Wenn ein Lahmer und ein Blinder sich zusammentun, kommen sie zwar endlich vorwärts, ein Sprinterteam wird aber immer noch nicht daraus. Das sollten
Deutsche Telekom und
France Telecom im Auge behalten, wenn sie für ihr geplantes Joint Venture auf dem britischen Mobilfunkmarkt eine rosige Zukunft ausmalen. Sicher, ein Zusammenschluss von T-Mobile UK und seinem Konkurrenten Orange, viert- und drittgrößter Anbieter auf dem britischen Markt, ist besser als der Status quo. Doch ob das neue Unternehmen die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann, ist fraglich.
Das Problem ist die Konstruktion an sich: Ein Joint Venture, an dem jeder Partner die Hälfte hält, ist unweigerlich schwerfällig. Bei dem Blinden und dem Lahmen ist wenigstens klar, dass der Lahme die Richtung vorgibt. Beim Joint Venture ist es das nicht. Dort muss jeder Schritt mühsam ausgehandelt werden.
Aus gutem Grund hat die Deutsche Telekom solche Konstrukte bisher gemieden. Zu lang ist die Liste der abschreckenden Beispiele: Ob
Sony Ericsson bei den Handyherstellern, Airbus bei den Flugzeugbauern oder Sony BMG bei den Musikkonzernen - immer erweisen sich die langen Entscheidungswege und die unterschiedlichen Unternehmenskulturen als Problem. Gerade in den schnelllebigen Hightech-Branchen haben Gemeinschaftsunternehmen einen Wettbewerbsnachteil.
Trotz dieser Risiken ist der Zusammenschluss der beiden kleinen britischen Mobilfunker ohne Alternative. Auf sich allein gestellt, drohte T-Mobile UK immer mehr den Anschluss an die Marktführer
Vodafone und O2 zu verlieren. Und ein Verkauf - lange Zeit die bevorzugte Variante in der Telekom-Zentrale - scheiterte daran, dass sich kein Konkurrent fand, der auch nur annähernd den Preis zahlen wollte, der den Bonnern vorschwebte.
Nun liegt es am neuen Führungsteam des Joint Ventures und an der Kooperationsbereitschaft der beiden Konzerne, ob sie die Chancen verwirklichen, die in dem Zusammenschluss liegen. Der wichtigste Vorteil dürften die Kosteneinsparungen sein, die sich durch die schiere Größe realisieren lassen. Das neue Unternehmen braucht viel weniger Shops, und es kann mit weniger Mobilfunkmasten eine bessere Netzqualität bieten.
Außerdem hat der neue Marktführer auf der Insel nun gute Chancen, die begehrten Exklusivverträge für Premiumhandys wie das iPhone zu ergattern - ein Aspekt, der mit zunehmender Bedeutung der mobilen Datenübertragung immer wichtiger wird.
Für die Telekom ist zudem wichtig, dass sie nun zumindest ihr britisches Sorgenkind versorgt weiß. Damit kann sie sich ihrer anderen großen Baustelle zuwenden: T-Mobile USA, das in seinem Markt ebenfalls auf dem unbefriedigenden vierten Platz liegt.
Ein Käufer ist jedoch auch in den USA nicht in Sicht. Da kann es nicht schaden, wenn die Telekom in Großbritannien übt, in einem Joint Venture als rosa Krückstock zu dienen.