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Mit den Tablets erobert eine neue Computergeneration die Welt. Wichtige Themen auf der diesjährigen IT-Messe sind zudem Cloud-Computing und Sicherheit für mobile Endgeräte. FTD.de präsentiert in seinem Spezial Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   01.03.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Markt für Maschinenfunk: Auf der Suche nach dem Standard

Softwareplattformen bieten Platz für verschiedene Geschäftsmodelle. Automatisierung und alternative Geschäftsmodelle sind in dem neuen Wachstumsmarkt zwingend. Jasper Wireless mischt mit. von Arndt Ohler  Hamburg
Der größte Teil vernetzter Geräte, die künftig auf den Markt kommen, werden keine Handys oder Computer sein: Autos, Stromschalter oder Herzfrequenzsensoren bekommen Sim-Karten und verbinden sich per Funkmodem automatisch mit dem Internet. Um die Millionen neuer Sim-Karten zu organisieren, nützt die bestehende Serviceinfrastruktur der Telekomunternehmen - Callcenter und Ladengeschäfte - wenig.
"Wir bieten Netzbetreibern eine Komplettlösung", sagt Stéphane Dejean, Manager bei Jasper Wireless. Das relativ junge amerikanische Unternehmen bietet sowohl Mobilfunkkonzernen als auch Unternehmen, die vernetzte Geräte verkaufen, Steuerungsplattformen an. Netzbetreiber können darüber gleichzeitig Hunderte von Sim-Karten aktiv schalten, die Funktion der Karten überwachen oder einzelnen Handychips spezielle Tarife zuweisen. "Jasper bietet eine Art Erweiterung der Mobilfunknetze", betont Glen Allmendinger, Chef des Beraters Harbor Research.
Zahlreiche Kunden
Die 2004 gegründete Firma zählt bereits zahlreiche Telekomkonzerne wie AT&T , Telefónica , América Móvil sowie den E-Plus-Mutterkonzern KPN  zu ihren Kunden. Die Kalifornier haben damit die Chance, zu einer zentralen Anlaufstelle im weit verzweigten M2M-Geschäft zu werden.
Automatisierung und alternative Geschäftsmodelle sind in dem neuen Wachstumsmarkt zwingend: So haben die Netzbetreiber keinen direkten Kontakt zu Endkunden mehr, sondern verkaufen ihre Angebote an Unternehmen, die wiederum internetfähige Geräte und Zusatzdienste anbieten. Daher funktioniert die bisherige Struktur der Netzbetreiber nicht: Sie ist darauf ausgerichtet, sich um Kunden zu kümmern, die einen durchschnittlichen Monatsumsatz von knapp 20 Euro liefern. Bei Geräten wie zum Beispiel einem E-Book-Reader erhalten die Telekomunternehmen jedoch lediglich eine einmalige Zahlung von wenigen Euro, mit der der gesamte Datenverkehr des digitalen Lesebuchs abgedeckt ist. Die Automatisierung über Plattformen wie die von Jasper Wireless ist daher nötig, um auch bei den relativ geringen absoluten Umsätzen je Gerät einen Gewinn erzielen zu können.
Jasper-Wireless-Gründer und -Chef Jahangir Mohammed ist schon lange in der Telekombranche aktiv. Vor Jasper arbeitete er bei Kinteo Wireless sowie bei AT&T Bell Laboratories und dem Netzwerkausrüster Lucent, der mittlerweile in Alcatel Lucent aufgegangen ist.
Der Manager hat im Herbst und zum Ende vergangenen Jahres in einer weiteren Finanzierungsrunde insgesamt 20 Mio. Dollar Kapital bei Investoren eingesammelt. Zu den sieben Anteilseignern gehören unter anderem die bekannten Risikokapitalgeber Sequoia Capital und Benchmark Capital.
Mit der Kombination aus Netzbetreiber und Unternehmen wie Jasper ist es nicht getan. "Das fehlende dritte Puzzleteil sind Firmen, die passende Software entwickeln", sagt Berater Allmendinger. Dabei ist dieser Markt für Spezialsoftware ebenso zersplittert wie bei den Geräten. Ohne die Programme läuft aber nichts: Ein Sensor in einem Gebäude, der Informationen funkt, ob Fenster auf oder zu sind und wie hoch die Temperatur ist, nützt wenig, wenn nicht eine zentrale Software die Daten analysiert und womöglich den Befehl gibt, Fenster zu schließen und Rollos runterzulassen, falls es zu heiß ist.
