Wenn es außer einem Computer etwas gibt, das Todd Bradley in Begeisterung versetzen kann, dann sind es Partys in Deutschland. Solche wie das Oktoberfest, wo der Amerikaner ausgelassen mit seinen Mitarbeitern feierte, damals, als er noch Chef des US-Taschencomputerherstellers Palm war und bei der deutschen Vertriebsmannschaft gern nach dem Rechten schaute.
Doch seit 2005 muss Bradley auf deutsche Partys weitgehend verzichten. Von dem damals marktführenden, aber relativ kleinen Minicomputerbauer aus Milpitas in Kalifornien wechselte er auf den Chefsessel der PC-Sparte des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP) im nahen Palo Alto. Ein großer Schritt.
Bei Bradley ist aber mehr zurückgeblieben aus den alten Tagen bei Palm als eine sentimentale Bindung. Es ist die Überzeugung, dass selbst ein Riese wie HP auf Dauer ohne eine eigene Strategie für das mobile Internet nicht überleben kann.
Und weil HP bei Smartphones bis auf klobige Geräte mit Windows-Betriebssystem für Taxifahrer bisher nichts anbieten kann, hat Bradley in der Nacht zu Donnerstag aus der Not eine Tugend gemacht: Für 1,2 Mrd. $ kauft HP Bradleys finanziell weitgehend ausgebluteten Ex-Arbeitgeber Palm. "Die Kombination aus HPs globaler Größe und Finanzstärke und Palms einzigartiger Softwareplattform", schwärmt der 51-Jährige, erlaube seinem Konzern, "viel aggressiver" im Smartphone-Markt anzugreifen.
Der HP-Manager positioniert sich damit als Gegenspieler Apples , Nokias , Microsofts , Googles und des Blackberry-Herstellers RIM . Bradley glaubt, mit dem viel gepriesenen, finanziell aber enttäuschenden Palm-Betriebssystem Web OS die vorauseilende Konkurrenz das Fürchten lehren zu können. Schließlich liefert Palm all das, was HP fehlt: ein leistungsfähiges Betriebssystem sowie gut designte Smartphones, die auch Privatkunden begeistern können.
Bei HP hat Bradley bewiesen, dass er selbst Herkulesaufgaben meistern kann. Das einst schlingerndere Geschäft mit Computern trimmte er auf Erfolg. 42 Mrd. Euro setzt HPs PC-Sparte heute um. Ein "Macher" sei Bradley, einer, der zupacke und dabei nie seine Bodenhaftung verliere, sagen Beobachter. Dank dieser Eigenschaften hat HP längst den Rivalen Dell vom Thron des weltgrößten Computerherstellers gestoßen.
Wie zuvor bei HP wird Bradley zunächst auch bei Palm aufräumen müssen. Denn derjenige, der sowohl Web OS entwickelt als auch Palms Handys entworfen hat, ist ausgerechnet jener Manager, dessen Job durch die Übernahme überflüssig wird: Palm-Vorstandschef Jon Rubinstein , der einst für Apple den iPod entwickelt hat. Ob Rubinstein bleibt, ist nicht ausgemacht. Sollte er gehen, wird Palm wohl auch unter dem Dach von HP zunächst das fortsetzen, was die Firma erst übernahmereif gemacht hat: eine Serie von Verlusten.