es gibt Platz für drei", sagte Suri Anfang September in Bezug auf die Zahl weltweit agierender Ausrüster. Nokia Siemens Networks plane, zu den Verbleibenden zu gehören, so Suri weiter.
Auch privat muss Suri zurückstecken. Der verheiratete Vater zweier Kinder ist nun noch häufiger in der finnischen Zentrale in der Nähe von Helsinki - und damit seltener in seiner Heimat Delhi.
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