Nach der Sun-Übernahme durch Oracle rumort es in der Openoffice-Szene. Viele Entwickler der kostenfreien Bürosoftware - eines Konkurrenzprodukts zu Microsofts Office - sind frustriert. Jüngst kehrten 33 Mitglieder der deutschen Openoffice-Gemeinde Sun den Rücken. Thomas Krumbein, Vorstand des deutschen Openoffice-Vereins, nennt die Trennung einen "Befreiungsschlag".
Oracle hatte das IT-Unternehmen Sun Anfang 2010 für 7 Mrd.Dollar gekauft und damit das Softwareprojekt Openoffice, an dem neben Sun-Angestellten auch freie Entwickler arbeiten. Bereits Ende September kündigten Mitglieder der Openoffice-Community die Gründung der unabhängigen Stiftung The Document Foundation an, um das Projekt nach ihren Vorstellungen voranzutreiben. Sie luden Oracle ein, der Stiftung beizutreten - auch um die Markenrechte am Namen Openoffice.org einzubringen. Doch der Softwarekonzern ließ lediglich mitteilen, er werde Openoffice.org weiter unterstützen. Die freien Entwickler wichen für ihre Version vorsorglich auf den Namen Libreoffice aus.
"Offensichtlich hat es bei der künftigen Strategie Diskrepanzen gegeben", sagt Ralf Kaumanns von der IT-Beratung Accenture. Er stellte in einer Studie fest, dass für freie Softwareentwickler Motivation eine wichtige Rolle spielt - ebenso wie das Projektziel. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, obwohl das Geschäft von Software mit offenen Programmcodes boomt: Der Marktforscher IDC sieht den Umsatz bis 2013 auf 8 Mrd. Dollar wachsen von derzeit knapp 5 Mrd. Dollar.