Es gibt jedoch Initiativen, um eine gewisse Standardisierung zu erreichen. So versucht zum Beispiel das Unternehmen Pacific Control mit Sitz in Dubai, Softwarebausteine zu programmieren, die variabel eingesetzt werden können. Je nach Anwendung könnten Kunden der Araber die passenden Teile wählen.
Chancen in vielen Bereichen
Um das stark schwankende Aufkommen von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind oder Sonne besser steuern und nutzen zu können, müssen die Stromnetze in den kommenden Jahrzehnten zu Smart Grids aufgerüstet werden. Intelligente Zähler sind nur ein Teil des Geschäfts. Die Telekomkonzerne hoffen, dass sie ihre Erfahrung mit dem Bau von Kommunikationsnetzen in die neue Branche übertragen können. Zudem müssen in den kommenden Jahren Tausende Zähler installiert und gewartet werden. Eine Dienstleistung, die die Telekomkonzerne mit ihrem Heer an Servicefachleuten gern übernehmen würden.
Moderne Autos sind eng mit dem Internet vernetzt. Käufer können über die eingebauten Bildschirme im Web surfen, E-Mails empfangen und sich aktuelle Informationen besorgen. Dieser Datenverkehr treibt die Umsätze der Mobilfunkunternehmen. Darüber hinaus wollen Konzerne mit Zusatzleistungen wie zum Beispiel Internetbezahlsystemen oder Systemen zur Verkehrssteuerung Geld verdienen. Gebühren für Parkhäuser oder für Mautstraßen könnten so über eine Funkschnittstelle des Autos abgerechnet werden: das Ende der Fummelei mit Münzen in Hosentaschen. Das wachsende Geschäft mit Elektroautos regt ebenfalls die Fantasie der Manager an. Experten erwarten, dass die neuen Autos die Vernetzung von Fahrzeugen fördern werden. Telekomunternehmen könnten hier zum Beispiel bei der Abrechnung von Strom an speziellen Tankstellen zum Zuge kommen.
Zahlen per Handy ist in diesem Jahr bei nahezu allen führenden Mobilfunkunternehmen eines der wichtigsten Themen. Konzerne wie Vodafone, Deutsche Telekom oder O2 wollen ihren Vorteil nutzen, dass sie bereits Beziehungen zu vielen Millionen Kunden unterhalten. Zudem sind ihre Systeme dafür eingerichtet, auch kleinste Beträge nahezu in Echtzeit abzurechnen. Hoffnung ist, dass künftig Kunden ihr Handy zum digitalen Portemonnaie machen und beim Einkauf im Supermarkt mit dem Telefon bezahlen. Die Telekomunternehmen könnten ähnlich wie Kreditkartenunternehmen einen Anteil der Summe als Transaktionsgebühr behalten. Möglich macht dieses Geschäftsmodell unter anderem die Funktechnik NFC. Auf einem speziellen Chip im Handy sind ähnlich wie auf einer Kreditkarte Informationen gespeichert. Hält ein Kunde sein Handy an ein Lesegerät, ist der Einkauf bezahlt. Aktuell gibt es zwei große Konsortien für mobiles Bezahlen: MPass in Deutschland und Isis in den USA.
Mit ihrem großen Kundenstamm wollen die Telekommunikationsunternehmen auch bei Inhalteanbietern wuchern. Filme, Musik, Bücher oder Zeitungen lassen sich mühelos über Internet und Mobilfunk vertreiben. Die Deutsche Telekom stellt auf der Cebit bereits eine Plattform für den digitalen Büchervertrieb vor. Die Unternehmen spekulieren darauf, dass viele Medienunternehmen nach Alternativen zu Apple, Amazon und Google suchen. Die Inhalteanbieter streiten mit den US-Technologiekonzernen wegen zu hoher Gebühren in Apples Onlineladen iTunes, unterschiedlicher Preisvorstellungen für Bücher auf Amazons Lesegerät Kindle sowie mit Google über die Nutzung von Nachrichten und anderen Inhalten.
Weit fortgeschritten sind die Ambitionen, im milliardenschweren Gesundheitsmarkt mitzumischen: Insulintestgeräte, die automatisch Ergebnisse an den eigenen Computer und den Arzt senden. Bodenmatten, die einen Sturz registrieren und einen Notruf auslösen. Im Fokus stehen vor allem Anwendungen, die es kranken Menschen erlauben, weiter zu Hause zu wohnen oder schneller das Krankenhaus verlassen zu können. Dies verspricht große Kosteneinsparungen. Die Unterstützung seitens der Politik und der Krankenkassen ist den Anbietern damit nahezu sicher. Hinzu kommen zum Beispiel Dienste, mit denen Mediziner Röntgenbilder oder digitale Krankenakten online einsehen können.
  • FTD.de, 01.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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